Das Bild zeigt einen gelben Horch 853 von vorne im Anschnitt. Das Bild zeigt einen gelben Horch 853 von vorne im Anschnitt.

Geräuschlos in die Oberklasse

Kaum eine andere Automarke wird so stark mit automobiler Raffinesse und Noblesse gleichermaßen verbunden wie Horch. 1899 als A. Horch & Cie. in Köln gegründet, wuchs die Marke schnell zu einem erfolgreichen Unternehmen und verwendete als eine der ersten das Aphongetriebe von ZF.

Autor: Janine Vogler, 2024-09-05

Der Markengründer August Horch zählte zu den Pionieringenieuren der Kraftfahrzeugtechnik: Noch vor der Jahrhundertwende war er an der Lösung der Anfangsprobleme des Automobils beteiligt. Dazu leistete er maßgebliche und für die Praxis bedeutende Beiträge, beispielsweise die erstmalige Verwendung von Aluminium als Werkstoff für das Kurbelgehäuse. Auch die Einführung des Kardanantriebs oder die Verwendung hochfester Stähle im Getriebebau waren ihm zu verdanken. Seine Ingenieurtätigkeit war vor allem darauf ausgerichtet, der Erfindung des Automobils durch die notwendigen Nachfolgeverbesserungen zur brauchbaren Anwendung zu verhelfen.

Das Bild zeigt einen schwarzen Horch von hinten, dem ein anderer von vorne gegenüber steht.

Horch besetzte unangefochten das Luxussegment: Adel, hohe Militärs, Filmstars und Sportler fuhren Horch.

Die Entstehung einer Legende

Als Ingenieur im Motorenbau tätig, gelang August Horch zunächst eine Anstellung bei Benz & Cie in Mannheim. In dieser Keimzelle des industriellen Automobilbaus gewann Horch Einblick in die Wachstums– und Entwicklungsprobleme des Kraftfahrzeugs. Mit seinen Kenntnissen und Erfahrungen in leitender Position machte er sich dann 1899 mit einer Werkstatt selbstständig und saß schon bald über der Konstruktion seines ersten Automobils. So hatte er, um die Nachteile des stampfenden, in Fahrtrichtung liegenden Einzylinders und des auch unbefriedigenden Kontramotors auszugleichen, rasch einen neuen Motor entwickelt, bei dem zwei Zylinder einen gemeinsamen Verbrennungsraum besaßen. Horch nannte ihn den stoßfreien Motor.

Ein gelber Horch 853 steht vor einer Obstplantage.

Der Horch 853 repräsentierte den Höhepunkt der Sportcabriolet-Tradition dieser Marke.

1904 vollzog er die Gründung der A. Horch Motorenwagenwerke in Zwickau. In den folgenden Jahren verwirklichte und erweiterte er neue Ideen. Er war von der großen masseerleichternden Bedeutung des Leichtmetalls überzeugt – und hatte das Kurbelgehäuse, sowie die Gehäuse von Getriebe und Differenzial aus Leichtmetall gefertigt. Horch ordnete auch als einer der ersten Konstrukteure die Einlassventile hängend an. Seine Vierzylinder-Wagen gab es zunächst mit 22 und mit 40 PS, der Hubraum dafür umfasste 2,6 beziehungsweise 5,8 l. Eine anspruchsvolle Ausstattung zeichnete die Wagen ebenso aus wie ihre robuste Technik. Bei Horch sind vor dem ersten Weltkrieg die ersten Lastwagen gebaut worden und das erste Horch Nutzfahrzeug war im Jahr 1910 ein Krankenwagen. Interessanterweise wurden auch Arbeitsmaschinen auf Pkw-Fahrgestell angeboten, zum Beispiel Häckselschneider.

„Ich war unter allen Umständen bestrebt, nur starke und gute Wagen zu bauen.“
August Horch

Die Trennung

Wegen innerpolitischer Auseinandersetzungen verließ August Horch 1909 sein eigenes Werk, aber ambitionierte Ingenieure folgten alsbald seinen Spuren. Chefkonstrukteur der 20er Jahre war kein geringerer als Paul Daimler, der Sohn von Gottfried Daimler. Binnen kürzester Zeit wurde die Marke Horch Ende der Zwanzigerjahre zum Qualitätsbegriff und symbolisierte ein Spitzenerzeugnis der deutschen Automobilindustrie. Besondere Laufruhe und hohe Verarbeitungsqualität prägten das Image dieser Wagen. So wurden beispielsweise alle hochbelasteten Teile wie Kurbelwellenlager bei Horch, als einem der ersten Automobilhersteller überhaupt, mit Diamanten bearbeitet. Gegen Ende der 20er Jahre wurden fast nur noch Achtzylinderwagen gebaut. 1929 waren schon an die 7000 gefertigt worden - eine Zahl, von der die deutschen Konkurrenten nur träumen konnten. Doch die wohl größte Sensation war der 1931 auf dem Pariser Autosalon vorgestellte Wagen mit Zwölfzylinder-V-Motor mit 6 Litern Hubraum. Dieses Auto sollte höchsten Ansprüchen an automobiler Kultur gerecht werden.

Ein gezeichnetes Werbeplakat vom ZF-Aphongetriebe auf blauem Hintergrund.

Ein Werbeprospekt des Aphon-Getriebes von 1938.

So dauerte es nicht mehr lange, bis in die imposanten Wagen der Oberklasse auch ZF Produkte Einzug hielten: ZF-Gemmerlenkungen waren bereits bei Horch verbaut. Und für die Geräuscharmut der Wagen war die Verwendung des damals neuen ZF-Aphongetriebes gerade zu verpflichtend. Das Aphon-Getriebe war eines der ersten in Deutschland, bei denen schon der zweite Gang geräuscharm ausgebildet war. Aphon bedeutet „ohne Ton“ - dieses Getriebemodell wurden ab 1929 in drei Größen für Pkw und in vier Größen für Lkw gebaut. Sie zeichneten sich durch besondere Laufruhe und leichte Haltbarkeit aus. Für ZF-Aphon-Getriebe wurden erstmals geschliffene Schrägzahnräder verwendet. Die Einzellagerung der Zahnräder verbesserte die Laufruhe ebenfalls. Mit diesem Getriebetyp und der Einführung der Schrägverzahnung konnte ZF seine führende Stellung im Getriebebau festigen.

August Horch hatte tatsächlich schon seit 1909 nichts mehr mit den luxuriösen Automobilen zu tun, die seinen Namen trugen. Aus den von ihm gegründeten Horchwerken ist sein Wirken aber im Weiteren unter der Marke Audi zum Begriff geworden - und wird symbolisiert durch einen der vier Audi-Ringe.

Übersicht Horch Fahrzeuge mit ZF-Aggregaten
Fahrzeugtyp Bauzeit Stückzahl Zylinder
Leistung
ZF-Produkte
400
04/1930 - 05/1932 953 8-Zylinder in Reihe
80 PS
Ross-Lenkung
405 12/1930 - 10/1931 105 8-Zylinder in Reihe
80 PS
Ross-Lenkung
410 01/1931 - 08/1933 258 8-Zylinder in Reihe
80 PS
Ross-Lenkung
420 02/1931 - 08/1933 256 8-Zylinder in Reihe
90 PS
Ross-Lenkung
430 09/1931 - 05/1933 205 8-Zylinder in Reihe
65 PS
Ross-Lenkung
440 07/1931 - 10/1932 87 8-Zylinder in Reihe
80 PS
Ross-Lenkung
450 01/1931 - 04/1932 238 8-Zylinder in Reihe
90 PS
Ross-Lenkung
470 02/1931 - 03/1932 298 8-Zylinder in Reihe
90 PS
Ross-Lenkung, Gb 35
480 11/1931 - 08/1932 54 8-Zylinder in Reihe
100 PS
Ross-Lenkung
500/500 A 09/1930 - 03/1932 309 8-Zylinder in Reihe
100 PS
Ross-Lenkung
500 B 03/1932 - 06/1935 381 8-Zylinder in Reihe
100 PS
Ross-Lenkung, Gb 35
600 01/1932 - 10/1932 20 12-Zylinder V
120 PS
Gb 35
670 09/1931 - 03/1934 60 12-Zylinder V
120 PS
Ross-Lenkung, Gb 35
710 04/1932 - 11/1933 125 8-Zylinder in Reihe
80 PS
Ross-Lenkung, Gb 35
720 04/1932 - 11/1933 97 8-Zylinder in Reihe
90 PS
Ross-Lenkung, Gb 35
750 10/1932 - 11/1933 213 8-Zylinder in Reihe
90 PS
Ross-Lenkung, Gb 35
750 B 01/1934 - 02/1935 368 8-Zylinder in Reihe
90 PS
Ross-Lenkung, Gb 35
780 03/1932 - 02/1934 223 8-Zylinder in Reihe
100 PS
Ross-Lenkung, Gb 35
780 B 02/1934 - 11/1934 80 8-Zylinder in Reihe
100 PS
Ross-Lenkung, Gb 25
830 02/1933 - 11/1934 1.861 8-Zylinder V
62 PS
Ross-Lenkung, Gb 25
830 B 11/1934 - 02/1935 124 8-Zylinder V
70 PS
Ross-Lenkung, Gb 25
830 BK 01/1935 - 01/1937 1.414 8-Zylinder V
75 PS
Ross-Lenkung, Gn 25 /
Gb 35 Schnellgang
830 BL 01/1935 - 04/1940 6.123 8-Zylinder V
75/82/92 PS
Ross-Lenkung, Gb 25 mit/ohne Schnellgang,
AK 4 S 20
850 12/1934 - 06/1939 432 8-Zylinder in Reihe
100 PS
Ross-Lenkung, Gn 35
851 12/1934 - 01/1937 243 8-Zylinder in Reihe
100 PS
Ross-Lenkung, Gn 35
853 02/1935 - 12/1937 681 8-Zylinder in Reihe
100 PS
Ross-Lenkung, Gn 35
853 A 01/1938 - 01/1940 342 8-Zylinder in Reihe
100 PS
Ross-Lenkung, Gn 35,
AK 4 S 30 mit Ferngang
855 02/1935 - 06/1939 7 8-Zylinder in Reihe
100 PS
Ross-Lenkung, Gn 35,
AK 4 S 20 mit Ferngang
930 V 01/1937 - 01/1940 2.060 8-Zylinder V
82/92 PS
Ross-Lenkung, Gb 25,
AK 4 S 20
951 11/1936 - 10/1937 146 8-Zylinder in Reihe
100 PS
Ross-Lenkung, Gn 35,
AK 4 S 30
951 A 12/1937 - 09/1940 365 8-Zylinder in Reihe
120 PS
Ross-Lenkung, Gn 35,
AK 4 S 20
Anmerkung: ZF-4-Gang-Aphongetriebe mit/ohne Schnellgang, Gb = Aphongetriebe mit Bremse, Gn = Aphongetriebe neue Version