Ein gutes GefühlCDC im Fahrertest

Die Vorzüge von CDC im Motorrad lassen sich leicht aufzählen. Aber wie spürt man sie, wenn man auf dem Motorrad unterwegs ist? Ein Bericht eines erfahrenen „Bikers“.

Der Wetterbericht verspricht Sonne pur. Die Bikes warten gepackt vor der Garage. Eigentlich steht dem entspannten Wochenendtrip über kleine und kleinste Landstraßen nichts mehr im Wege. Oder doch? Denn irgendwie wirken die Motorräder leicht hecklastig. Das verschlechtert sich bestimmt noch, wenn der Fahrer aufsteigt, schießt es sofort durch den Kopf. Wie war das noch gleich – Stichwort Federvorspannung?

Exkurs Motorradfahrwerk

Um Licht ins Dunkel zu bringen, hier ein wirklich kurzer Exkurs zum Motorradfahrwerk. Die Federvorspannung verändert die Fahrzeughöhe – und auch Lenkkopfwinkel und Nachlauf. Für das bepackte Motorrad bedeutet das: Um das gleiche Fahrverhalten wie im normalen Einsatz zu erzielen, muss die Federvorspannung erhöht werden. Das klappt in der Regel über Kronenmuttern oder ein praktisches Handrad. Ähnliches gilt für die Gabel. Auch deren Niveau sollte – soweit möglich – an die höhere Belastung angepasst werden. In etwa gleich sieht es für die Werte von Zug- und Druckstufe aus. Die Zugstufe regelt die Ausfederbewegung. Wie das aussieht? Einfach mal eine Kulifeder zusammendrücken und dann loslassen. Dieses unkontrollierte Nachschwingen möchte keiner auf dem Motorrad erleben. Verhindert wird es vom Dämpfer und dessen Einstellung der Zugstufe. Zu guter Letzt fehlt noch die Druckstufe. Sie ist in ihrem Wirkbereich deutlich geringer ausgelegt und unterstützt die Federn beim Kompressionsvorgang.

Und ewig grüßt der Schraubendreher

Einstellen der Federvorspannung einfach per Knopfdruck.

Wenn alles stimmt, kann es losgehen. Nach den Anpassungen liegt das Bike wieder satt auf der Straße und vermittelt viel Gefühl fürs Haftungspotenzial der Reifen. Das weckt Vertrauen ins eigene Fahrkönnen und ist damit ein wichtiges Sicherheitsfeature. Nach der kurzweiligen Anfahrt ist das Etappenziel erreicht. Und jetzt? Runter mit dem Gepäck und spürbar „erleichtert“ noch eine kurze Extrarunde im Kurvenparadies genießen. Aber jetzt stimmt die Einstellung vom Fahrwerk schon wieder nicht mehr. Also erneut den Schraubendreher bemühen und alles wieder auf „Solobetrieb ohne Gepäck“ verändern. Das muss doch auch anders funktionieren!

Stimmt! Wie das gelingt, zeigt CDC von ZF. CDC steht für Continuous Damping Control. In Echtzeit erfassen Sensoren die Fahrwerkbewegungen des Bikes und passen die Dämpfung an jede Fahrsituation sofort an. Klingt genial, ist es auch. Im Alltag bedeutet das: Nur noch vor der Fahrt die Federvorspannung entsprechend der Belastung einstellen – mittlerweile reicht ein Knopfdruck – und es kann losgehen. Dabei ist CDC keinesfalls nur ein Komfortfeature. Klar steht die Balance aus einem Top-Dämpfungsverhalten und sattem Feedback auch auf schlechtesten Straßen für Komfort – aber eben auch für Sicherheit. Wer unter diesen Bedingungen schon einmal voll verzögern musste, kennt das Szenario: Das Fahrwerk arbeitet an der Dämpfungsgrenze. Dann staucht die Vollbremsung den Federweg an der Gabel vollends zusammen. Der Reifen übernimmt die Dämpfungsarbeit. Im besten Fall wird’s nur unbequem und der Bremsweg verlängert sich. Im schlimmsten Fall blockiert das Rad. Ein Sturz lässt sich dann nicht mehr vermeiden.

Die Lösung: Continuous Damping Control

CDC erkennt so eine Situation automatisch. Und verstärkt die Druckstufe im Bruchteil einer Sekunde. Die Gabel geht nicht auf Block, der Reifen kann viel mehr Bremskraft übertragen – und der Stopp gelingt. Gerade in Verbindung mit ABS-Komponenten ist das ein wichtiges Sicherheitsmerkmal. Schließlich öffnet die Bremse, sobald das Vorderrad blockiert. Das passiert bei schlechter Dämpfungsabstimmung schneller als bei einem optimal eingestellten Fahrwerk, weswegen der Bremsweg viel kürzer ausfällt.

"Zauberei" im Bike-Fahrwerk

Mit Schwung auf die Kurve zu, außen bleiben, leicht die Bremse anlegen. CDC unterstützt den Fahrer.

Die Vorteile „Komfort“ und „Sicherheit“ kommen mit höherer Beladung noch mehr zum Tragen. So verlangt ein Mehr an Zuladung immer eine Anpassung der Federelemente. Oder um es einmal anders zu sagen: Wer sich selbst auf sein 200 Kilogramm schweres Motorrad setzt, bewegt etwa 280 Kilogramm über die Landstraße. Wer noch einen Sozius und Gepäck mitnimmt, kommt schnell auf 380 Kilogramm. Das entspricht einem Plus von 36 Prozent beim Gesamtgewicht! Dass die Federelemente so etwas überhaupt mitmachen, grenzt schon an ein Wunder – ohne darauf angestimmte Federelemente wäre es Zauberei. Und diesen kleinen Zauberstab schwingt CDC von ZF automatisch.

Die Vorteile von CDC werden auch in einer anderen Alltagssituation aus dem Bikerleben, bei welcher der Spaß im Vordergrund steht, offensichtlich. Die Rede ist von dem einzigartigen Erlebnis Schräglage, dem purem Genuss der Kurvenfahrt. Also schlicht das, was für viele Biker die Essenz des Motorradfahrens ausmacht. Und die funktioniert so: Mit Schwung auf die Kurve zu, außen bleiben, leicht die Bremse anlegen, den Kurvenscheitel fixieren, einlenken und in Schräglage abtauchen, die Bremse lösen, den Kurvenausgang in den Blick nehmen und Gas geben. Was gibt es Schöneres? Vermutlich nichts, wenn nicht das Heck unter der Motorpower einknicken würde wie Balsaholz. Oder sich das Vorderrad beim Reinbremsen in die mit Teerflicken gespickte Kurve nicht zwischen Feedback und satter Führung entscheiden kann. Die Kurve wird dann zum wahllosen Ausprobieren verschiedenster Radien – die Linie ist dahin.

CDC zaubert ein Lächeln unter den Helm

ZF's CDC erkennt, wie die optimale Dämpfungseinstellung in jeder – wirklich jeder – Fahrsituation aussehen sollte. Das sorgt für perfektes Einlenkverhalten und genau die richtige Traktion beim Herausbeschleunigen.

Wobei Traktion bei modernen Bikes der 150 + X-PS-Liga zweifellos ein Fall für die Traktionskontrolle ist. Die maßregelt quasi den Poweroutput, falls es dem Hinterreifen durchdrehend zu sehr an die Substanz geht. Aber man ahnt es schon, auch die Traktionskontrolle ist – ebenso wie das eingangs erwähnte ABS und viele weitere elektronische Fahrassistenzsysteme – entscheidend vom Fahrwerk abhängig. Gibt der hintere Stoßdämpfer nach, ist auch der Hinterreifen viel schneller überfordert. Er kann weniger Kraft auf die Straße bringen und wird dementsprechend früher von der Traktionskontrolle gebremst. Mit CDC bleibt alles im Lot.

CDC ist dabei kein Instrument, das die Physik außer Kraft setzt. Vielmehr gibt die Fahrwerklösung von ZF Motorradfahrern die Möglichkeit, das Beste aus dem Gesamtsystem Motorrad herauszuholen – in punkto Komfort, Sicherheit und Fahrspaß.

Weitere Informationen zum CDC für Motorräder