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AKC 2.0: Die Erfolgsgeschichte geht weiter

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Tags: VehicleMotionControl
Elektromobilität und automatisiertes Fahren profitieren stark von der noch leistungsfähigeren zweiten Generation der ZF-Hinterachslenkung Active Kinematics Control (AKC). Ein Überblick.
ZF Editors, 23. April 2021
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In nahezu jeder Fahrsituation ist die Hinterachslenkung AKC von ZF vorteilhaft. Bei niedrigem Tempo verkleinert sie den Wendekreis, bei hohen Geschwindigkeiten erhöht sie die Fahrstabilität. Die verbesserte zweite AKC-Generation vereinfacht es, automatisierte Fahrfunktionen einzubinden. Sie ist auch ideal für batteriegetriebene Fahrzeuge mit langen Radständen.

Ob langsam durch schmale Gassen und in kleine Parklücken oder schnell durch enge Kurven - die aktive Hinterachslenkung AKC (Active Kinematics Control) von ZF verbessert Sicherheit, Dynamik und Komfort in fast jeder Fahrsituation. AKC ist in zwei Ausführungen erhältlich: als Zentralsteller oder Dualsteller. Bei Dualstellern sitzt je ein Aktuator, genannt Stellmotor, am linken und rechten Hinterrad. Ideal für Sportwagen, da diese Lösung wertvollen Bauraum im zentralen Teil der Hinterachse einspart. Schließlich liegen dort häufig Motor, Tank oder andere Komponenten.
Die Zentralsteller-Variante mit einem einzigen, dafür größeren und mittig platzierten Aktuator wird vor allem in Limousinen, Pickups oder SUV verbaut. Egal, ob Zentralsteller oder Dualsteller, beide verändern den Spurwinkel der Hinterräder und beeinflussen trotz vergleichsweise kleiner Verstellwege stark die Lenkfunktion. So steigert AKC nicht nur die Wendigkeit, sondern verbessert auch die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten. Letzteres bringt ein Sicherheitsplus, besonders bei unerwarteten Ausweichmanövern.
Die aktive Hinterachslenkung AKC ist in zwei Varianten verfügbar: als Zentralsteller (abgebildet) oder als Dualsteller.

Mit der zweiten AKC-Generation wird dieses System entscheidend verbessert. Ein vergrößerter Lenkwinkel verleiht jetzt Oberklasse-Limousinen und Geländewagen die Wendigkeit deutlich kompakterer Fahrzeuge. Davon profitieren auch und besonders E-Autos mit längerem Radstand. Die erhöhte Stellkraft der Aktuatoren von mehr als elf Kilonewton gestattet nun den Einsatz von AKC in Fahrzeugen bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen.
„Das AKC der ersten Generation ist bereits eine Erfolgsgeschichte“, sagt Frank Berger und ergänzt: „Bei der aktuellen Generation haben wir den Lenkwinkel noch vergrößert, ohne das bewährte Konstruktionsprinzip aufzugeben.“ Ein größerer Stellhub schlage die Hinterräder um bis zu zehn Grad ein und mache das Fahrzeug noch wendiger und agiler, erklärt Berger, der Leiter der zuständigen Entwicklungsabteilung bei ZF.
Die zweite Generation der AKC erreicht bis zu zehn Grad Lenkeinschlag am Heck.
Dr. Peter Holdmann, Leiter der Division Chassis Technology, erklärt die Vorteile, die Active Kinematics Control in nahezu jeder Fahrsituation bringt.

Mit seiner gesteigerten Leistung und einer neuen Elektronik-Architektur ist AKC ebenso fit für die Anforderungen der automatisierten und elektrifizierten Mobilität. So vereinfacht das „Steer-by-wire“-Lenksystem etwa die Integration automatisierter Fahrfunktionen. Ebenfalls immer im Blick der Entwickler: der Schutz vor Hacker-Angriffen. „Permanent wachsen die Anforderungen durch die Cybersecurity-Standards, die mechatronische Systeme im Fahrzeug erfüllen müssen“, sagt Philipp Niemeyer, Leiter des Teams Safety und Security. „Unser Ziel ist, die Datenübertragung und Datenverarbeitung absolut sicher und zuverlässig zu gestalten.“ Modernste Cybersecurity schützt das Steuergerät im AKC vor Hackerangriffen.

Seine Premiere feierte die zweite AKC-Generation im Herbst 2020 in einem elektrischen US-Geländewagen der Oberklasse. Werden bei ihm alle vier Räder in gleicher Richtung eingeschlagen, bewegt sich das Fahrzeug diagonal vor oder zurück. So lassen sich auch kniffligste Passagen im Gelände bewältigen.