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Technologie

ZF AS Tronic Truck mit Intarder

Partnerschaft für weltweit erfolgreiche Getriebe

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Tags: Unternehmen
Mit dem AS Tronic brachte ZF im Jahr 1995 das erste integrierte automatisierte manuelle Schaltgetriebe (AMT) für Nutzfahrzeuge auf den Markt. Das Projekt wurde gemeinsam mit WABCO realisiert, also der Firma, die heute Teil des ZF-Konzerns ist.
Florian Tausch, 02. September 2020
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Florian Tausch war als Journalist in diversen Branchen und Ländern aktiv. Heute leitet er das Redaktionsteam bei ZF.
Es war ein wesentlicher Meilenstein für die gesamte Branche: Mit dem AS Tronic brachte ZF im Jahr 1995 das erste automatisierte manuelle Schaltgetriebe (AMT) für Nutzfahrzeuge auf den Markt, bei dem die Ansteuertechnik integriert war. Es war zudem das erste mit zwei Vorgelegewellen, was eine kompaktere und leichtere Bauweise erlaubte. Das Projekt wurde gemeinsam mit WABCO realisiert, also der Firma, die heute als Division Commercial Vehicle Control Systems Teil des ZF-Konzerns ist.

„Für den Getriebesteller brauchten wir einen Partner, der Kompetenz bei schnellschaltenden Ventilen hatte“, erläutert Dr. Christoph Rüchardt, heute Leiter Serienentwicklung AMT, den Beginn der Zusammenarbeit. „Diese Kompetenz gab es bei WABCO durch die pneumatische Ansteuerung ihrer Brems-Systeme.“
Zusätzlich zu dem bereits bestehenden Know-How wurden weitere Anstrengungen unternommen, um das Projekt erfolgreich zu gestalten: „WABCO hat als weltweit erster Anbieter bereits 1986 Automatisierungslösungen auf den Markt gebracht, aber für die Spezifikationen der AS Tronic musste eine vollkommen neue Technologie entwickelt werden. Viele der ursprünglichen Projektmitglieder sind heute im Ruhestand, aber sie haben ihr Wissen an die nächste Generation von Entwicklern wie mich, die jetzt in ihren Fußstapfen folgen, weitergegeben. Dieser Wissenstransfer hat sehr dazu beigetragen, die Produktlinie über die Jahre stetig voranzubringen“, führt Holger Kelpe, Teamleiter Product Engineering der Division Commercial Vehicle Control Systems aus. Diese Entwicklung resultierte im ersten vollständig integrierten Getriebesteller der Nutzfahrzeugindustrie, der das Fundament für viele weitere AMT-Entwicklungen der Firma bildete. Mit über 5 Millionen verkauften Systemen wurde WABCO in der Folge einer der größten Lieferanten von Automatisierungslösungen für Getriebe.
Mit der AS Tronic waren WABCO und ZF die ersten Nutzfahrzeugzulieferer, die gemeinsam ein AMT entwickelten und so die Technologie einem globalen Kundennetzwerk eröffneten, das fortan von gesteigerter Effizienz, Komfort und Sicherheit durch automatisierte Gangschaltung profitieren konnte.

Die zweite Getriebegeneration wurde zum Benchmark

Die zweite Getriebegeneration wurde zum Benchmark
Ein weiterer entscheidender Meilenstein für beide Unternehmen war der Serienanlauf der zweiten Generation der AS Tronic im Jahr 2000. Diese wies große Fortschritte bei der Integration des Stellers in das Getriebe auf, wodurch Einsparungen bei Größe und Gewicht des finalen Produkts erzielt werden konnten. Zusätzlich integrierten die Entwickler auch die Elektronik mit zwei Prozessoren und ermöglichten so die Implementierung einer für das vollautomatische Fahren benötigten Gangwahlstrategie. „Man kann sicher sagen, dass die AS Tronic 2 viele Jahre Benchmark im Markt war. Zahlreiche Hersteller wie MAN, DAF oder IVECO haben auf sie vertraut“, ordnet Rüchardt die Bedeutung des Produkts ein.
Seit dem Jahr 2006 ergänzt die bis heute erfolgreiche AS Tronic lite das Portfolio. Bei dieser elektrohydraulischen Automatisierung für 6-Gang-Handschaltgetriebe der Ecolite-Familie wurde Mechatronik und Akuatorik ebenfalls gemeinsam mit WABCO entwickelt.

Serienstart für ein Weltgetriebe

Serienstart für ein Weltgetriebe
Mit dem EcoTronic mid geht in diesem Jahr ein weiteres automatisiertes Schaltgetriebe in Serie, das technisch auf dem ZF-Ecomid basiert. Bereits zu Beginn der Entwicklung fiel die Entscheidung, mit WABCO als Partner für den Getriebesteller weiterzuarbeiten. Mit dem Unterschied, dass diesmal auf ein existierendes Produkt zurückgegriffen werden konnte: „OptiDrive automatisiert und optimiert die Schaltung in Getrieben für mittlere und schwere Nutzfahrzeuge. Es hilft, bis zu fünf Prozent Kraftstoff einzusparen. Und dank seiner Modularität lässt es sich leicht an ein breites Spektrum von manuellen Schaltgetrieben anpassen“, sagt Holger Kelpe. Das Projekt diente obendrein der Weiterentwicklung der OptiDrive Technologie und führte dazu, ein bereits großartiges Produkt noch besser zu machen.
Das EcoTronic mid geht 2020 in Serie

Mit dem neuen EcoTronic mid bedient ZF den Trend zu automatischen Getriebesystemen im Lkw. Marktstudien sehen vor allem in Ländern wie China und Brasilien großes Wachstumspotential. Im hart umkämpften Wettbewerb profitiert ZF von einem konsequenten Design-to-market-Ansatz. Auch die Produktion wurde auf die Anforderungen der Zielmärkte ausgerichtet: Das EcoTronic mid wird an vier Standorten auf drei Kontinenten produziert.
OptiDrive automatisiert und optimiert die Schaltung in Getrieben für mittlere und schwere Nutzfahrzeuge.

Software als Erfolgsfaktor

Software als Erfolgsfaktor
Wesentlichen Anteil an dessen Komfort hat die elektronische Steuerung. Sie nutzt dieselbe Software-Plattform, die auch für die Steuerung des modernsten automatischen ZF-Getriebes, TraXon, Verwendung findet. Diese ermöglicht nicht nur unterschiedliche Fahrmodi sondern auch optionale Funktionen wie das Freischaukeln oder eine Start-Stopp-Funktionalität. Dass Software auch im Getriebebau zum entscheidenden Faktor wird, zeichnet sich bereits länger ab. Cloud-Funktionalitäten des Fahrzeugs, wie etwa eine vorausschauende Schaltstrategie und Over-the-air-Updates sowie das Thema Cyber-Security stehen dabei im Mittelpunkt. Nicht zuletzt durch den Zusammenschluss mit WABCO bietet ZF umfassende Systemkompetenz für den Nutzfahrzeugbereich und ist auf aktuelle und künftige Herausforderungen der Branche bestens vorbereitet.