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Kurzversion des Porsche 917 in Le Mans

Vor 50 Jahren: Porsche siegt endlich in Le Mans

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Tags: Heritage, Motorsport
Sie waren seit 1951 ununterbrochen bei 24-Stundenrennen von Le Mans angetreten, doch erst 20 Jahre später konnten die Zuffenhausener mit der Kurzversion des 917 den ersten Sieg einfahren.
Janine Vogler, 10. September 2020
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Janine Vogler Oldtimer liegen der gelernten Journalistin besonders in der Verbindung mit ZF-Produkten am Herzen. Privat ist sie lieber mit Hund in der Natur oder Motorrad unterwegs.
Ausgestattet mit Lenkung und Sperrdifferential von ZF, entschieden Hans Herrmann und Richard Attwood mit der Nummer 23 das Rennen für sich. 1969 gerade erst auf dem Automobilsalon in Genf vorgestellt, verschaffte der 917 Porsche somit schon ein Jahr danach den ersten Sieg in Le Mans – und sollte für alle Zeit zum Kult-Auto werden.

Der 917 war der Nachfolger der erfolgreichen Typen 907 und 908, die allerdings zu wenig Hubraum hatten, um weiter ganz vorne mitfahren zu können. Das änderte sich nun: 4,5 Liter maß der luftgekühlte Zwölfzylinder, seine Leistung betrug atemberaubende 560 PS bei 8.300/min. Die Karosserie des 917 bestand aus glasfaserverstärktem Kunstharz und war fest mit dem Aluminium-Gitterrohrrahmen verbunden. Nachdem der Porsche Typ 917 in seinem ersten Motorsportjahr bei seinen ersten drei Einsätzen wegen technischer Defekte ausfiel, begann am 10. August 1969 bei dem 1.000-Kilometer-Rennen auf dem Österreichring mit einem Sieg von Jo Siffert und Kurt Ahrens die bis 1973 anhaltende Erfolgsgeschichte des bis heute wohl legendärsten Porsche-Rennsportwagens.
Die ersten Motoren hatten 1969 noch bei einem Hubraum von 4,5 Litern eine Leistung von 383 kW (520 PS) bei 8000/min. 1973 wurden die Motoren dann mit Turboladern versehen und brachten dabei sogar eine Leistung von 810 kW (1100 PS) bei 7800/min. Neben den unterschiedlichen Karosserieformen als Kurzheck-Coupé und Langheck-Coupé wurde der Rennwagen auch als Spyder hergestellt.
Das Rennen 1970 in Le Mans war legendär: Porsche trat mit insgesamt sieben 917 an, zwei als Langheckversion (L) und fünf mit Kurzheck (K) – drei von letzteren starteten unter der Regie von John Wyer, der mittlerweile Porsche-Partner geworden war. Zum ersten Mal wurde in Le Mans ein neuer Startmodus getestet, bei dem die Fahrzeuge zwar nach wie vor schräg zur Fahrtrichtung standen - die Fahrer saßen jedoch bereits angeschnallt in ihren Cockpits. Die Änderung des Startprozederes wurde vorgenommen, weil sich die Proteste der Fahrer für den klassischen Le Mans-Start häuften. Indem die Fahrer über die Straße zu ihren stehenden Fahrzeugen laufen und den Motor dann erst starten durften, konnten sich manche Fahrer in den Autos nicht richtig angurten und fuhren, ohne den Gurt angelegt zu haben, bis zum ersten Boxenstopp. So kam ein Jahr zuvor der Fahrer John Woolfe in Le Mans tragisch ums Leben. Ferry Porsche selbst gab den Start frei, doch bereits nach kurzer Zeit fiel der beste 512 S aus dem Ferrari-Rennstall wegen Antriebsschaden aus - und auch wenn das langersehnte Duell zwischen Porsche und Ferrari unfallbedingt ausfiel, lieferten die Porsche 917 ein absolut spektakuläres Rennen. Von einem Porsche 908/02 aus, der sowohl im Bug- als auch im Heckbereich mit imposanten Kameras ausgestattet war, wurde gefilmt - die Aufnahmen wurden für den Rennfilmklassiker „Le Mans“ verwendet. Zum Ärger der Fans erhielt Steve McQueen selbst von der Versicherung keine Erlaubnis, am Rennen teilzunehmen, obwohl er zuvor beim 12-Stundenrennen in Sebring/USA mit einem Porsche 908 (ebenfalls mit ZF-Technik in Lenkung und Sperrdifferential) den zweiten Gesamtrang erreichte. Am Tag nach dem Rennen starteten dann die Dreharbeiten für den Film und das regenreiche Rennen von 1970 wurde in dem Kult-Film verewigt.

Mit neun von zehn möglichen Siegen sicherte sich Porsche mit den Typen 917 und 908/03 im Jahr 1970 überlegen die Markenweltmeisterschaft. Die Siegesserie begann in Daytona und hielt in Brands Hatch, Monza, Spa, auf dem Nürburgring, bei der Targa Florio, in Le Mans, Watkins Glen und auf dem Österreichring weiter an.
Wie im Vorjahr wurde auch die Rennsaison 1971 durch den Porsche 917 dominiert, und so gewann Porsche mit acht von zehn Rennsiegen einmal mehr souverän die Markenweltmeisterschaft. Den Saisonhöhepunkt bildete ein erneuter Sieg des Porsche 917 bei den 24 Stunden von Le Mans, diesmal durch Gijs van Lennep und Helmut Marko, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 222 km/h einen neuen Streckenrekord erzielten. Einen weiteren Bestwert erreichte ein Typ 917 Langheck: Auf der Mulsanne-Geraden wurde der Rennwagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 387 km/h gemessen.

Der 917 wurde zu einem der erfolgreichsten Rennsportwagen der 1970er-Jahre, dessen besondere Bedeutung für Porsche darin liegt, bei Sportwagenrennen erstmals in der damals größten Hubraumklasse mehrere Gesamtsiege errungen zu haben. Noch während des Rennens in Le Mans erhielt er den Titel „Auto des Jahrhunderts“ – eine Auszeichnung, zu der auch schon damals die zukunftsweisende Technik von ZF beitragen durfte.
Langheckversion: Der Porsche 917 LH.