Von Anfang an Teil des Wandels – Marcus van Heyden und die E-Mobilität bei ZF
Manche Geschichten erzählen von zukunftsweisenden Technologien. Manche von innovativen Menschen. Diese von beidem. Seit 130 Jahren steht Schweinfurt für Mut und den Willen, Mobilität immer wieder neu zu denken. Was mit Ernst Sachs begann, führen Menschen wie Marcus van Heyden fort – sie zeigen: Innovation entsteht aus Leidenschaft und Überzeugung.
Elektromobilität: Innovationsgeist trifft auf Entschlossenheit – und Herzblut
Für Marcus van Heyden war Elektromobilität nicht nur ein berufliches Projekt. Es war Berufung. Als er 1995 – vor 30 Jahren – seine wissenschaftliche Karriere aufgab, um bei SACHS in Schweinfurt anzufangen, war er sicher: Hier entsteht etwas Großes. „Während meine ehemaligen Kommilitonen an der Universität noch über theoretische Konzepte diskutierten, bauten wir hier bereits rund 30 funktionsfähige Elektromotoren auf – die Dynamik war außergewöhnlich“, berichtet der Elektrotechnikingenieur mit Begeisterung. Die Automobilindustrie setzte damals noch fast ausschließlich auf den Verbrennungsmotor. Elektromotoren galten als technische Spielerei, nicht als realistische Alternative.
Marcus van Heyden, Temperaturmessung an einem Außenläuferrotor, ca. 1997/1998
Doch Marcus van Heyden ließ sich nicht beirren. Für ihn war klar: Die Zukunft fährt elektrisch. Gemeinsam mit einem Team, das zunächst mechanisch geprägt war, begann er, Elektromotoren ganz neu zu denken. Statt bestehende Konzepte zu übernehmen, entwickelten sie eigene Ansätze, legten neue Grundlagen für diese Antriebstechnologie – und bewiesen, dass Wandel möglich ist, wenn Menschen bereit sind, unkonventionell zu denken und zu handeln.
Das Unternehmen vertraute auf Marcus van Heyden und sein Team – und schuf ein Umfeld, in dem echte Innovationen entstehen konnten. „Das Management hat die Transformation in Richtung E-Mobility gewagt und unserem Erfindergeist die benötigten Ressourcen zur Verfügung gestellt“, erinnert sich Marcus van Heyden. „Man hatte immer Vertrauen in uns, auch wenn es nicht jede Entwicklung zur Serienreife geschafft hat. Das ist etwas, wofür ich dankbar bin.“
Veränderung als Teil der DNA
Die Welt verändert sich schneller denn je. Der Standort Schweinfurt begreift diese Dynamik als Einladung, Bestehendes zu hinterfragen und mutig neue Wege zu gehen. Ein Meilenstein dieser Haltung war der Aufbau der ersten Serienproduktion für Hybridantriebsmodule in Europa im Jahr 2008 – unter anderem für den Mercedes-Benz S400. Der Betrieb in Unterfranken setzte stets auf eigene technologische Lösungen – den anderen immer einen Schritt voraus. Viele Technologien, die damals entstanden, wurden später zum Marktstandard.
Und manche Ideen von damals erleben heute eine Renaissance. 1992 beispielsweise wurde ein Fahrzeugkonzept vorgestellt, das seiner Zeit weit voraus war: Ein Verbrennungsmotor erzeugte über einen Kurbelwellengenerator elektrische Energie, die zwei Elektromotoren an der Hinterachse versorgte – ohne mechanische Verbindung zu den Rädern. Ein früher Hybridantrieb.
Elemente dieses Konzepts greift ZF heute wieder in neuen Produkten der E-Mobilität auf – etwa beim modularen „eRE“-System als moderner Range Extender oder den elektrischen Antriebsachsen. Dies bestätigt eindrucksvoll: Schweinfurt hat nicht nur mit-, sondern vorgedacht.
Schweinfurt: Wo Visionen Wirklichkeit werden
Heute leitet Marcus van Heyden die Abteilung Elektromagnetikdesign mit über 100 Mitarbeitenden. Sein Team arbeitet interdisziplinär und multinational daran, Elektromobilität nicht nur leistungsstark, sondern auch nachhaltig zu machen. Wie seine Vorgänger verfolgt auch van Heyden eine klare Vision, die er mit Leidenschaft vorantreibt: den ersten Elektromotor, vollständig gefertigt aus Recyclingmaterial. Ökologie steht dabei bewusst im Zentrum – nicht als Imagefaktor, sondern als echter Antrieb für Innovation.
Wer Nachhaltigkeit zur Grundlage technologischer Entwicklung macht, senkt Kosten, reduziert die Abhängigkeit von globalen Lieferketten und stärkt die Zukunftsfähigkeit. Gleichzeitig stiftet dieses Ziel Sinn – und schafft so eine intrinsische Motivation bei den Mitarbeitenden. Das wirkt direkt auf die Qualität der Produkte von heute und legt zugleich das Fundament für die Lösungen von morgen. Ein Ziel, das zeigt, wie eng bei ZF Schweinfurt technische Exzellenz mit ökonomischer und ökologischer Verantwortung verbunden sind. Die Herausforderung, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig höchste Effizienz zu erreichen, gehört bei ZF zur Philosophie. Schon früh verfolgte man die Vision Zero. Auch ohne sie damals schon so zu benennen, verstand man Innovation nicht als Selbstzweck, sondern als Verpflichtung gegenüber zukünftigen Generationen.
„Der Innovationsgeist war und ist immer noch überwältigend. Aber der allein reicht heute nicht. Entscheidend ist, was wir daraus machen.“
Marcus van Heyden bringt es auf den Punkt: Es braucht Richtung, Haltung, Mut – und das entschlossene Handeln aller. Genau das unterscheidet Schweinfurt. Damals, heute und morgen.