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Verkehrssicherheit beginnt immer im Kopf

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Tags: NullUnfälle, Sicherheit

Um in der Gesellschaft das Bewusstsein für die Gefahren des Straßenverkehrs zu wecken, engagiert sich ZF seit Jahren in unterschiedlichen Initiativen. Eine Sicherheitskampagne in Indien hat die Autofahrer von morgen im Visier: Kinder. Ein Ortstermin.
Friederike Pater, 16. April 2019
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Friederike Pater ist studierte Journalistin und schreibt – nicht nur über die automobilen – Tech-Trends von morgen. Auf ihren Reisen sammelt sie Eindrücke aus aller Welt und lässt sich zu neuen Geschichten inspirieren.
Was ihre Eltern im Straßenverkehr falsch machen? „Meine Mama telefoniert beim Autofahren“, erzählt das kleine Mädchen in ihrer blauen Schuluniform mit karierter Bluse. Ihre Klassenkameradin ergänzt schüchtern: „Und mein Papa fährt bei Rot über die Ampel.“ Die beiden gehören zu einer Gruppe von indischen Grundschülern, die an diesem Tag gebannt den Worten von Parth Kohli lauscht.

Eigentlich arbeitet der junge Mann seit November 2017 als Trainee bei ZF India. Am heutigen Tag unterstützt er jedoch zusammen mit einigen Kollegen als ehrenamtlicher Verkehrserzieher in der „Heritage International School“ in Pune die „Safety Bunny Campaign“. Bereits seit dem Jahr 2008 betreibt ZF in China erfolgreich diese Kampagne. Im vergangenen Jahr lief die Aktion nun auch in den indischen Städten Chennai, Coimbatore, Pune und Hyderabad an. Ziel dieser Kampagne ist, rund 10.000 Kindergartenkinder und Schulkinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren spielerisch mit den Gefahren des Straßenverkehrs vertraut zu machen und ihnen die Grundzüge des richtigen Verhaltens beizubringen. Als Sympathieträger mit dabei: der Safety Bunny, ein blau gekleideter weißer Hase mit ZF-Logo auf der Brust und überdimensionaler roter Brille auf der Nase.

Verkehrssicherheit als gesellschaftlicher Auftrag

Verkehrssicherheit als gesellschaftlicher Auftrag

Als einer der weltweit größten Anbieter von aktiver und passiver Sicherheitstechnik fürs Automobil ist es dem ZF-Konzern ein Anliegen, das Thema Verkehrssicherheit in jeder Gesellschaft zu verankern und voranzutreiben. Dies geschieht zum einen durch Aktionen wie die Safety Bunny Campaign, zum anderen durch Initiativen wie „Stop the Crash“ im Team mit anderen sich mit der Straßenverkehrssicherheit verbundenen Partnern. In beiden Fällen geht es darum, durch Aufklärung und Überzeugungsarbeit die Zahl der Unfälle und damit die Anzahl von Verletzten und Toten zu verringern. Dieser Ansatz folgt der konzerneigenen „Vision Zero“ und den Werten, für die ZF steht. Das Unternehmen arbeitet sowohl an der Vision „Null Emissionen“ als auch an der Vision „Null Unfälle“.

10
Prozent
der Verkehrstoten in Indien sind nach Angaben des dortigen National Crime Records Bureau (NCRB) Kinder unter 18 Jahren. Ein erschreckend hoher Anteil.

Kinder als Botschafter für mehr Verkehrssicherheit

Kinder als Botschafter für mehr Verkehrssicherheit

Wie wichtig es ist, die Verkehrssicherheit durch unterschiedlichste Maßnahmen zu erhöhen, belegt Suresh KV, President of ZF India, mit zwei erschreckenden Zahlen: „Wir haben in Indien mehr als 150.000 Verkehrstote pro Jahr, was elf Prozent aller Verkehrstoten weltweit entspricht. Tagtäglich sterben hier 43 Kinder bei Verkehrsunfällen.“ Mit der Safety-Bunny-Kampagne verfolgen deren Initiatoren gleich zwei Ziele: Kinder als die schwächsten Verkehrsteilnehmer sollen frühzeitig lernen, wie sie sich im Verkehr richtig verhalten – sei es als Fußgänger oder als Mitfahrer im Auto oder auf dem Motorrad. Gleichzeitig sollen Kinder bei ihren Eltern zu Botschaftern für Verkehrssicherheit werden, da die Erwachsenen häufig kein gutes Vorbild sind. Die Idee, bei den Jüngsten mit der Verkehrserziehung anzusetzen, soll mittel- und langfristig zu einem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft führen.
Haben selbst viel Spaß daran, den jüngsten Verkehrsteilnehmern zu erklären, wie sie sich als Fußgänger oder Mitfahrer richtig verhalten: Parth Kohli (r.) und sein Kollege Rohan Patil.

Spielerisch die Gefahren des Straßenverkehrs kennenlernen

Spielerisch die Gefahren des Straßenverkehrs kennenlernen

Derart ausgefeilte Strategien sind den Kindern der Heritage International School natürlich unbekannt und sie wären ihnen auch völlig egal. Sie haben einfach großen Spaß dabei, die Lichter von auf Papier ausgedruckten Ampeln in der richtigen Reihenfolge farbig auszumalen, auszuprobieren, wie man sich im Auto korrekt anschnallt oder einen Fahrradhelm aufsetzt und die wichtigsten Verkehrszeichen kennenzulernen. Dabei hilft der wild gestikulierende Safety Bunny, in dessen Hasenkostüm ein für die gute Sache schwitzender ZF-Mitarbeiter steckt.
ZF-Mitarbeiter Parth Kohli erklärt einem kleinen Mädchen den richtigen Umgang mit dem Sicherheitsgurt.

Bücher, Aufkleber oder ein USB-Stick mit Videos für zuhause unterstützen die Kinder dabei, das Gelernte aufzufrischen. Den Eltern bietet ZF Informationsmaterial zum kostenlosen Download an. Am Ende des abwechslungsreichen Verkehrserziehungskurses wollen die Kinder das Hasen-Maskottchen mit der Sonnenbrille gar nicht mehr gehen lassen. Parth Kohli ist zufrieden und lobt die Klasse, wie gut sie mitgemacht hat. Entsprechend stolz sind die Kinder auf ihr neues Wissen und rufen zum Abschluss im Chor: „Ich bin ein Road Safety Champion!“
Unterrichtsmaterialien gibt es neben einer rein englischen Version auch in den Landessprachen wie Tamil oder Hindi.

Stellvertretend für viele ihrer Pädagogenkollegen sagt Dr. Gaitri Jadhav, Direktorin der Priyadarshani Group of Schools in Pune: „Wir sind froh, dass die Safety Bunny Campaign uns bei der Erziehung unterstützt. Schließlich wird die Generation der heute Fünf- bis Zehnjährigen die Gesellschaft verändern.“

Erleben Sie den Safety Bunny in Aktion. Hier geht es zum Video über die Kampagne.

Stop the Crash – mit technischen Lösungen

Stop the Crash – mit technischen Lösungen

Politiker, Medienvertreter und technisch Interessierte für mehr Verkehrssicherheit zu sensibilisieren ist das Ziel der von Global NCAP geleiteten Partnerschaft „Stop the Crash“ . Global NCAP ist eine internationale Verbraucherschutzorganisation, deren zentrales Ziel ist, weltweit die Straßenverkehrssicherheit zu erhöhen. Es ist das Konzept von „Stop the Crash“, vor allem in den aufstrebenden Volkswirtschaften die Wahrnehmung zu den Potenzialen aktiver Sicherheitstechnologie zu schärfen. Auch will die Initiative politische Entscheidungen zum geregelten Einsatz dieser lebensrettenden Technologien beeinflussen.
Prinzip: maßgeschneiderte Sicherheitsveranstaltungen
Wie die unfallvermeidenden Maßnahmen funktionieren, demonstriert „Stop the Crash“ regelmäßig bei Veranstaltungen auf der ganzen Welt. Dabei legen die Initiatoren großen Wert auf die Verfügbarkeit und die Sinnhaftigkeit solcher Technologien im jeweiligen Markt. Ausgehend vom individuellen Sicherheitsniveau eines Landes geht es darum, den Standard beim Einsatz von Sicherheitstechnik nach und nach zu erhöhen und dies auch gesetzlich zu verankern. Beispiele für diesen technischen Ansatz zu mehr Verkehrssicherheit sind Notbremsassistenten und elektronische Systeme zur Stabilitätskontrolle im Pkw ebenso wie Antiblockiersysteme für Motorräder. Mehrmals im Jahr finden auf der ganzen Welt „Stop the Crash“-Demonstrationen statt. Damit die Vision „Zero Accidents“ von ZF eines Tages real wird, bedarf es sowohl Initiativen, die auf technische Lösungen setzen als auch solcher, die eine Verhaltensänderung bei den Menschen bewirken.
“Als führendes Unternehmen in der Sicherheitstechnik hat die Verkehrssicherheit für uns einen hohen Stellenwert. Wir betrachten es deshalb als unsere Aufgabe, die Gesellschaft darüber aufzuklären, wie deren Mitglieder sich sicher fortbewegen."
— Suresh KV, Präsident ZF India

Weshalb sich ZF in Indien bei der Verkehrssicherheit engagiert

Weshalb sich ZF in Indien bei der Verkehrssicherheit engagiert

In den meisten europäischen Ländern ist der Griff zum Sicherheitsgurt nach dem Einsteigen so selbstverständlich wie der Blick in den Rückspiegel beim Einfädeln in den fließenden Verkehr. Schnallen sich Autofahrer beispielsweise in Deutschland oder Schweden zu fast 100 Prozent an, beträgt die Gurtquote in Indien gerade einmal 25 Prozent. Diese Zahl ermittelte die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits im Jahr 2015; bestätigt hat sie im vergangenen Jahr eine Studie der Maruti Suzuki India Limited. Dieser Umstand ist mitverantwortlich für die außergewöhnlich hohe Zahl von Verkehrstoten: mehr als 150.000 im Jahr 2016! Das bedeutet, dass jede Stunde auf Indiens Straßen 17 Menschen sterben. Auch die Regierung Indiens, künftig der drittgrößte Markt für Personenwagen, hat diese Problematik erkannt und sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die Zahl der Unfälle zu halbieren. Außerdem sind noch gefährliche Gesetzeslücken zu schließen: Derzeit existieren in Indien beispielsweise keine Vorschriften für Rückhaltevorrichtungen oder Kindersitze im Auto.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auch auf der Website von
ZF India (nur auf Englisch).