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Smarte Transporter gegen den Verkehrskollaps

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Tags: NullEmissionen, AutonomesFahren, KünstlicheIntelligenz, Connectivity, Elektromobilität, Effizienz
Die urbane Mobilität der Zukunft setzt auf neue Betriebskonzepte und Fahrzeuggattungen, etwa People Mover. Eines der am weitesten fortgeschrittenen Projekte ist der e.GO Mover. ZF ist maßgeblich daran beteiligt. Einblicke vom Autosalon in Genf.
Andreas Neemann, 08. März 2019
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Andreas Neemann hat seinen ersten ZF-Magazintext im Jahr 2001 zum 6HP-Automatgetriebe geschrieben. Seither begleitet der Automotive-Autor mit Faible für komplexe Themen den Konzern in vielen Publikationen für interne wie externe Leser.
Eines der Zukunftskonzepte im Öffentlichen Personennahverkehr ist das „Ride-Hailing“. Wer rasch von A nach B kommen will, ordert via App eine Mitfahrgelegenheit in einer Art von Kleinbus – heute noch mit Fahrer, künftig ohne. Möglich wird dieser individuelle Transportservice, weil Algorithmen in den Fahrzeugen die Routenanfragen schnell verarbeiten und abgleichen. So lassen sich Fahrten in eine bestimmte Richtung bündeln. Dies steigert die Effizienz und entlastet den städtischen Straßenverkehr.

Neue Transportkonzepte entlasten die Städte

Neue Transportkonzepte entlasten die Städte

„Mobility as a Service“ (MaaS) ist der Dachbegriff für Konzepte wie das beschriebene Ride-Hailing. In der Lieferlogistik findet es seine Entsprechung als Transport as a Service (TaaS). „Beides sind zugleich wichtige Treiber für die Entwicklung des autonomen Fahrens“, sagt Wolf-Henning Scheider, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG. Besonders effizient wird Personentransport via Ride-Hailing, wenn er autonom durch fahrerlose Fahrzeuge erfolgt. Diese Fahrzeuge sind speziell für diesen Einsatzzweck konstruiert und sehen folglich anders aus als heutige Pkw und Kleinbusse. Sogenannte People Mover zeigen, wohin die Reise in die urbane Zukunft geht: elektrisch angetriebene Kleinbusse zum einfachen Ein- und Ausstieg sowie mit komfortablen Sitzen für bis zu 15 Personen. Mit Spitzengeschwindigkeiten um die 70 km/h stellen sie zwar keine Rekorde auf, bei der Rechnerleistung bilden sie jedoch die Speerspitze innerhalb der Automobilindustrie. Schließlich muss der Zentralcomputer im Fahrzeug im autonomen Betrieb nicht nur die Sensordaten verarbeiten und in Fahrbefehle umrechnen, sondern auch im Ride-Hailing-Betrieb noch die Anfragen mit den bereits gebuchten Routen abgleichen.

e.GO Mover: Vertreter der intelligenten urbanen Mobilität

e.GO Mover: Vertreter der intelligenten urbanen Mobilität

Kaum ein Unternehmen ist mit seinem People-Mover-Konzept so weit wie die e.GO Moove GmbH in Aachen, ein Joint Venture zwischen der ZF Friedrichshafen AG und der e.GO Mobile AG. Auf dem Automobilsalon in Genf zeigte das Unternehmen Anfang März 2019 den „e.GO Mover“ erstmals in einer Vorserienversion. Zudem überzeugte der „e.GO Lux“ als eine für Privatkunden einsetzbare Premium-Variante.

Toptechnik von ZF im e.GO Mover

Toptechnik von ZF im e.GO Mover

Dass das Projekt so weit fortgeschritten ist, liegt auch an ZF. Der Konzern ist nicht nur finanzieller Teilhaber, sondern auch wichtiger Techniklieferant. Von ZF stammt der der rein elektrische Antrieb, die Lenkung und die Bremse. Um autonom unterwegs zu sein, greift der e.GO Mover auf Kameras und Radarsensoren von ZF zurück. Für die gigantische Rechenleistung, die auch künstliche Intelligenz integrieren kann, nutzt dieser People Mover den Superrechner ZF ProAI RoboThink. Das ist derzeit der leistungsfähigste Zentralrechner in der Automobilbranche. „Die Partnerschaft mit e.GO belegt, welchen enormen Speed wir gerade bei der Entwicklung neuer Mobilitätslösungen entfalten“, sagte ZF-Chef Scheider in Genf und ergänzt: „Und es macht deutlich, wie attraktiv unsere Systemlösungen für neue Mobilitätsdienstleister sind: Vernetzte Systeme aus Sensoren, künstlicher Intelligenz, elektrischem Antrieb und Aktuatorik werden immer wichtiger und können von ZF aus einer Hand geliefert werden. Der e.GO Mover ist Trendsetter – und der perfekte Beweis für unsere Systemkompetenz.“

Mit Hochdruck den e.GO Mover weiterentwickeln

Mit Hochdruck den e.GO Mover weiterentwickeln

Die nächsten Schritte sind eng getaktet. Erprobungen auf Strecken im öffentlichen Straßenverkehr in Friedrichshafen und Aachen werden die Entwicklung der autonomen Fahrfunktionen des e.GO Mover vorantreiben. Sie starten noch in diesem Jahr. Ein weiterer Kooperationspartner ist seit Anfang des Jahres 2019 im Boot: Die Transdev GmbH entwickelt zusammen mit ZF und der e.GO Mobile AG eine neue Shared-Mobility-Lösung. Dafür wird der e.GO Mover mit dem „Autonomous Transport System“ von Transdev ausgestattet. Schon heute befördert Transdev jährlich 3,5 Millionen Fahrgäste in selbstfahrenden Bussen in Australien, Kanada, Frankreich, den Niederlanden und in den USA.

Riesiges Marktpotenzial für autonome Fahrzeuge

Riesiges Marktpotenzial für autonome Fahrzeuge

Marktanalysen, basierend auf Auswertungen von Goldman Sachs, Roland Berger und McKinsey, prognostizieren für den Weltmarkt des autonomen Fahrens im Jahr 2030 einen Umsatz von etwa zwölf bis 18 Milliarden US-Dollar im Segment der Pkw. Bei den Nutzfahrzeugen sollen es bis zu 36 Milliarden Dollar sein. Pro Jahr. Der Markt für People Mover und Cargo Mover toppt dies noch. Hier rechnen die Analysten langfristig mit Umsätzen zwischen 20 und 50 Milliarden Dollar pro Jahr, wobei die Cargo Mover einen etwas größeren Anteil daran haben.

Lesen Sie auch in unserem Experten-Blog “Wie das autonome Fahren den Markt verändert