Pionierarbeit, die nie aufhört
Alan Dittrich könnte man als „ZF-Eigengewächs“ bezeichnen. Aber eins mit Start-up-Spirit. Seit seinem Berufsstart nutzt er alle Möglichkeiten, sich und das ZF-Portfolio weiterzuentwickeln.
Daraus entstand eines der ersten digitalen Produkte des Konzerns. Es setzt eine 100-jährige Innovationsgeschichte fort, die das Unternehmen mit der Bahntechnik verbindet.
„Ich bin ein großer Fan der Bahnbranche. Es gibt kein geeigneteres Umfeld, in dem so viel vorangeht wie bei uns“, erzählt der Head of Digital Solutions für Schienenfahrzeuge. ZF und Bahntechnik – das passt gut zusammen. Schon im Jahr 1924 hat das Unternehmen mit mechanischen Innovationen überzeugt und damit wichtige Kundenaufträge gewonnen. Heute, 100 Jahre später, geht es auch um digitale Bahntechnik – und die treibt Alan mit seinem Team voran.
FutureStarter Alan Dittrich, Head of Digital Solutions für Schienenfahrzeuge
Von der Vision bis zum Umsatz
Ein solches digitales Produkt zu entwickeln, ist kein Selbstläufer. Viele Faktoren müssen stimmen, viele Fragen beantwortet werden: Welche Informationen und Daten stehen zur Verfügung, welcher Mehrwert lässt sich herausholen, ist die Nachfrage hoch genug, um Umsatz zu generieren? „Es war ein langer Weg und unsere Ausdauer, unser Wille und unsere Disziplin hat uns durch einen gelungenen Transformationsprozess geführt“, erinnert sich Alan, der als ehemaliger Ruderer und Triathlet auch sportliche Qualitäten und Ausdauer mitbringt. „Wir beweisen, dass man mit digitalen Produkten Umsatz machen kann. Auch darauf bin ich stolz“, fasst der gebürtige Konstanzer zusammen.
Sie stehen auch hinter dem bislang größten Erfolg seines Teams, der digitalen Plattform connect@rail, das durch Aufbereitung und Analyse verfügbarer Daten eine umfassende Zustandsüberwachung für Schienenfahrzeug- Antriebe und auch für Infrastruktur möglich macht. Neue Features werden nach und nach ergänzt. Ein solches Produkt passt zur Bahntechnik. „Die Branche ist hoch aufgeschlossen für neue Entwicklungen und Systeme, die zur Ausfallsicherheit beitragen und damit die Zuverlässigkeit bei der Personenbeförderung erhöhen“, weiß Alan. Dass er mit seinen digitalen Lösungen dazu beiträgt, ein für die Zukunft der globalen Mobilität wichtiges Transportmittel aufzuwerten und fit zu machen, macht ihn auch persönlich stolz. Auf der wichtigen Branchenmesse InnoTrans in Berlin ist connect@rail eines der ZF-Highlights.
„Es war ein langer Weg und unsere Ausdauer, unser Wille und unsere Disziplin hat uns durch einen gelungenen Transformationsprozess geführt“.
Gute Ideen – gut gefiltert
Mehr als 20 Entwickler gehören dazu, die Alan animiert, neben ihren laufenden Projekten viele neue Produktideen zu entwerfen. Eine seiner Aufgaben als Digital Product Owner ist es dann, die interessantesten und möglicherweise lukrativen Ideen herauszufiltern, zu bewerten und zu entscheiden, ob sie Potenzial für ZF und deren Kunden haben.
Zielstrebig, klar, mit Freude an schnellen Entscheidungen und mit der Gabe, Leute zu motivieren – das liegt in Alans Naturell. „Ich bin seit vielen Jahren Gruppen- und Zugführer bei der Freiwilligen Feuerwehr. In dieser Zeit habe ich mir einige Fähigkeiten angeeignet, die mir heute täglich bei der Arbeit im Team nützen“, erklärt er.
Zunächst startete er mit klassischer Ingenieursarbeit. Alan schrieb seine Diplomarbeit an der HTWG Konstanz über ein ZF-Getriebe – das er nach seinem Einstieg in der damaligen ZF-Division Nutzfahrzeug-Antriebstechnik 2007 weiterentwickelte. „Es ging um Hybridtechnik, also die Verbindung neuer Elektromobilität mit klassischer ZF-Getriebetechnik“, erinnert er sich. Mit diesem Know-how wechselte Alan 2013 in die ZF-Division Industrietechnik, sieben Jahre später nahm er dort dann seine aktuelle Position für die Bahntechnik ein. „Vorhandenes und Neues in Systemen miteinander zu verbinden, das ist mein Thema geblieben“, erklärt er. Und seine Teamleiter-Skills aus der Feuerwehr-Zeit helfen dabei.
Technologietransfer hat Tradition
Aber Software ist nicht alles. Digitale Lösungen ergänzen die Mechanik, die bei den ZF-Produkten für die Bahntechnik nach wie vor im Zentrum steht. In der Zukunft kann das Unternehmen noch nachlegen, wenn es darum geht, Bahntechnik mit digitalen Services anzureichern. „Dabei können wir auch von anderen Teilen des ZF-Konzerns profitieren“, freut sich Alan. Die Nutzfahrzeug-Sparte, in der Alan vor 17 Jahren einstieg, steht heute als Division Commercial Vehicle Solutions mit der weltweit größten Systemkompetenz im Nutzfahrzeugbereich da. Mit einem Portfolio, das von der Antriebs- und Fahrwerktechnik bis zu hochmodernen Software-Lösungen für Lkw- und Bus-Flotten reicht. Konzern-Kompetenzen nutzen und auf die Bahntechnik übertragen – das ist eine Vorgehensweise, die in der 100-jährigen Bahntechnik-Geschichte des Unternehmens schon oft für Erfolg gesorgt hat.
Pionier aus Überzeugung
Bei der erfolgreichen Entwicklung von Produkten ist auch die Methode relevant. In der ZF-Vorentwicklung sind agile Entwicklungsmethoden seit längerem etabliert, Alan hat sie auch im Bahnbereich eingeführt. Das brauchte am Anfang etwas Überzeugungsarbeit beim Management, hat aber die operative Arbeitsweise verbessert und den Start-up-Spirit verstärkt. „Die Leute bleiben fokussiert auf Innovationen, ersticken aber durch zu viel Neuartiges die bewährten Prozesse nicht“, so Alan. Das trug ihm einen Preis in einem ZF-internen Excellence-Wettbewerb ein. Für die agile Methodik und die Übertragung in den Entwicklungsprozess gewann er in der Kategorie "Business Processes and Methods".
Ob konventionell oder digital, ob nach dem bewährten V-Modell oder mit agilen Methoden: Jeder Aspekt der Produktentwicklung liegt Alan und war stets Teil seiner Arbeit – ob in seiner Diplomarbeit, nach seinem Einstieg in der Nutzfahrzeug-Antriebstechnik oder nach dem Wechsel in die Division Industrietechnik. Der besondere Reiz für ihn: „Digitale Produkte sind eigentlich nie zu Ende entwickelt. Es ist also Pionierarbeit, die nie aufhört.“