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#MobilityLifeBalance

Zunehmend gefordert und überfordert

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Tags: NullUnfälle, AutonomesFahren, #MobilityLifeBalance

Selbst über die eigene Zeit zu bestimmen ist für viele moderne Menschen ein Luxus – und damit die Ausnahme. Wer dies nicht kann, empfindet rasch Stress. Besonders häufig tritt der auf bei täglichen Fahrten zum und vom Arbeitsplatz. Abhilfe tut not.
Achim Neuwirth, 01. Juli 2019
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Achim Neuwirth ist seit 2011 als Autor für ZF tätig. Der Publizistiker schreibt bereits seit rund 20 Jahren über Mobilitätsthemen in allen Facetten.
Blinken beim Verlassen des Kreisverkehrs, Mindestabstand einhalten beim Überholen des Radfahrers, auf Gegenverkehr und die erlaubte Geschwindigkeit achten, das Hinweisschild auf eine Umleitung nicht übersehen und gleichzeitig dem Kind auf dem Rücksitz erklären, dass es sich nicht während der Fahrt abschnallen darf. Für jeden Autofahrer eine gewohnte Szenerie. Sie zeigt jedoch auch, dass Autofahren meist alles andere als entspannt abläuft.

Wachsende Komplexität als Komfortkiller

Wachsende Komplexität als Komfortkiller

Dennoch steigt die Anzahl der Menschen, die täglich den Pkw benutzen. Vor allem jene, die mehr als 25 Kilometer zum Arbeitsplatz pendeln: 84 Prozent der Berufstätigen in Deutschland, die an jedem Werktag (zweimal) 25 bis 50 Kilometer fahren, nutzen dazu den Pkw. Generell bleibt das Auto das Verkehrsmittel Nummer eins, und das für jedermann. Selbst im Jahr 2040 wird es noch der Garant sein für räumliche und zeitliche Flexibilität.
Doch schnell und entspannt von A nach B zu kommen, bleibt zunehmend ein frommer Wunsch. Nicht nur Staus kosten Zeit, auch die Suche nach einem Parkplatz am Zielort kann den eigenen Zeitplan schnell zu Makulatur machen. Mehr als 40 Stunden pro Jahr verbringen beispielsweise britische Autofahrer mit der Suche nach Parkplätzen. Einen weiteren Dämpfer erhalten automobile Freiheit und Komfort mit der immer komplexeren Verkehrssituation. Der Wald aus Verkehrsschildern wächst und wächst seit Jahren ungebremst. In Deutschland steht durchschnittlich alle 28 Meter eines der teilweise komplexen Verkehrsschilder. Ebenso zunehmend kompliziert wird die Bedienung des Fahrzeugs selbst. Wo vor Jahren noch ein Drehschalter für die Klimaanlage zuständig war, den man rasch und ohne hinzusehen bedienen konnte, müssen Autolenker heute auf ein Touch-Display blicken und sich dort durch Menüs und Untermenüs tippen.
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Komplexe Verkehrssituationen stellen Autofahrer vor vielfältige Herausforderungen.

56 Meter
Blindflug
riskiert, wer bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h auch nur zwei Sekunden nicht auf die Straße schaut.

Mensch patzt, elektronischer Assistent bügelt aus

Mensch patzt, elektronischer Assistent bügelt aus

Allein die wenigen bisherigen Beispiele zeigen, wie uns die zunehmende Komplexität außerhalb und innerhalb des Fahrzeugs fordern. Sind Komplexität und Stressempfinden noch subjektive Größen, gibt es keinen Zweifel, wie gefährlich Ablenkung ist: Sie ist die zweithäufigste Unfallursache. Immerhin 90 Prozent aller Unfälle gehen auf menschliches Versagen zurück, im Mittelpunkt: der abgelenkte Fahrer. Elektronische Assistenzsysteme können das automobile Leben daher nicht nur vereinfachen, sondern auch sicherer machen. Umso besser also, wenn beim assistierten Fahren diverse Sensoren im Auto die Verkehrslage im Blick haben und den Aufmerksamkeitsgrad des Fahrzeuglenkers gleich mit. Dann kann das Assistenzsystem wirksam gegensteuern, bevor etwas passiert.

Elektronische Helfer richtig vernetzt

Elektronische Helfer richtig vernetzt

Soweit die Theorie. In der Praxis sind viele Assistenzsysteme noch immer nicht intuitiv zu bedienen oder agieren nicht selbsterklärend. Oft brummt und bimmelt es im Auto, und der Gurt ruckelt an der Schulter, ohne dass die Insassen sofort wissen, was los ist. Der Mehrwert eines elektronischen Assistenzsystems erschließt sich dann nicht mehr, im Gegenteil: das System wird selbst zum Stressfaktor. Oft deaktiviert ein entnervter Fahrer einen als nervig empfundenen Assistenten, was natürlich der Grundidee widerspricht.
Es gibt jedoch auch viele Autofahrer, die gar nicht wissen, welche elektronischen Helfer an Bord sind, geschweige denn, wie diese eingestellt werden. Einen möglichen Ausweg aus diesem Dilemma bieten höher automatisiertes Fahren sowie integrierte Cockpit- und Bedienkonzepte. Sind viele Fahrerassistenzfunktionen zusammengeführt, agieren die Assistenten deutlich harmonischer. Dann entlasten sie den Fahrer tatsächlich. Der Abstands-Tempomat weiß dann genau, was der Spurhalteassistent macht und umgekehrt. Auch trägt ein intuitiv zu bedienendes Cockpit dazu bei, dass Mensch und Fahrzeuge wieder eine gemeinsame, klar verständliche Sprache sprechen. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn beim hochautomatisierten Fahren klare Übergaben zwischen Maschine und Mensch die Voraussetzung sind.
Viele Autofahrer wissen gar nicht, wie sie die elektronischen Helfer des Fahrzeugs richtig nutzen.

Druck senken, Zeit zurückholen

Druck senken, Zeit zurückholen

Eine stärkere Automatisierung nützt auch Berufskraftfahrern. Schließlich ist auch für sie die Überforderung inzwischen ein alltäglicher Begleiter. Gerade Berufskraftfahrer – sei es im Lkw, Bus, Kleintransporter oder im Taxi – sind tagtäglich mit den Folgen des wachsenden Verkehrsaufkommens konfrontiert, mit immer mehr Fahrten, mit steigendem Zeitdruck und mit dem zunehmenden Personalmangel. Besonders stark betroffen sind aktuell Paketboten. Sie müssen bis zu 200 Sendungen pro Schicht zustellen. In der Rush Hour tragen sie selbst zur Staubildung bei, wenn sie bei der Auslieferung manchmal eine ganze Fahrspur blockieren.
Gerade für die Fahrer von Lkw und Transportern in Stadtzentren und auf Betriebshöfen bringen automatisierte und autonome Fahrfunktionen gewaltige Vorteile mit sich. Richtig ins Fahrzeug implementiert können sie Berufskraftfahrern bestimmte Teile ihres Arbeits- und Aufgabenpensums abnehmen und sie so entlasten. Die gleichen Vorteile bringen intelligente Zustellsysteme: Im Sinne einer smarten Logistik vernetzen sie Fracht, Bote und Warenempfänger intelligent. So kommt es anstatt zu Überlastung zu einem Gewinn an Zeit, dem immer wertvoller werdenden Luxusgut.

#MobilityLifeBalance

Mit einer Initiative stellt ZF den Menschen in den Mittelpunkt von Mobilitätsangeboten und zeigt Lösungen, wo und wie dies am besten gelingt.

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