Überzeugung für Nachhaltigkeit: Geheimnis des Erfolgs
Dhanashree Kad stammt aus der west-indischen Stadt Pune, heute steht sie an der Spitze eines weltweit agierenden Teams bei ZF, das sich um Nachhaltigkeit bei E-Motoren kümmert. Dabei hat sie eigentlich nur umgesetzt, was sie als Kind schon wollte – aber in hohem Tempo und mit beeindruckender Konsequenz.
Die Zukunft muss für Dhanashree Kad – auch kurz Dhana genannt – vor allem eines sein: nachhaltig. Das bezieht die 33-Jährige – aktuell Head of Sustainability & Diversity in der ZF Division Electrified Powertrain Technology – keineswegs nur auf den Klimaschutz. Für die gebürtige Inderin gehört das gesamte Themenspektrum von Diversity Management über Good Governance bis Circular Economy unbedingt dazu. Umso mehr, weil ihre eigene Karriere ein perfektes Beispiel für die Möglichkeiten ist, wenn Chancengleichheit und Vielfalt nicht nur auf dem Papier stehen, sondern im Unternehmen gelebt werden. Dabei ist die studierte Mechatronikerin keine Idealistin: „Ein gewinnbringendes Geschäftsmodell ist die Basis, um überhaupt nachhaltig wirtschaften zu können. Ein Unternehmen, das nur nachhaltig, aber nicht profitabel ist, wird nicht lange existieren“, gibt sie zu bedenken und ergänzt: „Umgekehrt ist ein nachhaltiger Ansatz immer mehr die Voraussetzung für eine profitable und wertschöpfende Zukunft.“
Dhanashree Kad, Head of Sustainability & Diversity in der ZF Division Electrified Powertrain Technology
Dhana, die ihr über acht Länder weltweit verteiltes, 30-köpfiges Team von Detroit aus steuert, lebt ihren Traum, wie sie sagt. So wusste sie bereits mit elf Jahren, dass sie später unbedingt einen Beruf mit Fahrzeugen ergreifen will. Vor allem die deutschen Premium-Marken hatten es ihr angetan. Aber ein zweites Lebensziel entwickelte sich ebenso deutlich: in einem nachhaltigen Dorf zu leben und zu arbeiten. Für Dhana kein Widerspruch: „Meine Eltern haben beide in sozialen Einrichtungen gearbeitet – mein Vater als Ingenieur. Von ihm habe ich die Überzeugung übernommen, dass es für die meisten Probleme auf unserem Planeten eine technische Lösung gibt. Und dass es wichtig ist, sich für jedes Thema die technischen Kompetenzen anzueignen, an diesen Lösungen zu arbeiten.“
Von Indien ins Saarland
Den ersten Kontakt zu ZF knüpfte sie während ihres Studiums in Pune – und bewarb sich an dem indischen Standort für ein Trainee-Programm. Nur wenige Wochen später saß die 21-Jährige das erste Mal überhaupt in einem Flugzeug, auf dem Weg nach Deutschland, wo sie – nach einem Einsatz in Friedrichshafen – im Getriebewerk Saarbrücken ihre erste Job-Station antrat. Völlig ohne Deutschkenntnisse ließ sie sich, als einzige Frau unter 50 Männern, nicht von dem babylonischen Sprachengewirr aus Saarländisch, Hochdeutsch und Schwäbisch unterkriegen.
Ihr Interesse an Nachhaltigkeitsthemen begleitet die FutureStarterin durch ihr Leben.
„Ich habe in dieser Zeit nicht nur sehr intensiv Deutsch gelernt, sondern durch meinen Job in der Materialwirtschaft auch, dass es bei technischen Projekten nicht nur um das Machbare, sondern vor allem um das Finanzierbare geht“, berichtet sie über diese Zeit. Die Integration fiel ihr leicht: „Dabei half mir auch, dass ich in einer 23-köpfigen Großfamilie aufgewachsen bin“, erzählt sie lachend. Nach drei Monaten prophezeite ihr Chef im ersten Personalgespräch, dass sie schon bald seine Stellvertreterin sei, wenn sie so weitermachte. Dhana glaubte zunächst an einen Scherz – übernahm den Job aber sechs Monate später tatsächlich.
Ihren ursprünglichen Plan, die Berufstätigkeit für einen Masterstudiengang zu unterbrechen, verwarf sie, als sie mit 26 Jahren als Senior Managerin maßgeblich eine neue Getriebe-Generation mitgestalten sollte. „Diese Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen“, erzählt sie. „Ich war als Frau weltweit die Jüngste im Konzern überhaupt auf dieser Ebene. Aber ich habe vom ersten Tag an keine Diskriminierung, sondern nur Respekt und Akzeptanz von meinen Kollegen und Mitarbeitern gespürt.“
„Unsere Kunden wissen zu schätzen, dass wir Nachhaltigkeit wirklich ernst nehmen“
Ihr Interesse an Nachhaltigkeitsthemen wie Diversität, verbunden mit dem Interesse an Fahrzeugen und Motoren, bestimmt seit jeher die Tätigkeiten von Dhana Kad. Kein Wunder, dass sie begeistert war, als ihr im Dezember 2020 die Leitung des Bereichs Nachhaltigkeit der E-Division bei ZF angeboten wurde: „Ich kann jetzt meine Leidenschaften für Fahrzeuge, E-Motoren und Nachhaltigkeit vollständig in Einklang bringen“, beschreibt sie ihre Motivation. „Es ist mein Ziel, dies nicht als Trend oder Zusatzaspekt, sondern als Thema jedes unternehmerischen Denkens und Handelns bei ZF zu fördern – auf allen Ebenen.“
Stolz ist sie vor allem darauf, dass ihr Team mit dem Life-Cycle-Assessment eine Methode entwickelt hat, mit der ZF seinen Kunden anbieten kann, die tatsächliche Nachhaltigkeit ihrer Produkte auf den Prüfstand zu stellen. „Unsere Kunden schätzen immer mehr, dass wir bei ZF Nachhaltigkeit wirklich ernst meinen und stets auf die technische Lösung setzen, statt Greenwashing zu betreiben,“ erklärt sie. Das gilt beispielsweise für den neuen, kompakten Elektro-Motor I2SM, der ohne Magnete und seltene Erden auskommt. „Unter Nachhaltigkeitsaspekten ist dieses Konzept eines E-Antriebs wegweisend“, sagt Dhana stolz, „weil ein nachhaltiger E-Motor eben nicht nur lokal emissionsfrei funktionieren, sondern auch in seiner Produktion möglichst schonend für die Umwelt und die Menschen, die daran beteiligt sind, sein sollte.“
„Es geht immer darum, ein Problem zu analysieren und einen strukturellen Lösungsansatz im Rahmen des Machbaren zu finden.“
Besonders wichtig ist Dhana, dass die Division E bereits zwei nachhaltige Projekte in beachtlicher Dimension realisieren konnte: So ist der Produktionsstandort für Leistungselektronik von E-Antrieben im tschechischen Klášterec im Februar 2024 nach knapp eineinhalb Jahren Umbauzeit als erste Null-Emissions-Fabrik eröffnet worden. Und mit dem ersten emissionsfreien Werk für E-Antriebe im serbischen Pančevo schafft ZF einen Meilenstein im eigenen Transformationsprozess.
Neben den wirtschaftlichen und ökologischen ist ihr aber auch der soziale Aspekt von Nachhaltigkeit ein Anliegen. Deshalb konnte Dhana mit Kolleginnen den Leiter der Division E davon überzeugen, das “ellevate“-Programm zu starten, das Mentoring für Frauen sowie eine Networking-Plattform bietet. Auch die zielgerichtete Nachfolgeplanung ist Bestandteil des Programms, dessen Name sich aus dem englischen Begriff für „anheben“ („elevate“) und dem weiblichen Pronomen aus dem Französischen („elle“) ableitet. „Das Ziel ist, mehr Frauen für Führungspositionen zu fördern“, sagt Dhana und betont auch hier – neben dem sozialen – den wirtschaftlichen Aspekt: „Teams mit Gender-Diversity tragen erwiesenermaßen zum Unternehmenserfolg bei. Frauen besitzen in der Regel höhere emotionale Kompetenzen, sie kommunizieren effizienter und orientieren sich stärker an ethisch-moralischen Werten.“ Bei jedem Werksbesuch ist ein Lunch mit Teilnehmerinnen des Programms ein absoluter Pflichttermin: „Es gibt keine bessere Möglichkeit, mir direktes Feedback dazu abzuholen, wie ellevate läuft“, sagt sie.
Privates Commitment und Präsentation vor dem Bundeskanzler
Auch privat ist Dhana Kad bestrebt, möglichst nachhaltig zu leben. Seit sie vor sechs Jahren ihren individuellen CO2-Fußabdruck berechnet hat, lebt sie vegetarisch. „Auch bei diesen Aktivitäten hilft mir meine Herangehensweise als Ingenieurin“, sagt sie. „Es geht immer darum, ein Problem zu analysieren und einen strukturellen Lösungsansatz im Rahmen des Machbaren zu finden. Und als Optimistin und Realistin weiß ich, dass mehr möglich ist, als Viele denken.“ Mit diesem Spirit engagiert sie sich auch in ihrer Freizeit für die Bildung in Finanzfragen und hat eigens dafür ein Tool entwickelt, das vor allem Frauen in Indien fördern soll, aus der finanziellen Abhängigkeit von ihren Männern herauszukommen.
Die Tatsache, dass die FutureStarterin alle Themen der Nachhaltigkeit und die Begeisterung für E-Fahrzeuge so glaubwürdig und überzeugend vertritt, hat ihr bereits Aufmerksamkeit an höchster Stelle verschafft: Vor Bundeskanzler Olaf Scholz präsentierte sie während seines Besuchs bei ZF in Friedrichshafen im November 2022 – in mittlerweile perfektem, fließendem Deutsch – die Nachhaltigkeitsinitiativen des Konzerns. Für Dhana Kad eines der Highlights ihrer bisherigen Karriere: „Ich liebe meine Arbeit, weil sie für mich kein Job ist, sondern exakt das, was mir Freude und Sinn bereitet.“
Dhana Kad beim Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz in Friedrichshafen.
Was genau macht eigentlich ZF?
Wir gestalten das Fahrzeug der Zukunft. Dabei steht unser Team im Fokus, unsere #FutureStarter. Sie entwickeln täglich Technologien – von Nachhaltigkeit, Elektromobilität und autonomem Fahren bis Software, Digitalisierung und Vehicle Motion Control.