Rennstart bei Le Mans Rennstart bei Le Mans

24 Stunden von Le Mans: 100 Jahre Rennspektakel

Vor 100 Jahren begann mit dem ersten 24-Stunden-Rennen von Le Mans eine neue Ära in der Automobilgeschichte. ZF hat dabei seit 1933 eine entscheidende Rolle gespielt. Wir verneigen uns hochachtungsvoll vor dem legendärsten Automobilrennen der Welt…

Autor: Janine Vogler, 2023-04-24

Das erste 24-Stunden-Rennen von Le Mans wurde am 26. Mai 1923 am Circuit de la Sarthe bei Hagel und Regen ausgetragen. Es wurde damals vom 1906 gegründeten Automobile Club de l'Ouest (ACO) organisiert. Das Rennen wurde als Reaktion auf die vor allem in den USA zunehmende Beliebtheit von Autorennen in Europa ins Leben gerufen. Am Start waren überwiegend französische Autos, die nur von einem belgischen Excelsior Albert 1er und einem privaten englischen Bentley herausgefordert wurden. Alle Fahrzeuge mussten Touren- bzw. Straßenfahrzeuge sein und von jedem teilnehmenden Fahrzeug musste mindestens ein baugleiches Modell auf einer Ausstellungsfläche präsentiert werden. Es galt, von einem Zwei-Mann-Team während des Rennens Mindestdistanzen zurückzulegen.

Dabei durften Fahrzeuge mit weniger als 1100 cm³ Hubraum über den 24-Stunden-Zeitraum nicht unter 800 km bleiben, 6-Liter-Wagen nicht unter 1200 km. Die zurückgelegte Distanz wurde alle sechs Stunden überprüft und zu langsame Wagen wurden aus dem Rennen genommen. Die Gesamtdistanz des Rennens betrug 17,262 Kilometer und gesiegt hatte am Ende ein französischer Chenard & Walcker Sport, pilotiert von André Lagache und René Léonard.

Im folgenden Jahr wurde das Reglement verschärft: So mussten beispielsweise zwischen jedem Boxenstopp mindestens 20 Runden liegen und die Mindestgeschwindigkeit wurde für 1100 cm³ von 38,333 km/h auf 59,165 km/h und für 3-Liter cm³ von 56,250 km/h auf 82,450 km/h festgelegt.

Der Le-Mans-Start wird geboren

1925 wurde zum ersten Mal der legendäre Le-Mans-Start eingeführt: Aufgrund eines Streits zwischen dem ACO mit dem Grundstückseigentümer, musste der Start auf die Hunaudières-Gerade verlegt werden. Der geringe Platz zwang dabei zur Aufstellung der Fahrzeuge in „Fischgrät-Formation“ – so wurde die Startformation anfangs genannt. Weil das Reglement vorschrieb, dass die Fahrzeuge über eine reisefähige Karosserie verfügen mussten, was von den Rennkommissaren auch überprüft wurde, mussten alle Autos vor dem Start das Verdeck montiert haben und die ersten 20 Runden geschlossen fahren. Um jegliche Manipulation auszuschließen, mussten sich die Fahrer auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu ihrem schräg in Fahrtrichtung stehenden Auto aufstellen und zu ihrem Fahrzeug sprinten.

ZF kam bei Le Mans in den 30er Jahren ins Rennen

Während der zwanziger Jahre wurde bei ZF viel Geld in technische Ausrüstung wie beispielsweise Präzisionsmessinstrumente investiert und diese Strategie sollte sich langfristig auszahlen: ZF-Produkte hatten innerhalb kürzester Zeit den Ruf von erstklassiger Präzisionsarbeit inne. Im Jahr 1932 nahm ZF nach einer Lizenzübernahme der Ross Gear & Toll Company Inc. die Lenkungsproduktion auf und zeitgleich wurde ein Patent für Selbstsperrdifferentiale der Firma Knab aus Nürnberg übernommen. Auch Kupplungen und Stoßdämpfer von Fichtel & Sachs gehörten ins ZF-Portfolio und waren aus dem aufblühenden Motorsport nicht wegzudenken. Wahrscheinlich ging mit Alfa Romeo in einem Typ 8 C schon 1933 das erste ZF-Produkt nicht nur an den Start, sondern landete sogar auf den ersten drei Plätzen. Platz eins belegte damals kein geringerer als Tazio Nuvolari.

Nachdem 1936 das Rennen in Le Mans wegen Generalstreiks abgesagt werden musste, zogen mit Adler und BMW im Jahr 1937 erstmals auch deutsche Hersteller in das Starterfeld ein. Die Adler Trumpf waren mit Lenkungen und Getrieben von ZF ausgestattet. BMW bestellte das 1933 entwickelte Spiralgetriebe AKS 15, um den legendären und erfolgreichen Supersportwagen 328 damit auszustatten. Ähnlich wie beim BMW 328 Coupé bestand diese aerodynamisch sehr hoch entwickelte und extrem leichte Karosserie aus einem Gitterrohrrahmen mit Aluminium-Außenhaut. Der BMW Touring machte sich 1939 in Le Mans auf dem fünften Platz bemerkbar.

BMW 328

BMW 328 mit ZF AKS-15

Das Erwachen nach dem Krieg

1949 wurde das Rennen nach dem Krieg in Le Mans wieder aufgenommen. Schnell konnte Ferrari nicht nur den Einzug, sondern auch einen fulminanten Sieg mit einem 166 M und Zahnstangenlenkung von ZF feiern. In Deutschland dauerte es hingegen einige Jahre, bis sich die deutsche Automobilindustrie und von der Zerstörung und dem Schaden des Krieges erholte. ZF war zunächst maßgeblich von den deutschen Automobilherstellern abhängig und für den deutschen Rennsport ging es erst Anfang der 50er Jahre wieder so richtig aufwärts. 1951 waren neben acht Ferrari der erste Porsche, ein 356/4, am Start. Auch die Marke Panhard nahm seit 1950 teil und vertraute auf ZF, die Fahrzeuge waren damals alle mit Kupplung und Stoßdämpfern von Fichtel & Sachs ausgestattet. Und die erfolgreichen Ferrari-Modelle 340 America und 212 Export wurden ab 1953 mit der Gemmer-Lenkung gelenkt, für die ZF im selben Jahr die Lizenz übernommen hatte.

Aus Deutschland meldete sich 1952 Mercedes-Benz wie Phönix aus der Asche mit den 300 SL-Rennsportwagen (W 194) zurück und trat zum Wettkampf an. Bei der Vorbereitung setzte Mercedes-Benz auf ZF-Technik: Im 300 SL waren Stoßdämpfer, Kupplungen und Selbstsperrdifferential und bis Fahrgestellnummer 151 sogar die Lenkung von ZF enthalten. Gleich beim ersten Anlauf schafften die beiden Mercedes in Le Mans den Doppelsieg - die Erfolgsserie der Mercedes-Benz wurde Ende 1955 aus dem eigenen Hause gestoppt, indem Mercedes-Benz nach dem fatalen Unfall in Le Mans, bei dem mehr als 80 Menschen ihr Leben ließen, das Ende seines Engagements im Grand-Prix-Motorsport erklärte.

MB 300 SL

Mercedes-Benz 300 SL mit Kupplung, Stoßdämpfer und Selbstsperrdifferential von ZF

Porsche dagegen kämpfte sich mit den 550 Spyder immer weiter nach vorne und in den folgenden Jahren war ZF zunehmend in Porsche, Ferrari, Panhard aber auch in den bildschönen OSCA (Officine Specializzate Costruzione Automobili), die von den Maserati-Brüdern bebaut wurden, vertreten. Die OSCA waren - wie auch die Lotus Elite mit ZF-Viergang-Getrieben ausgestattet.