„Wir sind gekommen, um zu bleiben“
Vor einem Jahr hat ZF das „ZF Free and Open Source Software Manifesto“ publiziert (FOSS). Im Interview schaut Sarah Moser auf die Wirkung dieses Meilensteins zurück – und gibt einen Ausblick, wie es weitergeht.
Vor einem Jahr hat sich ZF mit der Publikation des FOSS Manifesto zum verstärkten Einsatz von Open Source Software bekannt. Was war der Hintergrund?
Generell ist Open-Source-Software ein wichtiges Element, um Grundfunktionen für das softwaredefinierte Fahrzeug effizient, schnell und in guter Qualität zu entwickeln. Wir hatten schon länger Erfahrung mit Open Source, nun wollten wir uns dauerhaft einbringen. Bei der Open-Source-Community geht es um Glaubwürdigkeit. Mindset, langfristige Perspektive und gute Verankerung in der eigenen Organisation – das sind die Erfolgsfaktoren. Wir wollten, dass intern und extern alle wissen: ZF ist gekommen, um zu bleiben. Dieses Zeichen haben wir mit dem Manifesto gesetzt.
Was haben Sie nach der Publikation des FOSS Manifesto konkret umgesetzt?
Ich möchte drei Arten von Aktivitäten hervorheben: Intern haben wir Strukturen geschaffen, die das Know-how über und den Austausch mit Open Source beschleunigen. Außerdem haben wir eine Zertifizierungerhalten, mit der wir auch nach außen unsere „Sattelfestigkeit“ beim Thema Open Source demonstrieren. Und schließlich haben wir uns mit Partnern, Kunden und auch Marktbegleitern erfolgreich an Projekten beteiligt, die mit Open Source das softwaredefinierte Fahrzeug vorantreiben.
Was war entscheidend bei der internen Verankerung?
Ein Dreh- und Angelpunkt ist unser Open Source Project Office (OSPO). Es berät, definiert Standards für den Umgang und kümmert sich um übergreifende Themen wie Cybersecurity im Open-Souce-Umfeld und Intellectual Property. Außerdem haben wir unser Inner-Source-Portal ins Leben gerufen, das den konzernweiten Austausch fördert und Projekte sichtbar macht, die mit Open Source gut gelungen sind.
Inner Source ist ein gängiges Konzept, das eine Open-Source-artige Kultur innerhalb eines Unternehmens herstellen soll. Wie genau kriegen Sie das hin?
Wir fördern Wissensaustausch und die Wiederverwendung von bestehendem Code. Unser Inner-Source-Portal ist mit Weiterbildungsinitiativen verknüpft. So haben wir zahlreiche Trainings konzipiert, die Grundlagen wie Governance und Lizenzierung behandeln, aber auch praxisrelevante Hinweise geben, worauf es ankommt, wenn man etwas beitragen möchte.
Wie messen Sie den Erfolg?
Wir sehen, wie die Teilnehmerzahlen bei unseren Trainings kontinuierlich steigen. Wir haben im Oktober einen ersten InnerSource Summit veranstaltet, der mit über 100 Personen überaus gut besucht und auch inhaltlich erfolgreich war. Das sind alles Multiplikatoren der Open-Source-Community im ZF-Konzern.
Auf welche Projekte mit externen Partnern blicken Sie zurück?
Beispielhaft war das Open SOVD-Projekt – eine Initiative im Rahmen des Software Defined Vehicle (SDV)-Programms der Eclipse Foundation. Es ging darum, die Schnittstellen zu schaffen, damit signal- und ereignisgesteuerte Funktionen auf verschiedenen Fahrzeugplattformen funktionieren. Und genau an solcher Grundlagenarbeit ist uns gelegen, weil wir hier die Möglichkeit haben, mit unserer großen Konzern-Erfahrung auf künftige Standards einzuwirken.
Ist das noch Spielwiese oder schon serienrelevant?
Alle Projekte, an denen wir uns beteiligen, sind relevant für Serienanwendungen. Auch die Ergebnisse dieses Open SOVD-Projekts werden vielen Software-Entwicklern wiederbegegnen, weil sie einfach von zentraler Bedeutung sind – wenn es um ADAS-Funktionen geht, wenn an Fahrwerksystemen oder am Übergang von herkömmlichen ECUs zu High-Performance-Computing (HPC) gearbeitet wird. Die Open SOVD vereinfacht und beschleunigt das alles.
Was bleibt noch zu tun?
Wir möchten den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen und die gewonnene Basis kontinuierlich strategisch ausbauen. Das bedeutet, aktiv mit Kunden und Partnern an Projekten zusammenzuarbeiten, um unsere Expertise in die Standards von morgen einfließen zu lassen. Gleichzeitig möchte ich interne Strukturen so gestalten, dass Open Source für alle zugänglich wird – unterstützt durch praxisnahe Materialien und klare Prozesse. Darüber hinaus ist es uns wichtig, zentrale Zukunftsthemen wie Cybersecurity im Kontext des EU Cyber Resilience Act proaktiv anzugehen, um Vertrauen und Sicherheit zu gewährleisten.