Commercial Vehicle Solutions
Smart Actuators

UN/ECE‑R156‑Zertifizierung mit der ZF SUMS Service Suite

In diesem Interview berichtet Ralf Saatkamp, Geschäftsführer und Inhaber der System Trailers Fahrzeugbau GmbH, wie das Unternehmen diese Zertifizierung erreicht hat und wie die ZF SUMS Service Suite es dabei unterstützt hat.

Datum: 2026-02-13

Wie würden Sie Ihren Weg zur Erfüllung der UN/ECE‑R156‑Anforderungen beschreiben?

Die Umsetzung der UN/ECE R156 war zweifellos komplex – aber es war eine einmalige Herausforderung. Da wir frühzeitig begonnen haben, hatten wir genügend Zeit, die Anforderungen vollständig zu verstehen, uns intern vorzubereiten und die Zertifizierung ohne Beeinträchtigung des Tagesgeschäfts abzuschließen. Jetzt zahlt sich der anfängliche Aufwand aus: Unsere Prozesse laufen reibungslos und effizient, und wir sind langfristig sehr gut aufgestellt.

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Ralf Saatkamp, Geschäftsführer und Inhaber der System Trailers Fahrzeugbau GmbH

Trailer enthalten Software zahlreicher Zulieferer. Wie gehen Sie mit dieser Komplexität um und bleiben gleichzeitig regelkonform?

Komplexität gehört zu unserer DNA. Mit unserem breiten und vielfältigen Produktportfolio sind wir es gewohnt, zahlreiche Konfigurationsvarianten zu managen. Im Rahmen von R156 haben wir uns insbesondere auf sicherheitskritische Geräte konzentriert und sichergestellt, dass jedes Software‑Update die strengen Compliance‑Anforderungen erfüllt.
Wir haben eine dedizierte SUMS‑Umgebung aufgebaut – basierend auf dem ZF‑Toolkit – und unsere Prozesse vollständig validiert, sodass alles korrekt dokumentiert und bereit für die Zertifizierung war.

verschiedene Anhänger

Wie hat die ZF SUMS Service Suite Ihre UN/ECE‑R156‑Implementierung unterstützt, und welche Vorteile sehen Sie im täglichen Betrieb?

Wir haben das Dokumentationspaket mit Handbuch, Checklisten und Vorlagen als praxisnahe Blaupause für den Aufbau unseres SUMS genutzt. Ergänzt wurde dies durch die Beratungsleistungen von ZF sowie ein gezieltes Trainingsprogramm, das alle beteiligten Stakeholder abgeholt hat. Auf Tool‑Ebene bietet uns der ZF SCALAR Software Manager, integriert in ZF [pro]Diagnostics, genau die Automatisierungs‑, Sicherheits‑ und Verifikationsfunktionen, die wir benötigen. Da ZF [pro]Diagnostics derzeit im gesamten ZF [pro]Service‑Netzwerk ausgerollt wird, ermöglicht diese Lösung standardisierte, automatisierte und prüfungssichere Prozesse, auf die wir uns vollständig verlassen können.

Im täglichen Betrieb ist das Toolkit intuitiv bedienbar. Obwohl wir mit weiteren Verbesserungen rechnen, haben die zusätzlichen R156‑Prozesse keinerlei Auswirkungen auf die Endanwender. Zudem hat das Toolkit neue digitale Kommunikationskanäle mit unseren Kunden eröffnet und die Transparenz über den gesamten Software‑Update‑Lebenszyklus hinweg deutlich verbessert.

Trailer Systems Firmengelände

Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung, und welchen Rat würden Sie anderen geben?

Die größte Herausforderung war eindeutig die Komplexität der Regulierung – sie ist für alle neu, auch für die Auditoren, und es gibt noch keine etablierten Best Practices. Der Aufbau eines eigenen SUMS erfordert erhebliche Ressourcen und spezialisiertes Know‑how.

Unser Rat: Binden Sie das Top‑Management frühzeitig ein. Compliance lässt sich nicht isoliert durch ein kleines Team erreichen. Und ziehen Sie externe Partner von Beginn an hinzu. Die Zusammenarbeit mit Lieferanten und dem Technischen Service ist entscheidend für eine erfolgreiche Zertifizierung.

System Trailers: Firmengelände

Welche Kriterien waren bei der Bewertung von SUMS‑Lösungen ausschlaggebend, und warum fiel die Wahl auf die ZF SUMS Service Suite?

ZF ist für uns ein langjähriger und vertrauenswürdiger Partner – daher war ZF eine naheliegende Wahl bei der Auswahl einer SUMS‑Lösung zur Erfüllung der R156‑Anforderungen. Die branchenführende ISO-24089‑Zertifizierung war ein entscheidender Differenzierungsfaktor, und in Kombination mit der ISO-21434‑Zertifizierung für Cybersecurity hat sie unser Vertrauen in die Sicherheit und Reife der ZF SUMS Service Suite zusätzlich gestärkt.

Darüber hinaus waren die fundierte Beratung und die umfassende Begleitung durch die SUMS‑Experten von ZF entscheidend, um die regulatorische und technische Komplexität zu bewältigen und die Lösung exakt auf unsere Anforderungen zuzuschneiden.

Die Zukunft braucht alles

Auch wenn der Trend zum Software-definierten Fahrzeug aktuell sehr dominant ist – nicht alle ZF-Aktuatoren werden in Zukunft „Smart Actuators“ sein, die darauf ausgelegt sind, ihre Befehle von einem Zentralrechner zu erhalten. Und ZF wird auch nicht zum „Code-Verkäufer“ für die Automobilhersteller, damit diese auf der Basis der jahrzehntelangen Erfahrungen von ZF künftig eigene Fahrfunktionen ergänzen. „Aber wir sind offen für eine neue Rollenverteilung mit den Herstellern, ebenso auch für neue Business-Modelle“, so Elbers. Das gilt beispielsweise für den Bedarf von Over-the-Air-Updates – wenn neue Funktionen ohne Werkstattaufenthalt über die Cloud auf das Fahrzeug „geladen“ werden können. Dazu zählt auch eine schnellere und schlankere Entwicklungskooperation.

Oder um im Bild zu bleiben: Die „neue Königin“ Software hat ZF in der Automobilelektronik längst anerkannt – und kann ihr wahlweise ein Schloss bauen oder einen sehr effizienten Beamtenapparat zur optimalen Verwaltung zur Seite stellen. Sie muss nur sagen, was sie braucht.

„Mit der Unterstützung der ZF SUMS Service Suite haben wir unsere R156‑Zertifizierung erreicht – und deshalb können wir sie uneingeschränkt auch anderen Unternehmen der Branche empfehlen.“
Ralf Saatkamp, Geschäftsführer und Inhaber der System Trailers Fahrzeugbau GmbH

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