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Mit Technik gegen den Reisestress

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Tags: AutonomesFahren, #MobilityLifeBalance
Viele Faktoren können im Auto stressen: Von schlechten Straßen mit Schlaglöchern bis hin zur Reisekrankheit. Technische Lösungen im Fahrzeug können Abhilfe schaffen.
Friederike Pater, 01. Juli 2019
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Friederike Pater ist studierte Journalistin und schreibt – nicht nur über die automobilen – Tech-Trends von morgen. Auf ihren Reisen sammelt sie Eindrücke aus aller Welt und lässt sich zu neuen Geschichten inspirieren.
Eltern fürchten diese Ansage von der Rückbank: „Mama, mir ist schlecht“, beklagt sich die Tochter. Auf der Fahrt in den Urlaub hält sie ein Tablet in den Händen, auf dem der Lieblingsfilm läuft. Vor allem auf längeren Autofahrten kann es vorkommen, dass Mitfahrer unter Übelkeit oder Schwindel leiden. „Leg das Tablet weg und versuche, ein bisschen zu schlafen“, rät die Mutter vom Beifahrersitz aus und vertieft sich wieder in ihre Zeitung. Ein Schlagloch in der Fahrbahn schüttelt das Auto durch, der Kaffee im Becher schwappt über. Mit jeder Minute steigt der Stresspegel für die Reisenden.

Warum Reisen den Körper belastet

Warum Reisen den Körper belastet

Das Phänomen, unter dem das kleine Mädchen sowie ein Drittel aller Menschen weltweit leiden, heißt Reisekrankheit (Kinetose), englisch „motion sickness“. Sie entsteht, wenn der Körper ungewohnten oder unkontrollierten Bewegungen ausgesetzt ist, etwa beim Lesen im Auto oder beim Film ansehen im Flugzeug. Plötzlich liefern die Sinnesorgane widersprüchliche Informationen zur räumlichen Lage und Bewegung des Körpers; oder anders ausgedrückt: Das Auge nimmt etwas anderes wahr als der Gleichgewichtssinn.
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Vielen Passagieren wird im Fahrzeug regelmäßig übel.

40 Prozent
von zufällig befragten Personen gaben an, schon einmal im Auto unter Symptomen einer Reisekrankheit gelitten zu haben.

Autonome Fahrzeuge können die Reisekrankheit verstärken

Autonome Fahrzeuge können die Reisekrankheit verstärken

Gerade beim autonomen Fahren könnte sich dieser Effekt noch einmal verstärken, so die Überzeugung von Forschern der TU Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Derzeit untersuchen sie, wie Reisekrankheit und automatisiertes Fahren zusammenhängen. Mit ihrer Forschung will das Team rund um Professor Steffen Müller und Dr. Uwe Schönfeld unter anderem auch die Akzeptanz gegenüber der neuen Technik erhöhen. Müller ist Leiter des Fachgebiets Kraftfahrzeuge der TU Berlin und Schönfeld leitet das Charité-Teilprojekt. „Insassen mit wenig Sicht auf die Verkehrssituation sind besonders betroffen. Denn dann ist der für eine Kinetose verantwortliche Sinneskonflikt am stärksten“, sagt Schönfeld und ergänzt: „Viele Personen, die unter der Reisekrankheit leiden, sind am liebsten selbst Fahrer, weil die Symptome dann kaum auftreten.“ Aus diesem Grund stünden besonders Kinetose-Betroffene autonom fahrenden Autos kritisch gegenüber.

Mobilität als genereller Stressfaktor

Mobilität als genereller Stressfaktor

Das Thema Mobilität stresst viele Menschen, egal, ob sie per Bus, Bahn, Auto oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Eine von der kanadischen McGill University in Montreal durchgeführte Studie unter knapp 3800 Personen zeigt, dass verschiedene Verkehrsmittel unterschiedlich stark belasten. Dies kann zu gesundheitlichen und sozialen Problemen wie Aggressionen führen. Autofahrer schneiden in der Untersuchung eindeutig am schlechtesten ab. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Bahn zeigte sich, dass die damit verbundenen Unwägbarkeiten stressen, beispielsweise Wartezeiten oder Fahrtausfälle.
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Baustellen, Umleitungen und unübersichtliche Verkehrssituationen tragen ebenfalls zum Stress bei.

Weniger Komfort und mehr Stress durch Schlaglochpisten

Weniger Komfort und mehr Stress durch Schlaglochpisten

Straßen im schlechten Zustand gibt es auf der ganzen Welt. Die gemeinnützige Organisation TRIP etwa veröffentlicht regelmäßig einen Zustandsbericht des nordamerikanischen Straßennetzes. Die jüngste Erhebung aus dem Jahr 2018 ergab, dass ein Drittel der wichtigsten städtischen Straßen des Landes so schlecht sind, dass sie zu unkomfortablen Fahrten und zu erhöhtem Fahrzeugverschleiß führen. In San Francisco betrage der Anteil solch miserabler Straßen sogar mehr als 70 Prozent. In Deutschland sind 16 Prozent der Autobahnen und 35 Prozent der Bundesstraßen in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Schlaglöcher, Schwellen und laute Fahrgeräusche können Symptome von Stress bis hin zu Kinetose begünstigen.

Mit intelligenter Technik gegen den Reisestress

Mit intelligenter Technik gegen den Reisestress

Den Anspruch an autonome Fahrzeuge formuliert die im Auftrag des deutschen Automobilclubs ADAC durchgeführte Studie „Evolution der Mobilität“: Danach sollen autonome Fahrzeuge als „Third Places“ zu Wohlfühlräumen in der Zeit zwischen Arbeitsplatz und Zuhause werden. Die Nutzer sollen sich darin gern aufhalten und gleichzeitig ihre Zeit sinnvoll verbringen können. Neben der effektiven Zeitnutzung während der Fahrt und dem Senken des Stresslevels erhoffen sich die Menschen durch autonome Fahrzeuge vor allem ein Komfortplus (56 Prozent).
Fahrzeughersteller suchen daher nach Wegen, um den Wunsch nach mehr Fahrkomfort durch technische Maßnahmen zu erfüllen. Ansatzpunkte sind aktive Fahrwerke, innovative Innenraumkonzepte oder die bessere Vernetzung von Funktionen. Aktive Dämpfungssysteme etwa können die Dynamik und die Sicherheit erhöhen. Sie erkennen frühzeitig Schlaglöcher oder sonstige Fahrbahnunebenheiten und wirken ihnen entgegen. Auch eine neue Gestaltung des Fahrzeuginnenraums kann dazu beitragen, Stress abzubauen und Symptomen der Reisekrankheit vorzubeugen.

Was tun im autonomen Fahrzeug?

Was tun im autonomen Fahrzeug?

Das Auto während der Fahrt nicht mehr selbst steuern zu müssen, schafft Freiräume für andere Tätigkeiten. Hier die Antworten, was arbeitslose Fahrer mit der gewonnenen Zeit tun würden:
  • Aus dem Fenster schauen und die Umgebung betrachten (73%)
  • Entspannen (59%)
  • Lesen (47%)
  • Im Internet surfen (39%)
  • Arbeiten (28%)
  • Schlafen (28%)
  • Spielen (23%)
Quelle: Umfrage „Automatisiertes Fahren: Aktuelle Einstellungen in Deutschland“, Reinhard Mohn Preis 2017

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Mit einer Initiative stellt ZF den Menschen in den Mittelpunkt von Mobilitätsangeboten und zeigt Lösungen, wo und wie dies am besten gelingt.

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