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Selbst fährt das E-Shuttle

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Tags: NullUnfälle, AutonomesFahren, Elektromobilität, Connectivity
Im öffentlichen Personennahverkehr der Zukunft spielen autonome elektrische Shuttles eine tragende Rolle. Nach mehr als zwei Jahrzehnten der Erfahrung verfügt ZF in diesem Segment über ein einzigartiges Wissen.
Andreas Neemann, 20. April 2021
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Andreas Neemann hat seinen ersten ZF-Magazintext im Jahr 2001 zum 6HP-Automatgetriebe geschrieben. Seither begleitet der Automotive-Autor mit Faible für komplexe Themen den Konzern in vielen Publikationen für interne wie externe Leser.
Was haben Singapur, New York und Abu Dhabi gemeinsam? Richtig, sie gehören zu den rund 55 Städten weltweit, an denen schon mindestens eine autonome Shuttlebus-Linie verkehrt. Bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten sind selbstfahrende Shuttles der ZF-Tochter 2getthere auch in abgeschlossenen Arealen unterwegs. Dazu zählen beispielsweise der Amsterdamer Flughafen Schiphol oder der Rivium Business Park in der holländischen Stadt Capelle aan den IJssel, nahe Rotterdam.

Überall auf der Welt bringen futuristisch gestylte Kleinbusse ihre Insassen von A nach B. Elektrisch angetrieben und ohne Fahrer sind sie leise und lokal emissionsfrei unterwegs von Haltestelle zu Haltestelle. Bis zu 22 Personen kann jeder dieser Shuttles transportieren. Damit sind sie in der Beförderungskategorie oberhalb von Taxis angesiedelt. Der neueste Minibus GRT 3 (Group Rapid Transit der 3. Generation) von 2getthere fasst 22 Personen.
Shuttles wie der GRT 3 von 2getthere für 22 Fahrgäste können in der Stadt einen Beitrag leisten, den Individualverkehr zu reduzieren.

E-Shuttles: sauber, sicher und staufrei unterwegs

E-Shuttles: sauber, sicher und staufrei unterwegs
„Elektrisch angetriebene und autonom fahrende Shuttles sind ein wichtiger Bestandteil des ÖPNV der Zukunft“, sagt Jochen Benz von ZF Mobility Solutions und erklärt: „Auf dem Land tragen sie zur besseren Erschließung bei, während sie im innerstädtischen Bereich durch ihre kleinere Gefäßgröße und die damit verbundene schnellere Taktung von Routen einen Beitrag leisten, den Individualverkehr zu reduzieren.“
Welches Potenzial der Einsatz autonomer E-Shuttles besitzt, haben die Unternehmensberatung Boston Consulting Group und die Universität St. Gallen ermittelt. Danach hätten in engen Megacitys wie New York oder Schanghai autonome Shuttles für bis zu 22 Personen den größten Effekt. Nach Ansicht der Studienautoren stehen gerade diese Städte vor einem Verkehrskollaps. Durch den Shuttle-Einsatz könnten in New York ansonsten durch Parkplätze belegte Flächen in sechsfacher Größe des Central Parks frei werden.
„Elektrische Shuttles sind ein wichtiger Bestandteil des künftigen öffentlichen Personennahverkehrs.“
— Jochen Benz, ZF Mobility Solutions

Millionen Testkilometer belegen die Alltagstauglichkeit des GRT-Shuttles

Millionen Testkilometer belegen die Alltagstauglichkeit des GRT-Shuttles
Mit seinen bereits laufenden Projekten ist 2getthere auf dem Weg, dieses Potenzial zu erschließen. Stand heute haben alle Shuttles der ZF-Tochter weltweit rund 100 Millionen Kilometer zurückgelegt. Dabei brachten sie mehr als 14 Millionen Fahrgäste emissionsfrei und fahrerlos ans Ziel. Seit 1984 installiert 2getthere selbstfahrende Transportlösungen. Im Jahr 1997 konnten die autonomen Systeme von 2getthere als erste weltweit auf Sicherheitsfahrer verzichten. Im Rivium Business Park surren die Shuttles seit 1999. Anfangs waren drei Busse mit Platz für jeweils zehn Personen auf der damals 1,2 Kilometer langen Route unterwegs. Seit 2019 verkehren sechs Shuttles der neuesten, dritten Generation (GRT 3) auf der inzwischen 1,8 Kilometer langen Strecke. In jedem Fahrzeug reicht eine Batterieladung für mindestens 28 Touren.

Herausforderung: Autonome E-Shuttles im Mischverkehr

Herausforderung: Autonome E-Shuttles im Mischverkehr
Besonders interessant sind die Shuttles für den Linieneinsatz in den von Lärm und Abgasen geplagten Städten. Das jüngste Projekt RABus zeigt, wohin die Reise geht. Hinter der Abkürzung RABus steckt das „Reallabor für den Automatisierten Busbetrieb im ÖPNV in der Stadt und auf dem Land“, ein vom Bundesland Baden-Württemberg gefördertes Projekt. Die heute mit einem 85 kW starken elektrischen Zentralantrieb ausgerüsteten GRT 3-Shuttles von 2getthere werden dabei erstmals auch beim Tempo zu konventionellen Bussen aufschließen: Anvisiertes Ziel innerhalb von Ortschaften sind mindestens 40 Kilometer pro Stunde, außerhalb mindestens 60 km/h – und das autonom fahrend. Dieses Plus an Geschwindigkeit verkürzt die Wartezeiten und steigert so auch die Akzeptanz unter den Nutzern. Bis Ende des Jahres 2022/2023 sollen in den baden-württembergischen Städten Friedrichshafen und Mannheim die ersten Linien starten. Mit den Ladezeiten der neuen Fahrzeuge sollten übrigens auch sehr anspruchsvolle Verkehrsbetriebe zufrieden sein. Nach dem Start des Ladevorgangs bei 30 Prozent verbleibender Akkuleistung stehen in nur elf Minuten wieder 80 Prozent zur Verfügung. Zum Vergleich: Die Akkus anderer Anbieter sind in der gleichen Zeit erst halb voll. Der Geschwindigkeitsvorteil der GRT 3-Shuttles beim Laden ist ein Plus beim Zwischenladen an Haltestellen. Das sorgt einerseits für mehr freie Plätz an den Ladesäulen in den Fahrzeug-Depots und erhöht andererseits die Einsatzbereitschaft der schnellen Elektro-Shuttles.
Elektrisch und autonom unterwegs: Schon bald werden E-Shuttles in den Städten Mannheim und Friedrichshafen den Testbetrieb aufnehmen.

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