Auf dem Weg zur „Vision Zero“: Was die GSR für Nutzfahrzeuge bedeutet – und wie Sicherheitstechnik von ZF die OEMs bei der Umsetzung unterstützt.
Der Verkehr muss sicherer werden. Hier herrscht Einigkeit bei Gesellschaft, Fahrzeugherstellern und Gesetzgebern, und hier kommt auch die „Verordnung zur allgemeinen Sicherheit“ (GSR) der Europäischen Union zum Tragen. Ein erst 2019 aktualisierter Rechtsrahmen schreibt verbindliche, moderne Sicherheitsfunktionen für Neufahrzeuge vor, die auf dem europäischen Markt verkauft werden.
Die Freigabe einer neuen Fahrzeugplattform in Europa erfordert zunächst eine offizielle Homologationsfreigabe (die sogenannte „erste Typgenehmigung“) und dann eine weitere Genehmigung, wenn neue Fahrzeuge ihr erstes Kfz-Kennzeichen erhalten (die sogenannte „Erstzulassung“). Gemäß der jüngsten GSR-Aktualisierung müssen neue Nutzfahrzeuge ab Mitte 2022 (für Typgenehmigungen) bzw. Mitte 2024 (für Zulassungen) auch mit den hier gezeigten sechs ADAS-Funktionen ausgestattet sein.
Der Faktor Mensch
Wie in der Abbildung zu sehen ist, sollen diese Funktionen vor allem sicherstellen, dass der Fahrer aufmerksam und konzentriert bleibt. Denn der Faktor Mensch ist immer noch die häufigste Unfallursache. Deswegen ist die Unterstützung des Fahrers in dieser Hinsicht der beste Weg, die Sicherheit über alle Verkehrsformen hinweg zu erhöhen.
In diesem Video erfahren Sie mehr über die Geschichte der GSR, ihren Zweck und welche Verkehrsteilnehmer der Gesetzgeber auf diese Weise schützen möchte.
Sechs ADAS-Funktionen sind ab Juli 2022 für Neufahrzeug-Typgenehmigungen und ab Juli 2024 für Neuzulassungen verpflichtend: Moving Off Information System (MOIS), Blind Spot Information System (BSIS), Reversing Information System (REIS), Intelligent Speed Assist (ISA), Driver Drowsiness & Alertness Warning (DDAW) und Tire Pressure Monitoring System (TPMS). Während im Verordnungstext festgelegt ist, welche Funktionen zwingend vorgeschrieben sind ist die konkrete Umsetzung auf technischer Ebene den Fahrzeugherstellern überlassen. Und die Fahrzeughersteller setzen auf ZF. Mit einem umfangreichen Produktportfolio an hochentwickelten Brems- und Lenkungstechnologien, intelligenter Datenintegration, KI-fähigen Steuergeräten, präzisen Sensoren und vielem mehr kann ZF den OEMs skalierbare Lösungen zur Erfüllung der GSR-Anforderungen bieten. Von Einzelkomponenten bis hin zu umfassenden Systemen ist ZF die zentrale Anlaufstelle für Fahrzeughersteller, um Sicherheitsfunktionen in schweren Nutzfahrzeugen umzusetzen und die GSR-Ziele zu erreichen.
Neue GSR Sicherheitsfunktionen
Moving Off Information System (MOIS)
Hoch oben in der Fahrerkabine großer Nutzfahrzeuge scheint einem die Welt zu Füßen zu liegen. Leider bedeutet ein solcher Blickwinkel, dass man oft nicht sieht, was direkt vor einem ist. Dies birgt ein erhebliches Risiko für Fußgänger oder Radfahrer, z.B. an Fußgängerüberwegen oder roten Ampeln. Ein „Moving Off Information System“ (MOIS) basierend auf Echtzeit-Objektidentifikation warnt den Fahrer, wenn sich eine Person im toten Winkel vor dem Fahrzeug befindet. So kann das System dazu beitragen, gefährdete Verkehrsteilnehmer zu schützen.
Blind Spot Information System (BSIS)
Überall auf der Welt lernen Fahrschüler bei ihrer Ausbildung, beim Wenden die toten Winkel zu beachten. Aber das ist einfacher gesagt als getan, wenn man hinter dem Steuer eines Lkw oder Busses sitzt – trotz großer und zusätzlicher Außenspiegel. Ein „Blind Spot Information System“ (BSIS) warnt den Fahrer, wenn ein Fahrradfahrer neben der Beifahrerseite des Fahrzeugs fährt, und sorgt so besonders im urbanen Raum für mehr Sicherheit.
Reversing Information System (REIS)
Die meisten Nutzfahrzeugfahrten beginnen oder enden auf einem Betriebshof. Doch ob man an eine Ladebucht rangieren muss oder das Fahrzeug nur für die Nacht parkt – vor allem für weniger erfahrene Fahrer kann das Rückwärtsfahren nervenaufreibend sein, da die Fahrzeuggröße einen großen toten Winkel am Heck erzeugt. Ein „Reversing Information System“ (REIS) deckt den toten Winkel nahe am Heck eines Lkw oder Busses ab und schaltet sich automatisch ein, sobald der Rückwärtsgang eingelegt ist. Damit unterstützt das System den Fahrer effektiv beim sicheren Rückwärtsmanövrieren.
Intelligent Speed Assist (ISA)
Die Aufmerksamkeit kann vor allem auf langen Fahrten nachlassen. Dadurch bemerken Fahrer manchmal nicht, wenn sich die Geschwindigkeitsbegrenzung ändert. Hier kommt der „Intelligent Speed Assist“ (ISA) ins Spiel. Das System erkennt Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder und zeigt die aktuelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem Dashboard an. Überschreitet das Fahrzeug die Geschwindigkeitsbegrenzung, gibt das System eine Warnung aus und fordert den Fahrer auf, die Geschwindigkeit anzupassen. Dies leistet einen Beitrag zur Vermeidung von Unfällen, Bußgeldern und zur Steigerung der Fahrereffizienz.
Driver Drowsiness and Attention Warning (DDAW)
Gerade über lange Zeiträume hinweg kann das Fahren anstrengend sein – dann steigt das Unfallrisiko. Ein „Driver Drowsiness and Attention Warning“ (DDAW) System erkennt ungewöhnliches Fahrverhalten verursacht durch Schläfrigkeit oder geringere Aufmerksamkeit. Unter Berücksichtigung von Faktoren wie z.B. Lenkverhalten und Fahrzeiten kann das System in einem solchen Fall eine Warnung auslösen. Fahrer werden aufgefordert, ihre Fahrweise zu korrigieren und – im besten Fall – eine schnelle Ruhepause einzulegen.
Tire Pressure Monitoring System (TPMS)
Bei bis zu 18 und mehr Rädern ist die Überprüfung des Reifendrucks eines Nutzfahrzeugs ziemlich mühsam. Der Verzicht auf regelmäßige Überprüfungen kann jedoch das Fahrverhalten eines Fahrzeugs negativ beeinflussen und das Unfallrisiko erhöhen – etwa durch eingeschränkte Wendigkeit oder Reifenplatzer. Als Zusatznutzen senkt ein optimaler Reifendruck den Kraftstoffverbrauch und damit CO2-Emissionen. Zwar entfällt für Fahrer nicht die routinemäßige Überprüfung vor Fahrtbeginn, aber mit dem „Tire Pressure Monitoring System“ (TPMS) können im Falle eines plötzlichen Druckverlustes frühzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.
Wie ZF OEMs bei der Erreichung der GSR-Ziele unterstützt
Seit Jahrzehnten beliefert ZF die Automobilindustrie bereits mit bewährten Lösungen für aktive und passive Sicherheit. Mit der Integration des Nutzfahrzeugtechnik-Spezialisten WABCO kann ZF integrierte Sicherheitssystemlösungen – von Einzelkomponenten bis hin zu Gesamtsystemen – aus einer Hand anbieten. Das bedeutet kürzere Entwicklungszyklen, einfachere Typgenehmigungen und damit schnellere Time-to-Market. Was auch immer die GSR zukünftig für OEMs bereithält – sie können sich bei jedem Schritt auf die Unterstützung von ZF verlassen.