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Energie, intelligent dosiert

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Eine gemeinsam von WABCO und ZF entwickelte Druckluft-Lösung für Nutzfahrzeuge senkt seit neun Jahren den Energiebedarf und die Betriebskosten von Trucks.
Andreas Neemann, 27. Juli 2020
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Andreas Neemann hat seinen ersten ZF-Magazintext im Jahr 2001 zum 6HP-Automatgetriebe geschrieben. Seither begleitet der Automotive-Autor mit Faible für komplexe Themen den Konzern in vielen Publikationen für interne wie externe Leser.
Dass WABCO und ZF einen „perfect Match“ darstellen, sich also optimal ergänzen, haben die beiden Unternehmen bereits vor der Übernahme von WABCO durch ZF bewiesen. Gemeinsame Produkte erhöhen schon seit Jahrzehnten den Kundennutzen im Nutzfahrzeug, beispielsweise die adaptive Dämpfung CDC und die Kabinendämpfung CALM. Beim gemeinsamen Markterfolg spielte es keine Rolle, welches der beiden Unternehmen „im Lead“ gegenüber den Kunden war. So war es 2011 der WABCO-Konzern, der einen abkoppelbaren Druckluft-Kompressor auf den Markt brachte – mit Entwicklungspartner ZF im Hintergrund.

Hier die Vorgeschichte: Nutzfahrzeuge brauchen Druckluft, denn nur pneumatische Systeme bringen die hohen Kräfte auf, die fürs Bremsen, die Luftfederung oder das Kuppeln und Einlegen der Gänge notwendig sind. Ein vom Verbrennungsmotor angetriebener Kompressor erzeugt die Druckluft. Dieser Kompressor lief früher permanent, also auch, wenn gar keine Druckluft benötigt wurde. „Wir haben nach Möglichkeiten gesucht, diese Verschwendung einzudämmen“, erinnert sich Frank von Son, heute Marketingleiter für den Geschäftsbereich Vehicle Energy Management Systems (VEMS) der Division W, an den Ansatz von WABCO. „Lässt sich der Kompressor zeitweise vom Motor abkoppeln und bei Bedarf wieder zuschalten, spart dies bis zu einem halben Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer“, so von Son.

Deutlich reduzierter Verbrauch

Deutlich reduzierter Verbrauch

Was sich nach wenig anhört, summiert sich im Nutzfahrzeugalltag. Bei einer Spedition mit zehn Lkw, die pro Jahr je 100.000 Kilometer fahren, beträgt die Gesamteinsparung 5.000 Liter Diesel pro Jahr. „Technisch ist das möglich, indem man den Kompressor vom Motor abkoppelt, wenn genug Druckluft im Fahrzeug vorhanden ist“, erklärt Peter Prystupa, Leiter Entwicklung Nutzfahrzeug-Antriebskomponenten bei ZF in Schweinfurt. Für eine solche pneumatische Kompressorkupplung, auch Luftpressekupplung (LPK) genannt, suchte WABCO einen Entwicklungspartner und fand ihn in ZF. „Nach der ersten Anfrage von WABCO hat das ZF-Team unsere Membranfeder-Betätigungstechnologien auf die Anforderungen für eine Kompressor-Kupplung hin zugeschnitten“, erläutert sich Prystupa. Bei der Entwicklung gab es einen regen Austausch und Besuche an den Standorten in Hannover und Breslau (WABCO) sowie in Schweinfurt (ZF). Am Ende entstand ein Produkt, das von WABCO unter dem Namen c-comp vermarktet wurde
Die gemeinsam von WABCO und ZF entwickelte Druckluft-Lösung senkt den Energiebedarf von Nutzfahrzeugen.

Die nächste Generation geht an den Start

Die nächste Generation geht an den Start

Nach dem Serienstart im Jahr 2011 setzte sich die Lösung schnell im Markt durch. Große Nutzfahrzeug-OEMs vertrauen auf die gemeinsam entwickelte Technologie und bieten sie in ihren Fahrzeugen an.
Beide Unternehmen haben auch eine zweite, verbesserte Generation von Luftkompressoren mit integriertem ACC entwickelt. Kinga Obrocka, Product Line Leader Air Compressors, beschreibt die Spezifikationen: "Als evolutionäres Upgrade des ursprünglichen c-comp wird die neue Lösung eine bessere Leistung bieten und wurde bereits von einem großen Nutzfahrzeug-OEM für seine kommende Palette seiner schweren und mittelschweren Motorplattformen ausgewählt.“