Industrie Digital: Für Lebensretter & Landmaschinen
Im Einsatz erprobt, auf dem Feld analysiert, an Bord visualisiert: Mit ihren Digitalisierungslösungen geht die ZF-Division Industrietechnik ganz neue Wege.
Durch umfangreiche Vernetzung werden ganz neue Produkte und Dienstleitungen möglich. Im zweiten Teil unserer Artikelreihe „Industrie digital“ gehen wir auf drei Fälle ein, mit der wir die Vielfältigkeit der ZF-Expertise beleuchten.
Daten sind ein wichtiger Rohstoff. Es reicht aber nicht, sie nur zu erheben. Man muss die digitale Ressource auch gekonnt einsetzen, damit aus vernetzten Datenquellen einzelner Komponenten neue Lösungen und Mehrwert für Unternehmen und Nutzer entstehen. Drei Beispiele zeigen, wie das in der konkreten Praxis aussieht.
ZF Rescue Connect: Wenn Daten Leben retten
Ob Flut, Brand oder Erdrutsch: Wenn ein Unglück passiert und Menschenleben auf dem Spiel stehen, braucht die Einsatzleitung schnellstmöglich einen guten Überblick. Die Lage meistert, wer rechtzeitig und genau weiß, wie es Vorort aussieht: Wie viele Verletzte gibt es, wo befinden sich die Einsatzkräfte, welche Fahrzeuge sind schon dort und wieviel Schaum hat der Löschzug noch im Tank – und wie groß ist eigentlich das betroffene Gebiet?
Beim Thema Überblick und schelle Informationen bieten technische und digitale Ansätze heute ganz neue Möglichkeiten. Waren bisher bestehende Lösungen an einzelne Hersteller gekoppelt oder nur für bestimmte Dienste erhältlich, liefert ZF jetzt einen einzigartigen Ansatz aus einer Hand. „Als offenes und herstellerunabhängiges System vereint ZF Rescue Connect Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und viele weitere unter einem Dach“, erklärt Alexander Grupp, Venture Lead der neuen Connectivity-Lösung. „Wir sprechen dabei von einem ganzen Ökosystem und nicht von einem einzelnen Produkt.“
Denn ZF vernetzt auf einer Plattform Fahrzeuge, Ausrüstung wie auch Personen mit connectivity-fähiger Hardware – von festverbauten Mini-Rechnern (sogenannte Fahrzeug-Gateways) bis hin zu mobilen Sensoren, sogenannten TAGs. Darüberhinaus gelingt ZF für immer neue Produkte ein interessanter Wissenstransfer: Mit seiner Expertise im Fahrzeugbereich lassen sich auch ganz andere Felder erschließen. Ein Beispiel: Über das Mobilfunknetz gesammelte Daten werden an eine Cloud übermittelt, ausgewertet und danach in den unterschiedlichen Software-Apps visualisiert. Darunter sind Produkte wie die ZF Live View APP, die eine digitale Echtzeit-Lagekarte erstellt, in der sich bis zu 1.000 Fahrzeuge pro Stunde darstellen lassen.
ZF Rescue Connect vernetzt Fahrzeuge, Ausrüstung und Personen auf einer Plattform.
Die App verfügt darüber hinaus auch über passende Schnittstellen für digitale Fahrtenbücher, Verbrauchshistorie und Live-Streaming. Bei Letzterem übertragen Rettungskräfte vorort die Videos ihrer Drohnen, Actions Cams und Mobilgeräte in Echtzeit an die Einsatzleitung. Informationen fließen so schnell und direkt an die Entscheider und helfen Leben zu retten.
ZF Condition Monitoring: Daten „aus dem Feld“
Aber nicht nur das Rettungswesen, sondern auch landwirtschaftliche Fahrzeuge profitieren von der digitalen Service-Erweiterung der Division Industrietechnik. Zuverlässigkeit im Einsatz und Ausfallsicherheit spielt in der Agrarwirtschaft eine wichtige Rolle. Feldarbeit ist so terminiert und getaktet, dass der ungeplante Ausfall eines oder mehrerer Traktoren Kosten verursacht. Und das wäre in vielen Fällen vermeidbar.
Eines der am meisten beanspruchten Systeme im Traktor ist der Antrieb. Hier sitzt das Getriebe an zentraler Position – sowohl bei konventionellen wie auch bei elektrifizierten Antrieben. Die Idee von ZF: Wenn die Daten, die ZF selbst zum Getriebe hat, kombiniert werden mit den Einsatzdaten im Traktor-Alltag, lassen sich dadurch wertvolle Rückschlüsse zum Zustand des Antriebsstrangs ziehen. Und damit auch verlässliche Vorhersagen zu Ausfallrisiken. „Wir sind heute schon ein kompletter Systemanbieter bei der Landmaschinentechnik“, erklärt Stefan Igl, Produktmanager für Landmaschinensysteme bei ZF. „Mit einem digitalen Angebot wollen wir diese Rolle erweitern und unser attraktives Portfolio aus Sicht unserer Kunden abrunden.“
Daten helfen dabei, verlässliche Vorhersagen zu treffen und damit das Ausfallrisiko zu minimeren.
ZF kann für jedes Getriebe einen kompletten digitalen Fußabdruck erstellen. Produktionsdaten, Messwerte, Chargeninformationen, End-of-Line-Prüfungsdaten – alles, was bei der Produktion im ZF-Werk anfällt, wird dokumentiert. Diese Bits und Bytes sind besonders dann wertvoll, wenn sie mit Betriebsdaten des Fahrzeugs abgeglichen werden können. „Zu diesem Zweck kann eine bestehende Schnittstelle genutzt, neu programmiert und aggregiert werden. So können zu jeder Zeit wertvolle Informationen zum Zustand von Getriebe und Antriebsstrang ausgewertet werden“, ergänzt Igl. Wenn ZF diese Informationen den Landmaschinen-Herstellern zur Verfügung stellt, können diese ihr digitales Angebot gegenüber Anwendern und Endkunden optimieren. Das geht von Empfehlungen für vorsorgliche Wartung bis hin zu Restwert-Analysen. Die digitale Zustandsüberwachung ist damit ein Geschäftsmodell, mit denen ZF seine Attraktivität gegenüber Kunden deutlich erhöht.
ZF Ramp Assist: Andocken gamifiziert
Bekanntschaft mit Augmented Reality – also der Methode, in der computergenerierte Objekte in die „echte Welt“ am Gerätebildschirm eingeblendet werden – haben viele erstmals mit Computerspielen gemacht, etwa dem Handyspiel „Pokémon Go“. Dieser Hybrid aus Realität und Computergrafik kann auch beim Lösen kniffliger Aufgaben helfen. „Augmented Reality ist in bestimmten Situationen eine echte Unterstützung, um in Echtzeit komplexe Daten einfacher begreifbar zu machen“, erklärt Lars Hoffmann, Product Owner Ramp Assist. „Indem man wichtige Infos direkt ins Sichtfeld projiziert, verkürzt das die Reaktionszeit und der Kapitän kann sich auf das Wesentliche konzentrieren.“
Eine ähnlich komplexe Situation ist das Andocken von Booten. Das gilt insbesondere, wenn das Schiff nicht nur ans Pier muss, sondern auch noch direkt auf einen Bootsanhänger. Wie sich nicht nur Skipper vorstellen können, ist das mitunter Milimeterarbeit. Noch schwieriger wird dieses Manöver bei schlechtem Wetter, Strömung und unter dem Einfluss der Gezeiten. Hier unterstützt Ramp Assist: Als intuitive Smartphone-App konzipiert, misst und visualiert das Tool unter anderem die aktuelle Geschwindigkeit des Bootes, den Steuerwinkel, Windgeschwindigkeit und -richtung sowie die Entfernung zum Bootsanhänger. Den optimalen Weg dorthin blendet Ramp Assist dann als Pfeil und farbige Route auf dem Geräte-Bildschirm ein.
„Wenn man dann das Handy direkt über die Steuerkonsole platziert, hat man im Handumdrehen sowas wie das Heads-up Display, wie wir es im Pkw einsetzen“, fasst Hoffmann zusammen. Derzeit arbeitet das Entwicklerteam daran, Ramp Assist um zusätzliche Funktionen zu erweitern – und so zum unerlässlichen digitalen Gehilfen für Bootseigentümer zu machen. Dazu gehören unter anderem ein ein KI-Asisstent fürs Aufdocken und Steuern des Bootlifts, Wetterprognosen, „Verkehrsberichte“ über den Andrang im Hafen sowie eine Funktion, mit der Kapitäne für erfolgreiches Anlegen Punkte und Trophäen sammeln. „Ein bisschen Spielerei haben wir uns dann doch noch erlaubt“, sagt Hoffmann.
Macht komplexe Daten in Echtzeit sichtbar und ist in bestimmten Anwendungen eine große Unterstützung.: Augmented Reality.
Erfahren Sie mehr über digitale Lösungen im Bereich der Industrietechnik.