Automated Valet Parking Automated Valet Parking

Autonome Shuttles: Sauber und staufrei durch die Stadt

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Fahrerlose, elektrische Kleinbusse können überfüllte Innenstadtstraßen schon heute massiv entlasten. ZF hat sein Angebot erweitert, um autonome Transportsysteme schneller zu realisieren.
Andreas Neemann,
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Andreas Neemann hat seinen ersten ZF-Magazintext im Jahr 2001 zum 6HP-Automatgetriebe geschrieben. Seither begleitet der Automotive-Autor mit Faible für komplexe Themen den Konzern in vielen Publikationen für interne wie externe Leser.
Wer vom Gewerbepark Rivium (Capelle aan den IJssel bei Rotterdam) in die Innenstadt der niederländischen Metropole gelangen will – oder andersherum – kann es sich einfach machen: rein in das Shuttle und ab zur U-Bahnstation Kralingse Zoom. Einen Fahrer brauchen die kleinen, elektrisch angetriebenen Busse nicht – auch ein Sicherheitsfahrer ist nicht an Bord. Die autonomen Fahrzeuge steuern eigenständig über die zwei Kilometer lange baulich abgetrennte Strecke. Ein Vorläufer-System von ZF-Tochter 2getthere ist hier seit 1999 in Betrieb. Aktuell erfolgt die Umstellung auf die Shuttle-Generation (GRT3) von ZF. Die Fahrzeuge können 22 Passagiere transportieren und bis zu 40 km/h schnell fahren. In verschiedenen Projekten weltweit haben autonome Systeme von ZF seit 1997 mehr als 14 Millionen Menschen befördert und dabei über 100 Millionen Kilometer autonom zurückgelegt.

Stadtverkehr am Emissions-Limit

Stadtverkehr am Emissions-Limit

Vergleichbare fahrerlose Systeme meistern den Personentransport bereits in manchen Themenparks, Flughäfen und auch auf abgeschlossenen Arealen wie Campus-Geländen. Mehr und mehr werden sie in den kommenden Jahren auch für nachhaltige Mobilität in den Städten sorgen und die Anbindung des ländlichen Raums verbessern.
Tatsächlich stöhnen viele Metropolen und ihre Anwohner unter der Last des schon heute intensiven innerstädtischen Individualverkehrs. 100 Stunden verloren New Yorker 2020 im Stau – nur in Bogota und Bukarest staut sich’s noch schlimmer. Eine unglaubliche Zeitverschwendung. Bedrohlich sind auch die damit verbundenen Umweltfolgen: Laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist der städtische Verkehr verantwortlich für 40 Prozent der klimaschädlichen Emissionen, die weltweit durch den Passagiertransport verursacht werden. Viele Metropolen in Europa haben sich zur Einhaltung von Klimazielen verpflichtet, um ihren Teil zum Pariser Klimaabkommen beizutragen. Der urbane Verkehr, insbesondere mit privaten, verbrennungsmotorisch angetriebenen Pkw, müsste nach diesen Plänen nicht zu-, sondern abnehmen. Doch viele Städte wachsen und gewinnen weiter an Bedeutung für ihr Umland. Folglich steigt auch der Verkehr.

Lösung: autonome Busse für den Personentransport

Lösung: autonome Busse für den Personentransport

Höchste Zeit für ein Umdenken und neue Mobilitätskonzepte. Und zwar besser heute als morgen. „Ein Netzwerk von autonomen, elektrischen und via App verfügbaren Shuttles kann in den Städten das vorhandene ÖPNV-Angebot sinnvoll ergänzen, aber auch den ländlichen Raum besser an die Städte anbinden“, sagt Torsten Gollewski, Leiter Autonomous Mobility Systems von ZF. Damit wird Mobilität nachhaltiger, weil Staus und Emissionen verhindert werden und sich die Lebensqualität der Menschen erhöht. Und das Beste daran ist: Solche autonomen Transportsysteme sind keine ferne Zukunftsvision, sondern bereits heute realisierbar. „Die technologische Herausforderung selbstfahrender Shuttles haben wir mit einem vollredundanten Level-4-Fahrzeug gemeistert – basierend auf Komponenten in Automobilqualität“, sagt Gollewski. Die aktuelle Shuttlegeneration ist auf den Betrieb in baulich abgetrennten Fahrspuren ausgerichtet – diese Anwendung bedeutet für viele Städte bereits eine Entlastung der angespannten Verkehrssituation. Denn auf abgetrennten Fahrspuren ergeben sich für autonome Shuttles keine Verzögerungen durch Staus – im Gegensatz zur Fahrt in Robo-Taxis, die sich durch überlastete Straßen bewegen. Mit der nächsten Generation autonomer Shuttles kann ZF weitere Anwendungen abdecken – etwa den autonomen Shuttlebetrieb auf gesondert gekennzeichneten Fahrspuren sowie als regulärer Teilnehmer im allgemeinen Stadtverkehr.
ZF
Autonome Transportsysteme von ZF

Um das moderne Transportkonzept verstärkt voranzubringen, hat ZF sein Angebot deutlich erweitert: Das Unternehmen bietet nicht mehr nur die Shuttlefahrzeuge selbst an, sondern gleich ein komplettes Rundum-Sorglos-Paket für Städte und städtische Mobilitätsdienstleister. Damit das autonome Shuttlesystem zur passgenauen Lösung für die jeweilige Stadt wird, unterstützt ZF bereits in der Konzeptphase: Welche Strecke eignet sich besonders, wo wären die stärksten positiven Effekte zu erwarten? Im Mittelpunkt steht die nahtlose Verknüpfung mit vorhandenen ÖPNV-Lösungen oder die Anbindung ländlicher Regionen – damit die attraktiven neuen Angebote dazu beitragen, den Strom durch die städtischen Verkehrsadern flüssig zu halten.

ZF begleitet auch die Einrichtung und Inbetriebnahme der Shuttlesysteme einschließlich Auswahl und Installation der Flotte sowie der gesamten für den Betrieb notwendigen Technik. Das geht bis ins Detail, umfasst unter anderem die Ladeinfrastruktur undInfoterminals für Passagiere. Ebenso berät ZF im Hinblick auf Flottenmanagement-Software und Connectivity-Lösungen, die die Anbindung an die Verkehrsinfrastruktur wie Ampeln und Geschwindigkeitsanzeigen oder die Kommunikation mit den Passagieren über Apps gewährleisten. Nicht zuletzt kann ZF mit seinem Aftermarket-Netzwerk Wartung und Service der autonomen Fahrzeuge praktisch in jedem Winkel der Welt bieten: Der Konzern ist mit 10.000 Service-Werkstätten in 115 Ländern aktiv.

Großes Marktpotenzial für autonome Shuttles

Großes Marktpotenzial für autonome Shuttles

Um die autonomen Personentransportsysteme möglichst schnell zu realisieren, setzt ZF zusätzlich auf externe Kooperationen. Mit DB Regio hat ZF eine strategische Partnerschaft vereinbart, um hochautomatisierte und autonome Bus-Shuttles in Deutschland schneller auf die Straße zu bringen. Erste Serienprojekte, die alle auf konkreten Bedarfsanfragen von Städten oder Kommunen basieren, wurden bereits identifiziert. Mit RABus, einem bis zum Jahr 2024 angelegten Förderprojekt des Landes Baden-Württemberg, sind die beiden Partner in Mannheim und Friedrichshafen bereits auf dem Weg zur Umsetzung der Shuttleanwendungen in einem Wohngebiet beziehungsweise im innerstädtischen, im Stadt-Umland- und im Überland-Verkehr.
ZF
Experte Torsten Gollewski über autonome Transportsysteme von ZF

Autonome Shuttles haben für viele Experten das Potenzial eines der Hauptverkehrsmittel des 21. Jahrhunderts zu werden. Laut einer Studie von Deloitte werden 2035 allein in den deutschen Metropolregionen 180.000 Shuttles benötigt, um den urbanen Mobilitätsbedarf zu erfüllen, ohne dass es zum Verkehrsinfarkt kommt. „Autonome Shuttle-Transportsysteme werden schon bald das Bild der Städte prägen und neue Mobilitätssysteme mit mehr Komfort erschaffen – eine einmalige Gelegenheit, Städte lebenswerter zu machen“, sagt Gollewski. Klar ist: Wer jetzt auf autonome Shuttles setzt, ist für die Zukunft der städtischen Mobilität gut gerüstet.