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#nachhaltigkeit

Vorteil durch Nachhaltigkeit

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In vielen Unternehmen wird beim Thema Nachhaltigkeit zuerst an zusätzlichen Aufwand und Mehrkosten gedacht, kaum aber an strategische Wettbewerbsvorteile. Dies ist riskant und zu kurz gedacht.
Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, 28. Mai 2018
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Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl ist Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI und Inhaberin des Lehrstuhls Innovations- und Technologiemanagement am Karlsruher Institut für Technologie (Kit).
Viele Unternehmen betrachten das Thema Nachhaltigkeit rein aus der ökologischen Perspektive. Ohne Zweifel ist diese wichtig, weil der Wirtschaft eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung nationaler wie internationaler Umwelt- und Klimaziele zukommt. Allerdings wird die soziale wie auch die ökonomische Komponente der Nachhaltigkeit oft vergessen. Wie eng diese drei Dimensionen verknüpft sind, lässt sich gut am Beispiel der Energie- und Ressourceneffizienz aufzeigen: Gehen Unternehmen sparsam mit Energie und Rohstoffen um, kommt das nicht allein der Umwelt zugute, sondern es schafft auch finanzielle Entlastung und Investitionsspielräume und bringt erhebliche gesellschaftliche Auswirkungen mit sich.

Untersuchungsergebnisse des Fraunhofer ISI bestätigen, dass Betriebe, die viel über ihren Energie- und Rohstoffverbrauch wissen, viel häufiger Technologien zur Energierückgewinnung oder für Recycling einsetzen und dadurch Kosten einsparen. Bereits jeder dritte größere Betrieb aus dem Verarbeitenden Gewerbe und fast jedes vierte kleine und mittlere Unternehmen bezieht die Energieeffizienz mittlerweile bei künftigen Investitionsentscheidungen – etwa zum Kauf neuer Maschinen und Anlagen – mit ein. Und nicht zuletzt erfreuen sich smarte Energiemanagementsysteme einer zunehmenden Beliebtheit, um Material- und Energieverbräuche genau abzubilden und ganze Produktionsketten – unter Kenntnis der Stoff- und Energieströme – zu optimieren.
Setzen sich Unternehmen gezielt mit Nachhaltigkeit auseinander, bringt ihnen dies auch aus strategischer Sicht Vorteile. Zum Beispiel sind viele produzierende Unternehmen schon heute teilweise von den Entwicklungen auf den internationalen Rohstoffmärkten abhängig. Diese Abhängigkeit könnte sich in Zukunft verstärken und Unternehmen zwingen, deutlich sparsamer als bisher mit Energie und Rohstoffen umzugehen, alternative Lieferanten zu suchen oder Substitutionsmöglichkeiten und Recycling im Betrieb in Betracht zu ziehen. Tun sie dies schon jetzt in Form eines nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen, können sie sich strategische Wissens- und Wettbewerbsvorteile verschaffen, Strukturen für eine sichere Rohstoffversorgung aufbauen und mithelfen, dass technologisch getriebene Nachfrageimpulse sich weniger stark auf Rohstoffpreise auswirken. Der verantwortungsvolle Umgang mit Rohstoffen wiederum wirkt sich positiv auf soziale Strukturen aus.
Je früher sich Unternehmen also mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen und dabei auch die sozial-gesellschaftliche Dimension der Nachhaltigkeit berücksichtigen, desto besser sind sie strategisch auf den Wandel zur Green Economy in Bezug auf Gesellschaft, Ökonomie und Ökologie vorbereitet.