2019

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Digitalisierung der Bahnbranche vorantreiben

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Markus Gross, 12. Juni 2019
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Markus Gross Nach seinem Studium zum Diplom-Wirtschaftsingenieur begann Markus Gross 2008 bei ZF. Seit Anfang 2019 leitet er die Produktlinie Bahn-Antriebssystem.
Sowohl der Personen- als auch der Güterverkehr verdichten sich immer mehr: Die Logistikbranche boomt, Gemeinden und Städte zählen auf die Bahn, um Klimaziele zu erreichen. Gleichzeitig digitalisieren sich Gesellschaft und die Industrie stärker.

Dadurch wachsen Ansprüche an Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit, auch neue Geschäftsfelder entstehen. Der Schienenverkehr darf hier nicht zurückfallen. Mit seiner branchenübergreifenden Vernetzungskompetenz und seinen intelligenten mechanischen Systemen kann ZF Hersteller von Schienenfahrzeugen und Verkehrsbetriebe dabei unterstützen, diese Herausforderungen zu meistern.

Smart Typeplate senkt laufende Betriebskosten

Smart Typeplate senkt laufende Betriebskosten

Eine unserer Innovationen, die dazu einen Beitrag leisten kann, ist das Smart Typeplate. Das Smart Typeplate ist eine kompakte Komponente, die einen hohen Gewinn an Zuverlässigkeit verspricht. Dieses innovative Produkt besteht aus einem RFID-Chip, den ZF ins Typenschild des Getriebes integriert hat. Mit diesem sind Name, Material- und Identifikationsnummer sowie technische Details aller wichtigen Bauteile verlinkt, zusätzlich gibt das digitale Typenschild Rückschlüsse auf die tatsächlichen Betriebsstunden. Das garantiert eine korrekte Identifikation und Dokumentation des Bauteil-Zustands, was wiederum die Transparenz und Effizienz erhöht. Der Betreiber kann durch das Smart Typeplate die gespeicherten Daten zum Produkt bei der Einfahrt des Fahrzeugs ins Depot auslesen sowie bereits durchgeführte Reparaturen eintragen – und das dank des cloudbasierten Services ganz papierlos. Dadurch ist leichter ersichtlich, welche Züge tatsächlich einer Wartung bedürfen.

Das Smart Typeplate vereinfacht so Kommunikation zwischen Betreibern, Kunden und Wartungsservice. Und, noch wichtiger: Stillstand- und Ausfallzeiten werden verkürzt oder ganz vermieden, was die laufenden Betriebskosten senkt. Das ist der erste Schritt dahin, durch die kluge Vernetzung von Mechanik, Elektronik und digitalen Technologien alle wichtigen Komponenten des gesamten Antriebsstrangs mit nur einem System zu überwachen. Das beweist auch der erfolgreiche Pilotversuch, den wir zusammen mit dem Freiburger Verkehrsbetrieb im Zeitraum 2017/2018 durchgeführt haben.

Auf dem Weg zu einem umfassenden Condition-Monitoring

Auf dem Weg zu einem umfassenden Condition-Monitoring

Mit umfassender Datenanalyse kann der Bahnverkehr seine Zuverlässigkeit, Effizienz und Sicherheit steigern. Das wissen die Passagiere und Kunden zu schätzen und verspricht einen Imagegewinn für die Industrie. Dahingehend entwickelt ZF das Konzept „connect@rail“. Bei „connect@rail“ handelt es sich um ein innovatives System, das dank integrierter Sensorik und fortschrittlicher Datenanalyse-Tools den Weg zum umfassenden Condition Monitoring weist. Denn es überwacht nicht nur den Zustand der Fahrzeuge, sondern auch den der Infrastruktur klug und transparent. Diverse Sensoren erfassen beispielsweise Schwingungen, Ölqualität und Temperaturverhalten in Getrieben, geben Aufschluss über die tatsächlichen Betriebsstunden einzelner Komponenten und überprüfen den Zustand überfahrener Gleispassagen, indem sie Ausschläge und Unebenheiten messen. Eine von ZF entwickelte Plattform überträgt die gesammelten Daten und Informationen anschließend sicher verschlüsselt in die ZF-Cloud – eine digitale Plattform, die dank Cloud-to-Cloud-Ecosystem für viele Anwender geeignet ist. Die darauf basierenden Analysen und Handlungsempfehlungen können Betreiber aus der ZF-Cloud via Computer oder Mobilgerät auslesen, Wartungen optimal terminieren sowie individuell und flexibel auf verschiedenste Situationen reagieren. Das gewährleistet einen zuverlässigen Betrieb des Schienenfahrzeugs und hilft, die gesamte Flotte besser zu managen.

Innovative Lösungen in Österreich im Einsatz

Innovative Lösungen in Österreich im Einsatz

Im ersten Quartal 2019 werden das Smart Typeplate und die Infrastrukturüberwachung ihren ersten Kundeneinsatz in Trams des österreichischen Nahverkehrbetriebs "Graz Linien" haben. Um den gesamten Antriebsstrang zu überwachen, wollen wir auch mit anderen Herstellern, unter anderem Schaeffler, kooperieren. Außerdem erforschen wir die Möglichkeiten des IoT und der künstlichen Intelligenz, etwa durch unseren Zentralrechner ZF ProAI, der leistungsfähigsten Steuerbox auf dem Markt. Mit solchen Produkten treiben wir die weitreichende Digitalisierung des Bahnsektors voran – und sind in der Lage, die Branche mit anderen Mobilitätsdiensten und -formen zu verknüpfen.

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