Biografie
George Westinghouse
Vor der Patentierung von George Westinghouses Druckluftbremse am 13. April 1869 gab es keine Möglichkeit, einen Eisenbahnzug im Notfall einfach, schnell und zuverlässig zu stoppen. Als sein Zug wegen eines Zusammenstoßes zweier anderer Züge verspätet war, dachte er über eine Lösung nach. Das Konzept, die Bremsen des Zugs mit Druckluft zu betreiben kam Erfinder Westinghouse, als er von Bergbauingenieuren in Europa hörte. Deren Bohrer arbeiteten mit Druckluft. Das funktionierte, obwohl dort die Druckleitungen erheblich länger waren als ein einem Eisenbahnzug. Im Jahr 1868 meisterte ein Testzug, dessen fünf Waggons mit den neuartigen Westinghouse-Druckluftbremsen ausgestattet waren, eine Notbremsung in einem Ernstfall mit Bravour. Im Jahr darauf gründete der 23-Jährige die „Westinghouse Air Brake Company“ (WABCO).
Am 6. Oktober 1846 kam George Westinghouse in einem kleinen Dorf im Bundesstaat New York auf die Welt. Bereits als Teenager stark an Technik interessiert, sollte er einige Jahre später einer der produktivsten US-Erfinder werden. Unter seinen zahlreichen Erfindungen fanden sich auch automatische Signalsteuerungen für Züge oder eine Telefonzentrale, die manuelles Verbinden überflüssig machte. Fasziniert von allem, was mit Wechselstrom zu tun hatte, gründete der als fair, besonnen und inspirierend geltende Westinghouse im Jahr 1886 die „Westinghouse Electric Company“. Zum Zeitpunkt seines Todes am 12. März 1914, gehörten George Westinghouse in den USA und Europa etwa 40 Unternehmen mit zusammen 50.000 Beschäftigten.
Im Jahr 1901 hielt die Druckluftbremse Einzug in elektrisch betriebene Züge, ein Jahr später die Westinghouse-Magnetbremse in Straßenbahnen. 1908 präsentierte er die elektro-pneumatische Bremse für U-Bahnen. Im Jahr 1999 ging das Bahngeschäft von WABCO im US-Bahntechnikunternehmen „Wabtec Corporation“ auf. Die Entwicklung einer pneumatischen Bremse für Trucks und schwere Fahrzeuge im Jahr 1921 markierte für WABCO den Einstieg in die rasch wachsende Automobilindustrie. Dort etabliert sich WABCO als Spezialist für Sicherheit in Nutzfahrzeugen, beispielsweise als führender Entwickler des ABS für Trucks (1981), des elektronischen Bremssystems EBS (1996) oder des autonomen Notfallbremssystems OnGuard (2003). Im Jahr 2020 übernahm ZF den Nutzfahrzeugzulieferer WABCO und gliederte das Unternehmen als heutige Division „Commercial Vehicle Solutions“ in den Konzern ein.