ZF Rescue Connect: Wenn jede Minute zählt
FutureStarter Alexander Grupp hat das „ZF Rescue Connect“-Projekt von der Idee bis zur Marktreife vorangetrieben. Mit dem Konzern im Rücken und viel Eigeninitiative hat er sich so einen Kindheitstraum erfüllt.
Wenn sich Jugendliche treffen, ist es längst Usus, sich gegenseitig die Standorte zuzuschicken. Wenn dagegen Rettungsdienste zu einem Einsatz ausrücken, heißt es bei der digitalen Vernetzung fast immer: Fehlanzeige. Ob Großbrand, Naturkatastrophe oder Verkehrsunfall – Positionen werden per Funk durchgegeben und von der Einsatzleitung auf Whiteboards oder Magnettafeln markiert. Um alle Beteiligten von der Lage in Kenntnis zu setzen, rattert ein Tintenstrahldrucker im Einsatzleitfahrzeug und wirft Lagepläne aus, die anschließend verteilt werden.
Alexander Grupp, Venture Lead ZF Rescue Connect
Diese Situation fand der damals als Controller bei ZF tätige Alexander Grupp vor, als er sich vor wenigen Jahren als ehrenamtlicher Helfer beim Roten Kreuz engagierte und damit eine Leidenschaft reaktivierte, die ihn bereits als Kind geprägt hatte. „Meine Eltern hatten mir als Achtjährigem das Abonnement des Feuerwehr-Magazins geschenkt, weil ich so begeistert von jedem Einsatzfahrzeug war, das ich sah“, erzählt er. „Nachdem ich vor einiger Zeit innerhalb von zwei Jahren achtmal mit Notfallsituationen konfrontiert war, lag es für mich nahe, mich als Rettungssanitäter ausbilden zu lassen.“ Inzwischen fährt Alexander zweimal im Monat ehrenamtlich in einem Einsatzfahrzeug des Roten Kreuz.
Aus eigener Erfahrung: Initiative zur Vernetzung von Rettungskräften
Das offensichtliche Missverhältnis zwischen der realen Vernetzung von Einsatzkräften und den technischen Möglichkeiten, die er aus seiner beruflichen Erfahrung bei ZF gut kannte, ließen dem zweifachen Familienvater keine Ruhe. „Ich habe Mitte 2019 begonnen, die Idee für ZF Rescue Connect zu entwickeln“, beschreibt der 37-Jährige sein Vorgehen. Es ging ihm darum, das Einsatzmanagement völlig neu zu organisieren: „Mein Ziel war es, eine Lösung zu finden, die alle Beteiligten eines Notfalleinsatzes, von den Einsatzkräften, Fahrzeugen und Ausrüstung bis hin zu Patienten und Patientinnen, vernetzt und mit Echtzeitdaten über die Lage informiert. Denn wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen, ist jede Minute entscheidend. Die Einsatzleitung muss von Beginn an mit allen entscheidenden Informationen versorgt sein.“
Alexander dachte das Projekt von Anfang an ganzheitlich: „Im ZF-Konzern haben wir beispielsweise die sogenannte V2X-Technologie – ein Fahrzeug „V“ spricht mit beliebig vielen anderen Dingen „X“. Diese hat sich aus dem Bereich des automatisierten Fahrens herausentwickelt.“ Konkret eingesetzt wird diese Technologie heute beispielsweise, um Ampelschaltungen für Rettungsfahrzeuge zu optimieren oder wenn normale Pkw automatisch Rettungsgassen bilden. Darüber hinaus können Sensoren in den Einsatzfahrzeugen wichtige Zustandsinformationen wie Füllstände von Löschwasser oder Treibstoff automatisch der Einsatzleitung übermitteln. „Alles keine Zukunftsmusik mehr, sondern schon aktiv im Einsatz“, so der Projektleiter.
Alexanders zehnköpfiges Team wird von 30 Entwicklern in Tschechien unterstützt.
In eine PowerPoint-Präsentation gegossen, schickte er das Konzept für sein „ZF Rescue Connect“-System an zahlreiche Firmen, die Ausbauten für Einsatzfahrzeuge vornehmen. „Persönliche Kontakte in den Unternehmen hatte ich keine und musste so immer an die Info-Adresse der Website schreiben“, erinnert er sich heute mit einem Schmunzeln. Der Erfolg gab ihm Recht: Ein Hersteller von Spezialfahrzeugen für Rettungsdienste erkannte das Potenzial der vernetzten Einsatzleitung und stieg in intensive Gespräche mit dem leidenschaftlichen Rettungs-Experten Grupp ein. Im Jahr 2020 erfolgte der Vertragsabschluss über die Lieferung von ZF Rescue Connect. Inzwischen erhält das Venture eine Anschubfinanzierung in Millionenhöhe und vertreibt erfolgreich Produkte im Markt. Alexander konnte sich außerdem ein zehnköpfiges und von 30 Entwicklern in Tschechien unterstütztes Team zusammenstellen.
Auch wenn er wegen seines Engagements für sein Lieblings-Thema oft belächelt wurde, sagt der offiziell zum „Venture Lead ZF Rescue Connect“ ernannte Alexander rückblickend: „Ich bin sehr glücklich darüber, dass die Unternehmenskultur von ZF auch Raum für Initiativ-Projekte lässt, die völliges Neuland für den Konzern sind. Ich habe die vergangenen Jahre wie in einem Start-Up erlebt, aber verbunden mit dem Knowhow und unterstützt durch die Ressourcen eines Großkonzerns.“ Im Sommer 2023 war die Vorstellung von ZF Rescue Connect eines der Highlights beim „Global Technology Day“, bei dem der Konzern Journalisten aus aller Welt alljährlich technologische Innovationen vorstellt.
Einsatz in der deutschen Hauptstadt
Nur wenig später vermeldete die Berliner Feuerwehr, auf ZF Rescue Connect zu setzen. Aktuell sind in der Hauptstadt mehr als 360 Fahrzeuge vernetzt. Die Lösung unterstützt hier das Flottenmanagement und sorgt für eine optimale Verfügbarkeit aller Fahrzeuge. Es scheint, als komme sie sehr gut an – denn derzeit werden rund 80 weitere Fahrzeuge mit der ZF Innovation ausgestattet. Weil mit Elementen von ZF Rescue Connect auch die ersten rein digitalen Produkte des Konzerns in den Vertrieb kamen, mussten Alexander und sein Team auch hier Neuland beschreiten: „Unser SAP-System hatte bisher keine Möglichkeit, automatisch monatliche Rechnungen für unsere digitalen Produkte, wie es zum Beispiel bei Mobilfunkverträgen üblich ist, zu versenden“, erklärt er. „Die Rechnungserstellung bei ZF war bisher stets an physische Produkte gekoppelt.“ Weil das Unternehmen aber zukünftig mehr digitale Vernetzungsprodukte vertreiben will, hat das Team hier wichtige Pionierarbeit geleistet.
„Das Feedback, das wir bekommen, ist sehr befriedigend“, freut sich der FutureStarter über die Rückmeldungen zu ZF Rescue Connect.
Heute ist Alexander stolz, dass er und sein Team ein so erfolgreiches und sinnstiftendes Projekt ans Laufen gebracht haben: „Das Feedback, das wir bekommen, ist sehr zufriedenstellend. Ein Einsatzleiter hat mir kürzlich bestätigt, dass ZF Rescue Connect bei seinem Einsatz im Ahrtal im Juli 2021 eine große Hilfe gewesen wäre. Und alle Beteiligten arbeiten mit dem guten Gefühl an dem Projekt, den Alltag von zumeist ehrenamtlichen Helfern zu erleichtern und dazu beizutragen, dass Leben gerettet werden können.“ Auch unterstütze der ZF Betriebsrat das Projekt sowie die ZF Werksfeuerwehr, die dem Team tatkräftig unter die Arme greife.
Eine Begegnung mit seiner frühen Leidenschaft war die Vorstellung von ZF Rescue Connect im Feuerwehr-Magazin: „Die fast 30 Jahre alten Zeitschriften, die ich als Kind gesammelt hatte, liegen in einem Karton auf dem Dachboden. Dass jetzt in den aktuellen Ausgaben über unser Projekt berichtet wird, hat sich schon sehr gut angefühlt“, freut sich der ZF FutureStarter.