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Mit Datenlösungen neuen Umsatz schaffen.

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Tags: Connectivity
Interview mit Gahl Berkooz, Vice President of Data Monetization and Venture Acceleration bei ZF.
Susanne Szarowski, 12. November 2020
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Susanne Szarowski ist seit zehn Jahren in der Konzernkommunikation bei ZF. Als Mitglied des Redaktionsteams verantwortet sie die Themen Digitalisierung und Software.
Der Verkauf von Datenlösungen generiert für ZF neues Geschäft und verschafft den Kunden einen Zusatznutzen. Wie dieses wichtige Zukunftsfeld funktioniert, erklärt Dr. Gahl Berkooz, Vice President Data Monetization and Venture Acceleration.

Herr Berkooz, was verbirgt sich hinter dem Begriff „Daten-Monetarisierung“?

Herr Berkooz, was verbirgt sich hinter dem Begriff „Daten-Monetarisierung“?
Für ZF geht es bei der Daten-Monetisierung zunächst um die Analyse von Daten. Unsere Systeme, die wir an die OEMs verkaufen, erheben Daten. Wir suchen nach Möglichkeiten, diese Daten auf innovative Weise zu nutzen und gemeinsam mit unseren Kunden daraus Geschäftsmodelle zu entwickeln. So schaffen wir für Kunden einen Mehrwert, die ZF-Systeme in ihren Fahrzeugen haben. Dies führt dazu, dass ZF mehr Systeme verkauft und dadurch ebenfalls mehr Gewinn erzielt.
Treibt bei ZF die Monetarisierung von Daten voran: Dr. Gahl Berkooz, Vice President of Data Monetization and Venture Acceleration.

Was sind die Herausforderungen bei diesem Plan?

Was sind die Herausforderungen bei diesem Plan?
Zunächst einmal müssen wir mögliche Geschäftsmodelle identifizieren. Für die Daten unseres intelligenten ZF-Kugelgelenks am Fahrwerk, dem ZF Ball Joint Sensor, beispielsweise ist uns das gelungen. Als Geschäftsmodelle haben wir Anwendungen wie Fahrbahnüberwachung, vorausschauende Wartung oder Ladungsüberwachung für Flottenfahrzeuge entwickelt. Gerade erarbeiten wir zusätzliche Anwendungen für ADAS, Bremssysteme und Getriebedaten. Wir wollen jedes System für die Daten-Monetarisierung erschließen und es so für uns und für die OEM gewinnbringender machen.
Das intelligente Kugelgelenk von ZF

Wie funktioniert das genau?

Wie funktioniert das genau?
Wenn ein OEM beispielsweise den ZF Ball Joint Sensor ins Fahrzeug einbaut und unsere Algorithmen zur Daten-Monetarisierung nutzt, kann er auch seinem Kunden neue Lösungen anbieten. So verdient der OEM durch zusätzliche Leistungen für seinen Kunden mehr Geld und auch ZF profitiert vom Gewinn.
Im ursprünglichen Anwendungsfall ermöglicht der ZF Ball Joint Sensor bessere Fahrwerkkontrolle, im erweiterten Anwendungsfall bietet er zusätzlich die Überwachung von Ladung, Fahrbahnbedingungen und vorausschauende Wartung.

Daten-Monetarisierung verfolgt den Ansatz, ohnehin erhobene Daten zu nutzen. Mit den Algorithmen kommt dann auch Künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel. Das müssen Sie genauer erklären.

Daten-Monetarisierung verfolgt den Ansatz, ohnehin erhobene Daten zu nutzen. Mit den Algorithmen kommt dann auch Künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel. Das müssen Sie genauer erklären.
Dabei gibt es zwei Hauptschritte: Zunächst finden wir heraus, welche Möglichkeiten sich im Umfeld eines Produktes bieten. Das geschieht, indem wir verschiedene Probleme betrachten und auf Daten beziehen, die unsere Komponenten liefern. Im zweiten Schritt entwickeln wir den spezifischen Algorithmus, der die Daten um weitere Bedingungen ergänzt, etwa die Beschaffenheit der Straße. Dafür nutzen wir eine Vielzahl von Techniken, auch KI, wenn dies angebracht ist.

Aus dem Verkauf von Daten neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, ist nicht unbedingt neu.

Aus dem Verkauf von Daten neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, ist nicht unbedingt neu.
Stimmt, das ist auch in der Automobilindustrie nicht neu, aber es gibt tatsächlich neue Geschäftsmodelle, die damit verbunden sind. Beispielsweise kann ein OEM den Kugelgelenksensor von ZF kaufen und dann Algorithmen entwickeln, um die Daten selbst zu verwenden. Dies ist das traditionelle Modell. Neu ist, dass wir in Zukunft zwei weitere mögliche Modelle haben. Das eine ist ein Lizenzmodell, bei dem der OEM die IP oder Algorithmen von ZF lizenziert und sie in seinem Umfeld nutzt. Anschließend leitet er selbst Anwendungen daraus ab, um sie zu verkaufen. Das andere ist ein Servicemodell, bei dem der OEM die Daten an ZF überträgt. ZF führt die Algorithmen aus, verkauft die Geschäftslösungen und teilt den Umsatz mit dem OEM.
Ein OEM kann den ZF Ball Joint Sensor kaufen und eigene Algorithmen entwickeln, um die Daten selbst zu verwenden. Oder ZF verkauft die Geschäftslösungen und teilt den Umsatz mit dem OEM.

Die OEMs sind sehr nahe am Kunden und kennen deren Bedürfnisse. Allerdings benötigen die Hersteller auch Daten von den Zulieferern. Welche Vor- und Nachteile hat es in Hinblick auf die Daten-Monetarisierung, Zulieferer zu sein?

Die OEMs sind sehr nahe am Kunden und kennen deren Bedürfnisse. Allerdings benötigen die Hersteller auch Daten von den Zulieferern. Welche Vor- und Nachteile hat es in Hinblick auf die Daten-Monetarisierung, Zulieferer zu sein?
Der Zulieferer versteht die Daten seiner eigenen Systeme viel besser als der OEM. Schauen wir noch einmal auf unser Beispiel, den ZF-Kugelgelenksensor für den Fahrbahn-Check. Es ist viel wirtschaftlicher, diesen Algorithmus einmal zu entwickeln, zu prüfen und für den jeweiligen OEM zu lizenzieren, als dass jeder OEM seinen eigenen Algorithmus für den Fahrbahn-Check entwickelt. Auch sind einige neue Abnehmer für diese Daten nicht mehr die traditionellen OEM-Kunden. Bei diesen neuen Kunden haben einen Vorteil. Schließlich verstehen wir durch unser hochvolumiges Geschäft mit den traditionellen OEM die Daten viel besser.

Wie geht es weiter mit der Daten-Monetarisierung?

Wie geht es weiter mit der Daten-Monetarisierung?
Wir planen sie auf das gesamte Produktportfolio ausweiten. Das macht die Systeme wettbewerbsfähiger, weil sie intelligenter sind. Unser Ziel ist, der beste Partner aller Tier-1-Lieferanten für OEMs zu werden, wenn es um die Monetarisierung von Daten geht. Dies stärkt unser Kerngeschäft, da unsere Komponenten wettbewerbsfähiger werden, es bringt uns aber auch zusätzliche Einnahmen aus der Daten-Monetarisierung.

Daten-Monetarisierung scheint jedoch nicht nur ein Thema zu sein, das Unternehmen wie ZF beschäftigt?

Daten-Monetarisierung scheint jedoch nicht nur ein Thema zu sein, das Unternehmen wie ZF beschäftigt?
In Europa gibt es zahlreiche staatliche Initiativen, um den Zulieferern Daten für die Monetarisierung zugänglich zu machen. In den USA vermarkten die OEMs ihre Fähigkeiten in diesem Bereich sehr offensiv. Alles in allem steht die Automobilindustrie bei der Daten-Monetarisierung jedoch erst am Anfang. Finanziell spielt Daten-Monetarisierung für OEMs noch keine große Rolle. Es bleibt abzuwarten, welcher Ansatz besser funktioniert: der des zentralisierten Datenaustauschs in Europa oder der von OEMs getriebene in den USA.

Wie ist hier der Stand bei ZF?

Wie ist hier der Stand bei ZF?
Wir haben in diesem Jahr angefangen, mit einem OEM zusammenzuarbeiten, um das Portfolio und die Fähigkeiten zu überprüfen sowie gemeinsame Roadmaps für die Daten-Monetarisierung zu erstellen. Nächstes Jahr werden wir die Anzahl der Partner erhöhen.