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Über das Dach der Welt

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Tags: Motorsport, Heritage
Janine Vogler, 28. November 2019
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Janine Vogler Oldtimer liegen der gelernten Journalistin besonders in der Verbindung mit ZF-Produkten am Herzen. Privat ist sie lieber mit Hund in der Natur oder Motorrad unterwegs.
Mit einer Mercedes-Benz Pagode auf der New Silk Road Rallye von Hamburg bis nach Hongkong zu fahren – diesen Traum hat sich ein Schweizer Ehepaar erfüllt und dabei auf ZF-Technik vertraut: Kurz vor ihrer Weltreise ließen sich Kurt und Susi Infanger bei ZF Tradition ein nachgefertigtes Fünfganggetriebe für ihre Pagode einbauen – die New Silk Road Rallye wurde damit zur „Reise ihres Lebens“.

Mit einem Oldtimer in 60 Tagen über 14.000 Kilometer über die Steppen Kasachstans und die Hochebenen Tibets zu absolvieren - das stellt hohe Anforderung an Mensch und Maschine dar. Wenn die Schweizer jedoch etwas anfangen, dann machen sie es richtig: Kurt Infanger hat sich seinen Mercedes-Benz 230 SL (W113) erst ein Jahr vor der Rallye gekauft und damit gleich zwei Träume verwirklicht: Neben der Teilnahme an der gigantischen Traumstrecke über das Dach der Welt, ließ er seine Pagode fast identisch mit der von Rennfahrerlegende Eugen Böhringer umbauen.

Böhringer erzielte mit seiner Pagode in den frühen 1960er Jahren unvergessene, spektakuläre Langstreckenerfolge - wie die von Lüttich-Sofia-Lüttich. Sogar die Innenausstattung mit kariertem Bezugsstoff zwischen schwarzem Leder wurde im Stil des Vorbilds angepasst. Kurt Infanger, der sich selbst als begeisterten Autofahrer und leidenschaftlichen Bergmensch bezeichnet, war schon als Kind fasziniert von Langstreckenrennen und wollte diese Erfahrung gerne selbst einmal umsetzen.

Eine Extremrallye wie die New Silk Road Rallye mit ihren 14.000 km kam ihm und seiner Frau Susi als Abenteuer für den beginnenden Ruhestand gerade recht. Die allgemein als zuverlässig und robust geltende MB Pagode mit ihrem geräumigen Fahrkomfort und dem sportlichen Fahrwerk schien ihm das ideale Fahrzeug für dieses Abenteuer zu sein – klar war für ihn aber auch, dass das ursprünglich optional angebotene Fünfganggetriebe S5-20 von ZF mit an Bord sein sollte: Das S5-20 sorgt für mehr Fahrkomfort und -Spaß durch niedrigere Drehzahl und garantiert obendrein einen ökonomischen Verbrauch.

ZF hatte vor einigen Jahren auf Kundenwünsche reagiert und begonnen, durch den Nachbau die Möglichkeit anzubieten, von 4-Gang auf 5-Gang mit Originalersatzteilen umzurüsten. Das ZF Fünfgang-Getriebe wurde ursprünglich optional für den 230 SL, 250 SL, 280 SL sowie für den 300 SE, SEb und SEL angeboten, aber nur wenige Besitzer machten beim Fahrzeugkauf davon Gebrauch. Heutzutage möchten die Fahrer auf den Komfort jedoch nur ungern verzichten, daher gibt es mehr Nachfrage denn je nach dem Fünfgang-Getriebe. Im Bereich der schwer oder auch gar nicht erhältlichen Verschleiß-Ersatzteile werden Reparatur-Kits mit jeweils Synchronsätzen, Lager- und Dichtungssätzen von ZF angeboten.

Durch dieses Nachbauprojekt konnte auch Kurt Infanger seine Pagode bei ZF Tradition in Friedrichshafen nachrüsten lassen. Eine Investition, die sich absolut gelohnt hat, denn mit Servolenkung und dem S5-20 von ZF lässt sich seine Pagode fast wie ein Neuwagen lenken. Immerhin führten einige Pässe die 14 teilnehmenden Teams bis auf 5380 Meter hoch, solche Höhen bedeuten immer auch Leistungsverlust – nicht nur beim Menschen. „Das Tempolimit in Tibet liegt bei 80 km/h, aber auf den Pässen haben wir es laufen lassen“, erzählt der sympathische Schweizer.

Wenn die Luft sehr dünn wurde, kam kurzfristig auch mal eine Sauerstoffflasche zum Einsatz…

Wenn die Luft sehr dünn wurde, kam kurzfristig auch mal eine Sauerstoffflasche zum Einsatz…

Die außergewöhnliche Tour führte durch acht Länder und dabei durch menschenleeres, unbekanntes Terrain und ehemals geschlossene Sperrgebiete: über Schotterpisten in Usbekistan, durch die Hochebene Tibets mit Wege-blockierenden Kuh-, Schaf- oder Yakherden entlang der nördlichen Seite des Himalaya - gekrönt durch einen atemberaubenden Aufenthalt auf über 5000 Meter Höhe in Tibet am Mount Everest. Wenn die Luft sehr dünn wurde, kam kurzfristig auch mal eine Sauerstoffflasche zum Einsatz: Aus der Flasche führten zwei kleine Schläuche, die man dann an die Nase legte. Den meisten Atem raubten ihnen aber durchaus die grandiosen Naturwunder und die Begegnungen mit den Menschen entlang der Strecke.

Während der gesamten Strecke wurden die Teilnehmer von einer Mechanikerchrew begleitet und streckenweise war auch ein Arzt mit dabei. Nach zwei Monaten kamen die Infangers wohlbehalten und glücklich von ihrer Traumreise in Hongkong an. Während die Autos jeweils mit Containern verschifft wurden, flogen die Teilnehmern zurück in die Heimat – ihre Pagode konnten die Infangers erst zwei Monate später in Empfang nehmen. Sand und Staub aus der halben Welt zeugte immer noch von diesem einmaligen Abenteuer.

Viele unvergessliche Eindrücke, aber auch das Sich-Einlassen auf die jeweiligen regionalen Verhältnisse und das Überwinden der gewohnten heimischen Standards, haben die New Silk Road Rallye für die Infangers zu der Reise ihres Lebens werden lassen. Die Begeisterung hält noch immer an - sowohl für ihre Pagode, zu der die Infangers mittlerweile eine persönliche Bindung aufgebaut haben, als auch für die Reise an sich. Es wird vermutlich nicht die Letzte für sie gewesen sein…