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E-Busse: Emissionsfrei durch die Städte der Welt
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E-Busse: Emissionsfrei durch die Städte der Welt

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Für eine lärm- und abgasfreie Mobilität in den Städten sind elektrische Busse unverzichtbar. In China sind sie bereits weit verbreitet. Doch Metropolen in anderen Regionen der Erde holen auf.
Andreas Neemann, 23. März 2021
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Andreas Neemann hat seinen ersten ZF-Magazintext im Jahr 2001 zum 6HP-Automatgetriebe geschrieben. Seither begleitet der Automotive-Autor mit Faible für komplexe Themen den Konzern in vielen Publikationen für interne wie externe Leser.
Ein Stadtbus ist eines der energieeffizientesten Transportmittel – auch wenn er mit Diesel angetrieben wird. Wer die Treibhausgas-Emissionen auf die Personenkilometer umrechnet, kommt beispielsweise in Deutschland bei Diesel-Stadtbussen auf ein CO2-Äquivalent von 80 Gramm pro Personenkilometer. Zum Vergleich: Für einen Pkw mit Verbrennungsmotor ermittelte das Bundesumweltamt 143 Gramm pro zurückgelegtem Kilometer.

Dennoch ist dieser Vorteil wenig tröstlich für Bewohner von Großstädten, in denen täglich Tausende Busse eng getaktet unterwegs sind. Zu den Abgasemissionen kommt noch der Lärm hinzu. Um beides zu reduzieren, setzen viele Städte bereits E-Busse ein. Am schnellsten und konsequentesten hat China seine Busflotte elektrifiziert. Beispielhaft ist die südchinesische Küstenmetropole Shenzhen. Im Zeitraum zwischen 2009 und 2017 hat die 12-Millionen-Einwohner-Stadt auf E-Busse umgestellt. Heute fahren 17.000 batterieelektrische Busse durch Shenzhen, der Busbetrieb ist zu 100 Prozent elektrisch.

Andere Regionen holen auf. Es sind vor allem Megacitys, die mit ihren Initiativen den Trend zum elektrischen Bus stabil halten. In Europa sind London und Moskau die Spitzenreiter mit ihren Low-Emission-Busflotten. Während unter den 500 E-Bussen in Moskau auch Oberleitungs-Busse sind, setzt London auf elektrifizierte Doppeldecker unterschiedlicher Hersteller. Neben mehr als 300 reinen E-Bussen fahren auch 3.800 Hybrid-Busse sowie zehn Brennstoffzellenfahrzeuge. Den Anteil von Zero-Emission-Fahrzeugen will Londons Bürgermeister Sadiq Khan in naher Zukunft massiv erhöhen.
Flankiert wird der Einsatz der elektrischen Busse durch eine perfekte Abstimmung des Fahrplans mit der zur Verfügung stehenden Lade-Infrastruktur. Gerade hat der britische Premierminister Boris Johnson ein 3-Milliarden-Pfund-Paket geschnürt. Damit will er die Bus-Infrastruktur verbessern, Fahrpreise günstiger gestalten und 4000 neue E-Busse anschaffen.

Vielfältige Gründe für den Siegeszug von Elektrobussen

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Tatsächlich sind staatliche Regulierungen, lokale Initiativen zur Emissionsreduktion und auch Subventionen wesentliche Treiber für den Siegeszug der Elektrobusse. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) soll nicht nur seinen Anteil leisten, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen und die CO2-Emissionen zu senken, darüber hinaus wollen alle Städte auch den Lärmpegel reduzieren und die Qualität der Atemluft verbessern. China hat demonstriert, welche mächtigen Impulse finanzielle Anreize des Staates setzen können. Bei der Elektromobilität – auch wenn sie den ÖPNV betrifft – geht es primär darum, eine kritische Masse zu erreichen, ab der eine Entwicklung unumkehrbar wird. Die EU hat mit dem European Green Deal und der Bepreisung von CO2-Emissionen die Weichen für mehr Nachhaltigkeit gestellt. Auch bei der Beschaffung für den ÖPNV sieht die EU ein wirksames Werkzeug – und gibt deshalb Quoten vor: Ab sofort sollen nach der „Clean Vehicles“-Richtlinie öffentliche Auftraggeber bei Busbestellungen mindestens 45 Prozent der Fahrzeuge mit sauberen Antrieben ordern, die Hälfte davon emissionsfrei – also rein elektrisch. Von 2025 an soll der Anteil sauberer Antriebe auf 65 Prozent der Neuanschaffungen steigen. Als „sauber“ gelten auch Busse mit Plug-in-Hybrid-Antrieb sowie Busse, die überwiegend mit Wasserstoff, Erdgas, synthetischen Kraftstoffen oder Bio-Kraftstoffen angetrieben werden.

Bis zum Jahr 2025 steigt die Zahl der E-Busse weltweit um 50 Prozent im Vergleich zu 2019

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Tausendfache Erfahrung bei E-Antrieben für Busse

Tausendfache Erfahrung bei E-Antrieben für Busse
Elektrische Antriebe für Stadtbusse sind für ZF kein technisches Neuland. Seit mehreren Jahren verkauft der Konzern seine Elektroportalachse AxTrax AVE. Sie eignet sich besonders gut für Niederflurbusse. Dabei verfolgt ZF einen technologieoffenen Ansatz. Die Elektroportalachse lässt sich mit Strom aus Batterien ebenso betreiben wie mit Energie aus Brennstoffzellen oder aus Oberleitungen. Mittlerweile sind E-Busse mit der AxTrax AVE von ZF tagtäglich tausendfach unterwegs in Metropolen weltweit zwischen London und Los Angeles.
Im vergangenen Jahr startete außerdem die Serienproduktion des elektrischen Zentralantriebs CeTrax, der eine Leistung von maximal 300 Kilowatt mitbringt. Sein Vorteil ist, dass er sich problemlos in Fahrzeuge mit konventionellem Antriebsstrang-Layout installieren lässt. „Wir bieten Busherstellern ein komplettes Produkt- und Leistungsportfolio, getreu unserem Ansatz ‚Mobilizing Commercial Vehicle Intelligence‘“, sagt Winfried Gründler. Er verantwortet bei ZF den Bereich der E-Mobility in der Division Nutzfahrzeugtechnik. „Denn in unserem Ansatz geht es im Wesentlichen darum, Komponenten und Systeme optimal zu integrieren. Damit können Fahrzeughersteller sowie Verkehrsbetriebe die vielen Herausforderungen besser meistern, denen sie aktuell gegenüberstehen.“
"Wir bieten Busherstellern ein komplettes Produkt- und Leistungsportfolio, getreu unserem Ansatz ‚Mobilizing Commercial Vehicle Intelligence'"
— Winfried Gründler, Leiter E-Mobility in der Division Nutzfahrzeugtechnik

Seit der Übernahme von WABCO im Jahr 2020 hat ZF sein Leistungsportfolio auch für Busse noch einmal massiv ausgebaut: Zusätzlich zur bestehenden Antriebs- und Fahrwerktechnik, zu Sensoren sowie zu Konnektivitätslösungen bietet ZF seitdem auch Brems-, Stabilitäts- und Luftfederungsregelsysteme sowie Druckluftmanagementsysteme aus einer Hand an. Damit kann der Konzern CO2-Emissionen direkt reduzieren und Energierückgewinnung, Sicherheit und Betriebseffizienz für Busse noch einmal deutlich steigern.
ZF hat bereits Tausende Stadtbusse weltweit mit elektrischen Antriebsachsen ausgestattet, unter anderem auch Doppeldeckerbusse wie diesen in London.

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