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Smarte Gurtsysteme für smarte Autos

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Tags: Sicherheit
Sicherheitsgurte sind Bänder, die uns bei einem Unfall im Sitz halten? Nicht nur. Unsere Insassenschutz-Kollegen entwickeln Gurt-Technologien, die aktiv dazu beitragen, das Autofahren sicherer zu machen.
Ed Schlaps, 30. November 2018
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Ed Schlaps ist Leitende Technische Fachkraft für Sicherheitsgurtsysteme.
Über den Sicherheitsgurt im Auto denken die meisten von uns vermutlich nicht besonders häufig nach. Klar, er schützt uns und unsere Mitfahrer in kritischen Situationen. Aber wenn wir ihn wahrnehmen, dann oft nur als lästige Pflicht beim Herumtasten nach dem Gurtschloss. Eine Tatsache, die den Automobilherstellern hinreichend bekannt ist: Damit die Insassen nicht durch eine endlose Suche nach dem Gutschloss vom pflichtgemäßen Anschnallen abgeschreckt werden, machen die OEMs Abstriche bei dessen Positionierung und verbauen es etwas weiter oben, als aus Sicherheitsaspekten am sinnvollsten wäre. So ist es leichter zu erreichen. Das führt aber auch dazu, dass die Gurte nicht optimal ausgerichtet sind, um die Passagiere bei einem potenziellen Unfall zu schützen. Die Industrie hat sich also auf einen Kompromiss zwischen Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit geeinigt.

Wir bei ZF waren davon überzeugt, dass es eine Lösung gibt, die diesen Kompromiss überflüssig macht. Wäre es nicht möglich ein System zu entwickeln, das den Passagieren im wahrsten Sinne des Wortes beim Anschnallen entgegenkommt? Genau das tut nun unser aktives Gurtschloss (Active Buckle Lifter, ABL). Wenn die Autotür geöffnet wird, bewegt sich das Gurtschloss nach oben in Reichweite des Mitfahrers. Sobald der sich angeschnallt hat, zieht sich das ABL nach unten zurück in die Position, in der der Gurt am sichersten sitzt.

Eine auf den ersten Blick einfache Lösung, die aber Autofahrern auf vielfache Weise das Leben leichter macht – egal, ob man selbst mit einem Gipsarm auf den Beifahrersitz klettert, den mit 80 Jahren allmählich etwas bewegungseingeschränkten Großeltern behilflich ist, oder über den Rücksitz gebeugt versucht, den Kindersitz festzuschnallen. Um auch im Dunkeln problemlos auffindbar zu sein, ist das ABL mit LEDs ausgestattet.

Doch das ist nur ein Beispiel für unsere smarten Gurtsysteme. So zeigt unser aktiver Gurtstraffer (Active Control Retractor, ACR), wie fortschrittlich Sicherheitsgurt-Technologien zwischenzeitlich sind und warum sie in Zukunft eine Schlüsselrolle spielen werden – nicht nur für den Schutz von Insassen bei einem Crash, sondern auch wenn es darum geht, Unfälle von vornerein zu verhindern. Denn der aktive Gurtstraffer kann den Fahrer durch Gurtvibrationen warnen, etwa wenn das Auto von der Spur abkommt oder sich einem anderen Fahrzeug zu sehr nähert. Ein entscheidender Faktor bei der zunehmenden Verbreitung von automatisierten Fahrfunktionen: Da Fahrer immer öfter die Möglichkeit haben, ihre Hände vom Lenkrad zu nehmen, bleibt der Gurt als direkter Kontaktpunkt zwischen Fahrzeug und Insasse. Eine sehr effektive Methode, um die Aufmerksamkeit des Fahrers zu erlangen, wie Studien gezeigt haben.
Selbstverständlich bringt diese Technologie auch große Sicherheitsvorteile mit sich. Löst das Fahrzeug etwa eine automatisierte Notbremsung aus, kann der aktive Gurtstraffer direkt reagieren und die Gurte festziehen, bevor die Bremsen überhaupt greifen. Kommt es tatsächlich zum Zusammenstoß, sind die Mitfahrer so beim Aufprall in einer stabileren und sichereren Position. Wird der Unfall durch die Notbremsung abgewendet, lässt der aktive Gurtstraffer automatisch wieder locker und sorgt dafür, dass alle Insassen ihre Bewegungsfreiheit zurückbekommen.

Um es in einem Satz zusammenzufassen: Egal ob mit aktivem Gurtschloss oder aktivem Gurtstraffer, Sicherheitsgurte werden zunehmend interaktiver und bringen jede Menge nützliche Funktionen in die Autos von heute und morgen. Und das ist genau das, was wir bei ZF tun: smarte Lösungen finden, die uns allen das Leben einfacher – und vor allem aber sicherer – machen.