EMEA mit 49,6% (Vorjahr: 46,8%) ist unverändert die umsatzstärkste Region. Der Umsatzanteil Nordamerikas fiel leicht von 27,0% auf 25,8% wie auch der Anteil der Region Asien-Pazifik, der sich von 22,9% im Vorjahr auf 21,2% im Berichts?jahr verringerte. Die Region Südamerika weist einen Umsatzanteil von 3,4% (Vorjahr: 3,3%) auf.
Brief des Vorstands
Auch wenn der vor uns liegende Weg anspruchsvoll ist, ist für uns eines klar: Wir wollen mit ZF zurück an die Spitze. In den vergangenen Monaten haben wir gezeigt, dass wir es dafür nicht bei Lippenbekenntnissen belassen, sondern mit Nachdruck handeln. Wir haben als Team hart gearbeitet und als Team Opfer gebracht. Wir haben vertraute Pfade verlassen und neue Routen im unternehmerischen Handeln eingeschlagen. Wir haben unsere Kosten auf den Prüfstand gestellt und unsere wirtschaftlichen Vorhaben konsequent umgesetzt.
Mathias Miedreich, Vorsitzender des Vorstands, ZF Friedrichshafen AG
Es motiviert uns, dass unsere Performance- und Transformationsprozesse zu greifen beginnen. Wir nehmen dies als Ansporn, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen. Für Selbstzufriedenheit ist dabei keinerlei Platz. Wir wissen: Unser Weg bergauf braucht weiterhin unsere volle Konzentration und höchsten Einsatz im gesamten Konzern.
Wirtschaftlich haben wir für 2025 unsere Ziele übertroffen. Bei einem Umsatz von 38,8 Milliarden Euro liegt die bereinigte EBIT-Marge bei 4,5 Prozent. Erwartet hatten wir einen Wert zwischen 3,0 und 4,0 Prozent. Der bereinigte Free Cashflow erreicht 1,4 Milliarden Euro. Geplant hatten wir mit 500 Millionen Euro plus. Gleichwohl weist der ZF-Konzern für das Geschäftsjahr 2025 noch einmal einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro aus.
Grund für diesen Verlust ist eine Einmalbelastung aus dem Bereich E-Mobilität, mit der wir uns von Altlasten befreit haben. Mit einigen Kunden der Division für Elektrifizierte Antriebstechnologien haben wir uns auf die vorzeitige Beendigung von Projekten geeinigt, die angesichts des langsameren Hochlaufs der E-Mobilität nicht die erwartete Profitabilität erwarten ließen. Dies führt buchhalterisch für 2025 zu einer spürbaren Einmalbelastung. Dafür gewinnen wir für die Zukunft Handlungsspielraum für solche Schritte zurück, die uns wirtschaftlich nachhaltig nach vorn bringen.
Erfreulich ist zudem, dass sich die operative Leistung der Division für Elektrifizierte Antriebstechnologien im Vergleich zum Vorjahr signifikant verbessert hat und im Plan des Restrukturierungsprogramms liegt, das wir im laufenden Jahr mit all seinen Elementen fortführen werden.
Lassen Sie mich zu den Zahlen transparent und klar festhalten: Für 2025 liefern wir ein solides Arbeitsergebnis ab. Wir glänzen mit den Werten nicht. Aber wir können auf ihnen aufbauen. Wir befinden uns in einer Übergangsphase und werden uns Schritt für Schritt wieder die Profitabilität erarbeiten, die unsere Eigentümer, die aber auch wir von uns selbst erwarten.
Wie erreichen wir das? Wie kommt ZF stabil und nachhaltig wieder dorthin zurück, wo es hingehört?
Im Kern sind es drei Handlungsfelder:
1. Stärken der finanziellen Position: Wir arbeiten an unserer operativen Performance und bauen unsere Verschuldung konsequent ab. Damit halten wir wichtigen Cashflow im Haus und gewinnen unsere strategische Handlungsfreiheit zurück.
2. Fokussieren: Wir richten unsere Strategie auf die Bereiche aus, in denen wir in Zukunft führend bleiben bzw. werden können. Dort, und nur dort, investieren wir. Mit einem refokussierten Kerngeschäft können wir im Wettbewerb weiterhin souverän handeln und wieder gutes Geld verdienen.
3. Anpassen: Wir bauen die Strukturen und Abläufe von ZF zügig um. Wir handeln mit einem agilen Mindset, das die Impulse aus den Märkten offen aufnimmt. Das erhöht unsere Reaktionsfähigkeit und fördert eine neue Unternehmenskultur.
Welche Wege wir in den kommenden Jahren auch immer beschreiten, wir benötigen dafür wirtschaftlichen Handlungsspielraum. Deshalb hat der Abbau der Verbindlichkeiten für uns weiterhin höchste Priorität. Mit jedem Euro weniger an Zinsen stärken wir unsere Widerstandsfähigkeit. Gleichzeitig wächst der Freiraum für die Realisierung von Vorhaben, mit denen wir unseren nachhaltigen Ertrag stärken.
Lassen Sie mich Ihnen dazu Hintergrund liefern:
Noch vor einem Jahr lag unsere Nettoverschuldung bei 10,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig beliefen sich die Zinsaufwendungen auf 735 Millionen Euro. Das lag deutlich über dem, was unser Konzern auf Dauer tragen kann. Erfreulich ist, dass wir unsere Schulden im Jahr 2025 um 250 Millionen Euro senken konnten.
Dieser Schuldenabbau auch in schwierigen Zeiten ist vom Umfang noch gering. Aber er ist ein wichtiges Zeichen der Stabilität und Zuversicht an unsere Mitarbeiter, Kunden und nicht zuletzt auch den Finanzmarkt. Die positiven Reaktionen des Kapitalmarkts darauf bestärken uns in dem Vorgehen. Unser Ziel ist, die Verschuldung auch im laufenden Jahr weiter zu senken.
Ein wichtiger Baustein zur Neuaufstellung von ZF war die Einigung zur Veräußerung unserer Pkw-Fahrerassistenz-Sparte ADAS an Harman. ADAS wächst immer stärker mit In-Car-Infotainment und Softwareplattformen zusammen. Genau hier gehört Harman weltweit zu den führenden Unternehmen. Gemeinsam mit unseren ADAS-Teams wird Harman zu einem der führenden Anbieter von Automobilelektronik für Fahrzeugdomänen wie Fahrerassistenz oder Infotainment. Im ADAS-Geschäft für Nutzfahrzeuge bleibt ZF weiterhin aktiv.
Die Einigung mit Harman ist nicht nur technologisch begründet. Der Verkauf trägt zu einem weiteren Schuldenabbau bei und ist zudem auch strategisch sinnvoll: Wir schärfen unseren Fokus auf die Bereiche, in denen ZF besonders stark ist: Chassis, Antriebssysteme, Nutzfahrzeuge, Industrietechnik und Aftermarket. Dies ermöglicht es uns, unsere Energie zukünftig noch gezielter dort einzusetzen, wo wir den größten Mehrwert für unsere Kunden schaffen.
Auf dem Weg zur weiteren Fokussierung bleibt die Ausgliederung oder Abgabe von ausgewählten Unternehmensteilen – auch die Verselbstständigung über ein IPO – für uns auch an anderen Stellen eine Option. Hier möchte ich unterstreichen: Wir stehen dabei in keiner Weise unter Zeitdruck. Wir handeln dann, wenn wir uns sicher sind, dass wir die beste Lösung haben. Das gilt auch für unsere weiterhin sehr profitabel arbeitende Sparte Passive Sicherheitstechnik, die wir im Jahr 2024 unter der Bezeichnung ZF Lifetec erfolgreich als eigenständiges Unternehmen organisiert haben. Auch unsere Wind-Sparte stellen wir selbstständig auf, um sie noch agiler und erfolgreicher im Markt zu positionieren und um strategische Optionen zu eröffnen.
Wir sehen in der strategischen Fokussierung unserer Geschäftstätigkeiten eine wirkungsvolle Antwort auf die hohe Dynamik in unseren Märkten. Selbst für die großen Mitspieler in unserer Branche wird es auf Dauer unmöglich, in allen Bereichen mitzuspielen. Die Entwicklungszyklen sind rasant, die unternehmerischen Risiken hoch. Auch deshalb gehen wir hier mit neuer Konsequenz voran.
Für unsere Kunden geht es am Ende weiterhin um Gesamtlösungen. Um diese zu gewährleisten, werden wir bestehende strategische Partnerschaften festigen und neue Partnerschaften eingehen. Das kann ein Joint Venture sein, zum Beispiel im Bereich E-Mobilität. Es kann aber auch die enge Zusammenarbeit auf Feldern sein, in denen sich Leistungen komplementär ergänzen. Mit jeder klugen Zusammenarbeit erhöhen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und erweitern den Raum für neue Kunden.
Ich bin überzeugt: Den Weg zurück an die Spitze erreichen wir nicht als Einzelkämpfer, sondern als Team. Wir brauchen Kooperationen mit Partnern. Und wir brauchen ein intensiveres, schnelleres und noch vertrauensvolleres Miteinander innerhalb unseres Konzerns. Deshalb werden wir innerhalb von ZF zukünftig noch mehr als bisher bereichsübergreifend zusammenarbeiten und gleichzeitig die Verantwortlichkeit der Divisionen stärken. Statt lange Meetings anzuberaumen, sprechen wir heute besser direkt miteinander. Neues auszuprobieren, Fehler zu machen und schnell daraus zu lernen – das ist Teil unseres neuen Alltags. Geschwindigkeit ist heute ein zentraler Wettbewerbsfaktor.
Die erfolgreiche Einigung mit den Arbeitnehmervertretern im vergangenen Herbst und die vielen zwischenzeitlichen Gespräche in den Konzernbereichen zeigen mir: Wir ziehen bei ZF an einem Strang. Im Bündnis von ZF und Arbeitnehmern haben wir uns darauf verständigt, die Restrukturierung der Division für Elektrifizierte Antriebstechnologien aus eigener Kraft zu stemmen. Damit bleibt die Division für Elektrifizierte Antriebstechnologien integraler Bestandteil von ZF. Wir stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit und entwickeln das bestehende Produktprogramm fokussiert weiter. Dazu verlagern wir die Kraft auf strategisch relevante Produkte wie das Plug-in-Hybridgetriebe 8HP evo oder das ZF-Thermomanagementsystem TherMaS. Bestimmte Produkte wie Elektromotoren oder Inverter kaufen wir zukünftig gegebenenfalls zu, sofern dieser Weg der wirtschaftlichere ist. Die Analysen und Gespräche hierzu laufen.
Zusammen mit umfassenden Maßnahmen zur unternehmensweiten Kostensenkung werden wir in der Division für Elektrifizierte Antriebstechnologien bis 2027 mehr als eine halbe Milliarde Euro einsparen. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Belegschaft durch Arbeitszeitabsenkung und tarifliche Beiträge. Auch mit diesen Kosteneinsparungen schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass wir die Neuaufstellung erfolgreich angehen können.
Dass wir uns im Konzern inzwischen schnell und gemeinsam auf Herausforderungen einstellen können, wenn wir alle an einem Strang ziehen, zeigte sich auch in der Nexperia-Chip-Krise: Bereits kurz nach Bekanntwerden der Situation hatten wir eine Taskforce eingerichtet. Wo nötig, haben wir uns intern auf Kurzarbeit verständigt und mit Kunden und Lieferanten umfassende Maßnahmen eingeleitet, um die Lieferketten stabil zu halten bzw. Alternativen zu prüfen. Diese Flexibilität und diese Art der Zusammenarbeit stehen für mich exemplarisch für den Weg nach vorne.
Auf diesem Weg behalten wir auch unsere Klimaziele im Blick: Seit 2025 werden alle unsere weltweiten Standorte vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen versorgt – und damit fünf Jahre früher als geplant. Gemeinsam mit der konsequenten Steigerung unserer Energieeffizienz haben wir es geschafft, die Treibhausgasemissionen aus dem eigenen Geschäftsbetrieb um mehr als 80 % gegenüber 2019 zu senken. Dies oder auch die erneut deutlich gesunkene Unfallrate zeigen den großen Einsatz unserer Mitarbeitenden für die Themen der ESG. Für diese ausgezeichnete Leistung möchte ich mich herzlich bei Ihnen bedanken.
In einer neuen Realität sortiert sich unsere Branche neu. Für alle Beteiligten gilt: Nur wer fokussiert bleibt, sich schnell anpasst und eine stabile Basis hat, wird die Zukunft unserer Industrie weiter mitgestalten. ZF nimmt diese Aufgabe an – wissend: Der Weg bergauf ist motivierend, aber auch der anstrengendste Teil des Weges.
2025 haben wir dafür unsere Hausaufgaben gemacht. Wir haben unser Geschäft in allen Divisionen konzentriert vorangetrieben, unsere Kundenbeziehungen ausgebaut und die Märkte weiter erschlossen. Wir haben neue Prozesse aufgesetzt und exzellente Produkte auf den Markt gebracht: die Umsetzung des Pkw-Performance-Programms, die Integration der neuen Manufacturing Platform, der AxTrax-2-Elektroachsen-Einstieg im indischen Stadtbusmarkt, der chinesische Launch des Fahrassistenzsystems des SAE-Levels 3 zusammen mit Horizon Robotics – die Liste der Fortschritte im vergangenen Jahr ließe sich leicht fortsetzen.
Daran knüpfen wir 2026 an. Einen wichtigen Meilenstein auf unserem Weg zurück auf den Erfolgspfad konnten wir Anfang Februar verkünden. Zusammen mit BMW haben wir uns auf einen langfristen Liefervertrag im Bereich der Pkw-Antriebe verständigt. Kern der Vereinbarung ist die Lieferung und Weiterentwicklung des 8-Gang-Automatikgetriebes 8HP. Der Vertrag umfasst ein Volumen von mehreren Milliarden Euro mit einer Laufzeit bis in die späten 2030er-Jahre. Dieser Auftrag gibt uns Planungssicherheit und schafft für beide Unternehmen eine solide Basis für eine technologieoffene und emissionsarme Mobilität der Zukunft.
Wir wollen in den kommenden Jahren noch internationaler werden. Besonderes Potenzial sehen wir in Nordamerika und Asien. Gerade in China können wir unsere Stärke in der Fahrwerktechnologie ausspielen. Aber auch in Europa sehen wir einen möglichen Aufschwung im Nutzfahrzeuggeschäft.
Deutschland bleibt für uns ein Schlüsselstandort. Daran ändern auch die gegenwärtigen Maßnahmen nichts. Wenn wir als Konzern wettbewerbsfähiger werden, stärkt dies auch die Produktion in Deutschland. Es geht uns um intelligente Optimierungen unserer Wertschöpfungsketten. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland wird sinken – aber nicht unbedingt die Wertschöpfung hier vor Ort, wenn wir an der Wettbewerbsfähigkeit unserer Standorte weiter konsequent arbeiten. Auch hier haben wir gemeinsam mit Arbeitnehmern und den Teams vor Ort erste Erfolge erzielt, die uns darin bestärken, diesen Weg weiterzugehen.
Zusammen mit meinem Vorstandsteam danke ich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Mit Ihrem großartigen Einsatz lösen Sie Tag für Tag unser Qualitätsversprechen ein und bestätigen den exzellenten Ruf unserer Produkte. Mit Ihrem Ideenreichtum bringen Sie die Innovationen auf den Weg, die morgen unsere Wertschöpfung prägen. Ich verlasse mich auf Sie, dass wir uns auf den jüngsten Erfolgen nicht ausruhen, sondern sie als Motivation nutzen, unseren Weg entschlossen und zügig weiterzugehen.
Ich danke unseren Stakeholdern für das Vertrauen und die konstruktive Begleitung in dieser Umbruchphase – den Eigentümern, den Partnern im Markt und in der Forschung, der Politik und ausdrücklich auch den Arbeitnehmervertretern. Wir sind uns unserer großen Verantwortung bewusst. In allem, was wir tun, werden wir so klar und transparent wie möglich sein. Ich freue mich auf den konstruktiven Dialog mit Ihnen!
Geschäftsjahr 2025
Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick.
So entwickelten sich die Umsatzanteile nach Divisionen:
Berühren Sie die Segmente im Schaubild, um mehr über die Verteilung des Umsatzes zu erfahren.
Nachhaltigkeit im Blick
ZF treibt seine Klimaziele entschlossen voran.
Seit 2025 werden alle Standorte weltweit vollständig mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgt – fünf Jahre früher als geplant. Durch kontinuierliche Steigerung der Energieeffizienz konnten die Treibhausgasemissionen aus dem eigenen Geschäftsbetrieb um über 80 % gegenüber 2019 reduziert werden. Diese und weitere Fortschritte sind im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht zu finden.