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Technologie

Mehr Effizienz und Elektrifizierung beim Nutzfahrzeug
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Mehr Effizienz und Elektrifizierung in Truck & Van

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Dr. Jochen Witzig leitet bei ZF die Produktlinie Lkw- und Van-Antriebstechnik. Im Gespräch erläutert er den technischen Wandel sowie die aktuellen Entwicklungen beim konventionellen und elektrischen Antriebsstrang.
Frank Thoma, 22. Januar 2021
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Frank Thoma arbeitet seit dem Jahr 2011 als Corporate Editor bei ZF. Der Diplom-Journalist plant, produziert und redigiert Beiträge für alle internen und externen Medien des Konzerns.

Was sind die großen technischen Herausforderungen in der Lkw- und Van-Antriebstechnik?
Natürlich beschäftigt uns auch bei den Nutzfahrzeugen die Elektrifizierung der Mobilität. Sie wird schneller kommen als selbst noch vor einigen Monaten erwartet. Die Elektrifizierung erfasst den innerstädtischen Lieferverkehr ebenso wie den Fernverkehr. Dazu kommt auch die zunehmende Vernetzung unserer Produkte, Stichwort Digitalisierung. So arbeiten wir beispielsweise an Lösungen, die Informationen über den Zustand unserer Produkte sammeln. Daraus lässt sich ein Mehrwert generieren, sowohl für die Flottenbetreiber als auch für uns. Ebenfalls ein großes Thema für uns ist, mit immer effizienteren konventionellen Antriebssträngen die zunehmend schärfer werdenden CO2-Vorgaben der Gesetzgeber innerhalb der EU und der restlichen Welt zu erfüllen.
Dr. Jochen Witzig leitet in der gegenwärtigen Zeit des technischen Wandels bei ZF die Produktlinie Lkw- und Van-Antriebstechnik.

Wie präsentiert sich heute der Markt für Nutzfahrzeugantriebe?
Generell gibt es bei Nutzfahrzeuggetrieben weltweit einen Trend weg vom Handschaltgetriebe. Deshalb entwickeln wir diese Getriebeklasse nicht mehr weiter, sondern begleiten mit unserer Applikationsentwicklung nur noch die aktuelle Serienproduktion. Es steigt die Nachfrage nach automatisierten Getrieben wie TraXon bei schweren Lkw sowie nach automatischen Getrieben für leichte und mittelschwere Nutzfahrzeuge...

… was die Entwicklung des automatischen Getriebes PowerLine erklärt, dessen Serienfertigung gerade angelaufen ist?
Richtig. Von diesem Technologiewechsel hin zum automatischen Getriebe profitiert auch die Umwelt durch ein spürbares Absenken des CO2-Ausstoßes. Je nach Anwendung spart PowerLine schließlich bis zu zwölf Prozent Kraftstoff ein. Das ist unglaublich viel. PowerLine ist technisch ein naher Verwandter des bewährten 8-Gang-Automatikgetriebes für Pkw.

Lässt sich PowerLine mit einer E-Maschine kombinieren und so hybridisieren?
Ja, das haben wir bei der Entwicklung berücksichtigt. Wir bauen hierbei zum einen auf den hybridisierten 8HP auf, andererseits müssen wir die spezifischen Nutzfahrzeuganwendungen berücksichtigen. Es sind dabei die Ausprägungen Mild-Hybrid und Vollhybrid möglich, eine Richtungsentscheidung ist hier jedoch noch nicht gefallen.

Das klingt nach einem Produkt, das ideal ist, um die Brücke in eine rein elektrische Zukunft zu schlagen. Wie fällt die Kundenreaktion auf PowerLine aus?
Angesichts des Effizienzgewinns ist sie sehr gut, das Interesse ist groß. Wir haben dafür bereits mehrere Aufträge im Haus. Im Oktober lief in Friedrichshafen die Serienfertigung an. Aus den kleinen Anfängen soll der Hochlauf bis zum Jahr 2026 zu einer mittleren fünfstelligen Stückzahl führen. Weil bei der Umweltgesetzgebung in Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien die CO2-Reduktion dauerhaft im Mittelpunkt steht, hat PowerLine das Zeug zum echten „Weltgetriebe“. Deshalb werden wir es vom Jahr 2023 an auch in unserem US-Werk in Gray Court, South Carolina, für den amerikanischen Markt fertigen.

Kommen wir zu den elektrischen Antriebslösungen für Nutzfahrzeuge. Wie ist die Produktlinie Lkw- und Van-Antriebstechnik hier aufgestellt?
Wir bekennen uns ebenso voll zur Elektromobilität wie zur konventionellen Antriebstechnik. Bei den ZF Experience Days haben wir unsere beiden elektrischen Zentralantriebe in Versuchsträgern sowohl den Medien als auch unseren Kunden präsentiert: CeTrax und CeTrax lite. Mit CeTrax lite bieten wir einen Antrieb für leichte Verteiler-Lkw. Im Jahr 2019 haben wir in Japan einen Versuchsträger in Form eines leichten Verteiler-Lkw mit CeTrax lite aufgebaut.
CeTrax lite ist ein elektrischer Zentralantrieb von ZF für Lieferwagen und leichte Nutzfahrzeuge mit einem Gewicht bis zu 7,5 Tonnen.

Und wie kam das Fahrzeug an?
Das Ergebnis war so überzeugend, dass wir bereits im Jahr 2022 den Serienanlauf von CeTrax lite mit einem japanischen Kunden starten werden.

Ist der elektrische Achsantrieb, wie ihn ZF für Busse anbietet, auch für Lkw interessant?
Durchaus. Parallel zu den bereits genannten Zentralantrieben entwickeln wir einen Baukasten für den mittleren und für den schweren Lkw bis 44 Tonnen. Damit wollen wir unseren Kunden die optimale Lösung für die jeweilige Anwendung und Strategie bieten.