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Unternehmen Magazin

Corona-Bremse lösen? Aber sicher

Es ist eine völlig neue Herausforderung in Zeiten des grassierenden Coronavirus die stillgelegte Produktion in den ZF-Werken wieder langsam hochzufahren. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie dies auch mit erweitertem Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter gelingt.

Shutdown. Kaum ein anderes Wort ist derzeit in der Wirtschaftsberichterstattung häufiger zu hören als dieses. Der Shutdown – das als Reaktion auf das Coronavirus verursachte Herunterfahren von Unternehmen – lähmt seit Monaten die Wirtschaft in weiten Teilen der Welt. Auch ZF ist davon betroffen.

Da kürzlich einige Kunden angekündigt haben, den Betrieb wieder aufzunehmen, ist auch ZF dabei, alles fürs Arbeiten gemäß Auftragslage vorzubereiten oder hat dies bereits erledigt. Die Nachfrage nach ZF-Produkten besteht derzeit nur punktuell und auf einem sehr niedrigen Niveau – kein Vergleich zu den gewohnten Abnahmemengen. Vier Beispiele aus dem ZF-Konzern zeigen, wie das Unternehmen einerseits unter erschwerten Bedingungen wieder fertigt und andererseits die Mitarbeiter dabei bestmöglich schützt.

Wo der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht einzuhalten ist, trennen Plexiglasscheiben die Mitarbeiter.

Fast überall stark reduzierte Produktion

Nach einer einmonatigen Produktionspause haben fünf ZF-Standorte rund um den niedersächsischen Dümmer See in der letzten Aprilwoche die Fertigung in geringem Umfang wieder aufgenommen. Dies geschah, um dringliche Kundenaufträge aus Asien abzuarbeiten. Bei den wenigen aktiven Fertigungslinien sorgen Markierungen auf dem Fußboden für den nötigen Sicherheitsabstand. Dazu kommen Trennwände aus Plexiglas. Wo aus produktionstechnischen Gründen der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann, erhalten die Mitarbeiter Gesichtsmasken.

Im Vergleich zu den Vormonaten beträgt derzeit die Auslastung der fünf Werke jedoch gerade einmal bis zu zehn Prozent. Dazu Dr. Peter Holdmann, Leiter der Division Pkw-Fahrwerktechnik und verantwortlich für die Standorte rund um den Dümmer: „Die Abrufe der Kunden sind noch bescheiden und schwanken sehr. Wir sind jedoch so aufgestellt, dass wir die Bedarfe unserer Kunden flexibel, aber auch kostenoptimiert wieder fertigen und liefern können.“

Chinesische ZF-Werke haben die Corona-Krise fast überwunden

Verglichen mit der Situation in Niedersachsen sind die 40 ZF-Standorte in China bereits deutlich weiter. So fuhr beispielsweise das Werk in Zhangjiagang in der Provinz Jiangsu bereits am 10. Februar wieder hoch. Hier entstehen Bremsen sowie Gurte und Airbags. Im April erreichte das Produktionsvolumen von ZF Zhangjiagang mehr als 90 Prozent der ursprünglichen operativen Planung für diesen Monat. Bis dahin war es jedoch ein weiter Weg.

Zusätzlich zum zentralen und den regionalen Corona-Experten-Teams bei ZF bildete das Management im Werk Zhangjiagang eine Arbeitsgruppe COVID-19. Sie beobachtete unter anderem den Gesundheitszustand der Mitarbeiter vor der Wiederaufnahme der Arbeit und beschaffte Hygieneartikel wie Gesichtsmasken, Desinfektionsmittel oder Thermometer. Auch kümmerte sich das Team um die Eingangskontrolle im Werk sowie um die zweimal tägliche stattfindende Messung und Aufzeichnung der Körpertemperatur. Selbst ein Isolationsbereich für Mitarbeiter mit verdächtigen Symptomen ist vorhanden.

Was während des Hochlaufs am schwierigsten war? „Die größten Herausforderungen während der Anlaufphase waren der Arbeitskräftemangel aufgrund der COVID-19-Kontrollen, der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter, die Beschaffung von Gesichtsmasken und Desinfektionsmitteln sowie die Logistik“, erinnert sich Werksleiter Simon Song. Von den in China gesammelten Erfahrungen profitieren nun auch die Verantwortlichen in Europa sowie in Nord- und Südamerika.

Abstand und Gesichtsmasken schützen Mitarbeiter bei der Produktion von Sicherheitsgurten, hier im chinesischen ZF-Werk Zhangjiagang.

Ansteckung mit Coronavirus am Arbeitsplatz unbedingt verhindern

So spielt der Gesundheitsschutz beim Wiederhochfahren der Produktion auch bei den ZF-Kollegen am anderen Ende der Welt eine zentrale Rolle. Im Werk Gray Court im US-Bundesstaat South Carolina fertigt ZF automatische Getriebe für Pkw. Nach dem vollständigen Stillstand hat in der letzten April-Woche eine der vier Produktionslinien wieder ihre Arbeit aufgenommen. Nach und nach folgen die anderen Linien nach, die Letzte in der zweiten Juni-Hälfte – so zumindest der Plan.

„Wann immer wir unsere Produktion ausweiten – wir sind gut vorbereitet, um bei bestmöglichem Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter wieder für unsere Kunden zu arbeiten.“
— Thomas Joos, Leiter des ZF-Werks in Gray Court, USA

Vielfältige Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten flankieren die Produktionsplanung. Dazu gehört etwa die Installation von Plexiglasscheiben ebenso wie das Anbringen von Spendern für die Händedesinfektion oder die Temperaturmessung bei Mitarbeitern, sobald sie das Werksgelände betreten. Vorbei die Zeiten, in denen sich sechs Mitarbeiter an jedem der langgezogenen Tische in den Pausenräumen gegenübersaßen. Nun klebt am Ende jedes Tisches auf der jeweils gegenüberliegenden Seite ein dickes grünes Kreuz mit dem Text „Designated Seating“: Platz nehmen ist nur hier gestattet. „Wann immer wir unsere Produktion ausweiten - wir sind gut vorbereitet, um bei bestmöglichem Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter wieder für unsere Kunden zu arbeiten“, sagt Werksleiter Thomas Joos.

Mit wenigen Mitarbeitern sämtliche Getriebevarianten fertigen

Auch das deutsche Stammwerk für Pkw-Automatikgetriebe in Saarbrücken ist bereit für die Rückkehr in die Normalität, selbst wenn die noch in weiter Ferne ist. „Aktuell liegt unsere Auslastung bei etwa 80 Prozent. Das gilt aber nur für diese Woche, da wir in der Produktion „Pooling“ betreiben“, dämpft Werksleiter Alexander Wortberg sofort allzu große Hoffnungen. Es sei einfach effektiver, wochenweise größere Stückzahlen zu produzieren und in anderen Wochen die Fertigung wieder komplett ruhen zu lassen. Selbst in der aktuellen Krisenzeit produzieren die Saarbrücker sämtliche Varianten des 8-Gang-Automatikgetriebes, obwohl etwa 70 Prozent der Mitarbeiter am Standort in Kurzarbeit sind.

Erschwerte Produktion effizient und kostengünstig steuern

Weil die Kundenabrufe täglich schwanken, reagiert auch das Krisenreaktionsteam im Werk bei seiner Planung flexibel. Über ein sehr früh eingerichtetes Infosystem bleibt ZF mit seinen gut 9000 Mitarbeitern am Standort Saarbrücken im Kontakt; wichtig für die kurzfristige Kapazitätsplanung. Wie in allen ZF-Werken, in denen gearbeitet wird, gelten auch hier strenge Regeln und wurden bauliche Maßnahmen getroffen, um die Gefahr der Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren. Werksleiter Wortberg und sein Team machen wie viele Kollegen bei ZF derzeit eine einzigartige Erfahrung: „Es ist eine Herausforderung, die Produktion in einem Werk dieser Größe und mit dieser Varianz in dieser von stark schwankenden Abrufen geprägten Phase effizient zu steuern und unnötige Kosten zu vermeiden. Auch technisch ist es eine große Herausforderung, das Werk in so kurzen Abständen herunter- und wieder hochzufahren. Die große technische Kompetenz und der tolle Zusammenhalt der Mannschaft sind der Grund, warum uns das trotzdem gut gelingt.“