Wie Thomas Kutsche ZF's Stoßdämpfer in die Zukunft führte
Im Januar 1989 hatte Thomas Kutsche seinen ersten Arbeitstag bei Fichtel & Sachs in Schweinfurt. Ein 26-jähriger Maschinenbauabsolvent aus Aachen, voller Ideen und Begeisterung für Technik.
Er hätte auch in der Heimat zu TRW gehen können. Doch den gebürtigen Düsseldorfer zog es nach Unterfranken – in eine Region mit starken industriellen Wurzeln. Und in ein Unternehmen, das ihm genau das bot, wonach er suchte: eine Entwicklungsabteilung mit Freiraum zum Denken, Experimentieren, Gestalten.
Heute – 36 Jahre später – ist Thomas Kutsche Vice President Engineering für die Produktlinie Suspension bei ZF und zum 01. Januar 26 im wohlverdienten Ruhestand. Er leitet die Entwicklung von Fahrwerkslösungen, die weltweit in Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Vor allem aber trägt er Verantwortung für ein, besonders am Standort Schweinfurt, traditionsreiches Produkt: den Stoßdämpfer. Oder, wie er ihn nennt, „den stillen Helden unter den Fahrzeugkomponenten, den man, solange Autos nicht fliegen, immer benötigt.“
Eine Erfolgsgeschichte seit 1932
Die Geschichte der Stoßdämpfer in Schweinfurt beginnt lange vor Kutsches Eintritt ins Unternehmen. 1932 startete Fichtel & Sachs mit der Produktion – ein Meilenstein für eine bis heute anhaltende Erfolgsgeschichte. Schweinfurt entwickelte sich zum global führenden Zentrum für Dämpfungstechnologien. Ob im Sportfahrzeug oder auf der Schiene – Stoßdämpfer aus Schweinfurt sind weltweit gefragt.
Und auch für Thomas Kutsche wurde der Standort zur beruflichen Heimat. Die Kombination aus technischer Exzellenz, gelebtem Teamgeist und Innovationsdrang überzeugte ihn. „Hier durfte man out of the box denken“, sagt er rückblickend. „Ich durfte mitgestalten – vom Fahrversuch bis zur Systemarchitektur.“
sMOTION – Technik, die bewegt
Ein besonderer Meilenstein in seiner Laufbahn: die Entwicklung semiaktiver und später aktiver Dämpfungssysteme. Schon 1997 brachte der Ingenieur gemeinsam mit seinem Team die semiaktive Dämpfung zur Serienreife. Heute, fast drei Jahrzehnte später, ist daraus ein Milliardenmarkt geworden – mit sMOTION als aktueller Vorzeigetechnologie. „Wir entwickeln nicht nur Komponenten“, betont Thomas Kutsche. „Wir entwickeln Systeme – in Kombination mit eigener Software. So holen wir das Maximum an Komfort, Sicherheit und Performance heraus.“ Genau das macht CDC und sMOTION so besonders: Es passt sich in Millisekunden an die Fahrsituation an, gleicht Unebenheiten aus und unterstützt die Fahrzeugdynamik.
Aufbau von CDC-Prototyp-Fahrzeugen in Northville/USA (1992)
Individuelle Lösungen für jede Anwendung
Dass dabei jedes einzelne Dämpfersystem auf das jeweilige Fahrzeug abgestimmt wird, ist für ihn nicht nur technische Notwendigkeit, sondern Ausdruck des Anspruchs, besser zu sein als andere. Ein Anspruch, der bei ZF in Schweinfurt täglich gelebt wird.
Auch deshalb spielt der Standort heute eine zentrale Rolle im globalen ZF-Netzwerk. 950 Mitarbeitende weltweit, davon rund 250 in Deutschland, arbeiten in Kutsches Organisationseinheit an den Fahrwerkslösungen von morgen.
Vom Entwickler zum Strategen
Heute kümmert sich Thomas Kutsche vor allem um strategische Prozesse. Doch trotz der übergeordneten Rolle nimmt er sich bis heute Zeit für Kundengespräche. „Nur wer die Voice of Customer kennt, kann Produkte entwickeln, die wirklich begeistern“, sagt er überzeugt. Was ihn antreibt? Die Begeisterung für Technik. Der Wunsch, die Mobilität der Zukunft mitzugestalten. Und ein Team, das mitzieht. „Bei ZF wird Teamgeist gelebt“, sagt er. „Wir hören einander zu, wir lernen voneinander – egal ob in Schweinfurt, Changwon, Shanghai oder Northville.“
Marktführer mit Weitblick
Seine Vision: ZF soll nicht nur Marktführer bleiben, sondern aktiv die nächste Generation an Dämpfungstechnologien mitgestalten. Der Übergang von semiaktiven zu vollaktiven Systemen ist dabei ein zentrales Thema. Gleichzeitig gilt es, Marktanteile zu sichern und neue Einsatzbereiche zu erschließen – auch jenseits klassischer Fahrzeuge.
Vertikal-Vermessung des CDC-Entwicklungsfahrzeugs auf der 4-Stempel-Anlage bei der RWTH Aachen (1991)
Beruf(ung) mit Begeisterung
Und so klingt bei all dem Stolz ein großes Stück Dankbarkeit mit: „Ich hatte das Glück, in einem Unternehmen zu arbeiten, das mich gefordert und gefördert hat." Der offene Austausch, die Kollegialität, die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen – all das habe ihn geprägt. Der Rat des 63-Jährigen an junge Talente? „Sucht euch etwas, das euch begeistert. Dann ist es keine Arbeit – sondern Berufung.“