Automotive-Software: So läuft’s mit Open Source
Ein Demonstrator von ZF auf der CES 2026 hatte es in sich: Erstmals lief auf einem Zentralrechner sicherheitskritische Automotive-Software auf der Basis von Open-Source Middleware und zeigte die enge Verzahnung von Open-Source-Innovationen und bewährter ZF-Technologie.
Einfacher Aufbau – große Bedeutung: Aus der Vogelperspektive folgt man einem Fahrzeug durch die Straßen. Der Pkw hält konstant die Geschwindigkeit, bremst eigenständig, wenn Hindernisse auftreten, und setzt danach die Fahrt wieder fort. Was ZF auf der CES in Las Vegas zeigte, war kein Film, sondern ein „Software-in-the-Loop“-Aufbau. Die in Echtzeit laufende Steuerungssoftware war auf einer serienreifen Version des Supercomputers ZF Pro AI installiert. Ein Abstandsregel-Tempomat (Adaptive Cruise Control, ACC) reagierte so, wie es ein Fahrzeug in einer echten Umgebung auch getan hätte. Die Besonderheit: Die Software auf dem ZF-Supercomputer war mit einem Zentralrechner aufgebaut – einer anderen Architektur als in heute gängigen Serienmodellen. Üblicherweise werden heute vor allem sicherheitskritische Systeme auf dezentralen Controllern integriert. Zudem kommt in der Middleware, welche die Schnittstelle zwischen den Algorithmen und den direkten Lenk- und Bremsbefehlen bildet, mit Eclipse S-CORE eine Open-Source-Software zum Einsatz.
Hoher Reifegrad, Automotive-taugliche Sicherheitsprozesse
„Das Spektakuläre war, dass es nichts Spektakuläres zu sehen gab – die Funktionen liefen einfach, stabil und zuverlässig“, so Gunter Bauer, bei ZF verantwortlich für Open-Source-Software. Die Middleware, wie sie ZF hier verwendet hat, ist ein wichtiger Aspekt bei der Umsetzung der neuen Elektronik-Architektur und damit ein Schlüssel für das softwaredefinierte Fahrzeug. „Dank Open-Source ist die Middleware schneller und einheitlicher verfügbar – das spart sowohl bei uns als auch bei den Herstellern wertvolle Entwicklungszeit“, so Bauer zur Bedeutung des Demonstrators. „Qualitäts- und Safety-Prozesse sind bei Open-Source-Software heute so umgesetzt, dass sie für alle automatisierten und hochautomatisierten Fahrerassistenzsysteme genutzt werden können. Wir sind ab 2027 mit serienfähigen Konzepten auf dem Markt“, so sein Fazit.
Für ZF ist das Thema Middleware wichtig, weil es die Brücke bildet von der Steuerungssoftware zu den Antriebssystemen, Fahrwerken, Lenkungen und Bremsen für Pkw, die ZF entwickelt und weltweit produziert. Für diese Komponenten gibt es auch in Zeiten des softwaredefinierten Fahrzeugs keinen Ersatz. Für deren Ansteuerung schon. Hier möchte ZF in Zukunft zum Beispiel mit cubiX auch reine Software-Produkte im Fahrwerkbereich anbieten.
Starkes Engagement in der Open-Source-Community
Aus diesem Grund engagiert sich ZF seit Jahren in Projekten, Konsortien sowie in der Open-Source-Community. Auch der CES-Demonstrator ging aus einem solchen Projekt hervor:
Die Grundlage bildet Eclipse S CORE, eine Open-Source-Plattform, die ZF gemeinsam mit mehreren Partnern unter dem Dach der Eclipse Foundation vorantreibt. Die leistungsoptimierte Architektur stammt von Qorix, einem Unternehmen, an dem ZF im Rahmen eines Joint Ventures beteiligt ist. Darüber hinaus engagiert sich ZF auch in weiteren Open-Source Projekten wie zum Beispiel Eclipse OpenSOVD, einer standardisierten Fahrzeugdiagnose für Zentralrechner.
Für die Demonstrator-Anwendung wählte ZF ein Betriebssystem von RedHat, ein Spezialist, der in den USA gut etabliert ist – in der Tech-Branche wie auch in der Automotive-Welt. „Uns geht es hauptsächlich nicht darum, direkt Open-Source-Code beizusteuern; wir möchten vielmehr unser Know-how als Partner der Autohersteller einbringen und die Working Groups mit weiteren Playern in der Open-Source-Community zu einem starken Ecosystem kurzschließen“, erklärt Bauer.
Zentrale Rolle des Open Source Program Office (OSPO)
Ein Open Source Program Office (OSPO) spielt dabei eine zentrale Rolle: Es stellt sicher, dass Open-Source-Aktivitäten strategisch gesteuert, rechtlich abgesichert und technisch nachhaltig umgesetzt werden. Für Projekte wie OpenSOVD übernimmt das OSPO typischerweise Aufgaben wie die Auswahl und Einhaltung geeigneter Lizenzen, die Governance-Abstimmung mit der Eclipse Foundation, die Koordination des Community-Beitragsmodells sowie die interne Beratung von Entwicklungsteams. Damit schafft das OSPO die organisatorische und rechtliche Basis, auf der Entwicklerinnen und Partnerunternehmen effizient und sicher zusammenarbeiten.
Der Kern des ZF-Demonstrators ist die Qorix Performance-Architektur, die auf Basis von Eclipse S Core entwickelt und mit dem Fahrzeugbetriebssystem von Red Hat integriert wurde. Sie läuft auf ZF Pro AI.