Ein anspruchsvoller WegDämpfung Vierrad versus Zweirad

Eine innovative Dämpfertechnologie wie die adaptive Dämpfung CDC (Continuous Damping Control) lässt sich für verschiedene Fahrzeugkategorien nutzen, wenn sie entsprechend angepasst wird. Die Adaption für das Zweirad ist deutlich anspruchsvoller.

Eine kleine, einfache Rechnung:

Ein Motorrad mit Fahrer wiegt etwa 280 Kilo. Kommen noch Sozius und Gepäck dazu, bringt dasselbe Bike 380 Kilo auf die Waage – eine Erhöhung um ca. 36 Prozent. Solche Zuladungsunterschiede gibt es beim Pkw nicht. Dafür gibt es beim Pkw deutlich mehr Bauraum – und damit Platz, um Federung und Dämpfung auf Zuladungsunterschiede auszulegen. Dies ist nur eine der Besonderheiten, die ZF-Ingenieure beachten mussten, als sie die aus Pkw und Nutzfahrzeug bewährte Dämpfertechnologie CDC für das Zweirad anpassten. „Motorisierte Zweiräder weisen eine ganz andere Fahrzeuggeometrie auf als Pkw“, so Rolf Heinz Rüger, bei ZF verantwortlich für das Geschäftsfeld Dämpfungsmodule in der Division Pkw-Fahrwerktechnik. Hinzu kommt: Beim Bremsen, Beschleunigen und bei Kurvenschräglagen entstehen größere dynamische Radlastverschiebungen. Auch das deutlich unterschiedliche Schwingungsverhalten von Motorrädern ist eine Besonderheit gegenüber Pkw oder gar Nutzfahrzeugen. Und schließlich ist bei Motorraddämpfern eine optimale Dämpfkraftaufteilung in Zug- und Druckrichtung sehr wichtig.

Der CDC-Baukasten

Unterschiedliche Regelkennfelder von Pkw und Motorrad mit CDC

Allerdings profitierten die ZF-Entwickler auch von der Erfahrung im Konzern – in Gestalt des CDC-Designbaukastens. Wie sich das entscheidende technische Element des CDC – das Proportionalventil – auch als im Dämpfer innenliegendes Ventil (CDCi) platzsparend realisieren lässt, hat ZF bereits für Pkw ermittelt. Das Proportionalventil verengt oder erweitert den Ölfluss in Sekundenbruchteilen und erreicht damit eine härtere oder weichere Dämpfereinstellung. Neben dem eigentlichen Dämpfer mussten auch die Motorrad-Telegabelsysteme und Federbeine spezifisch angepasst werden.

Im Zusammenspiel mit der Hardware resultiert die Funktion des CDC-Systems für Motorräder wesentlich aus der Steuerungssoftware. Einige Motorradhersteller beanspruchen hier die Systemhoheit für ihre Fahrzeugsoftware inklusive aller Teilsysteme. In diesem Fall unterstützt ZF bei der Applikationsentwicklung und berät bei der Ermittlung der Regelalgorithmen. Andere Hersteller verlangen nach kompletten Systemlösungen. ZF antwortete mit der Entwicklung eines motorradspezifischen Reglers in 2013. Auch hier profitierten die ZF-Entwickler von der Erfahrung im Konzern. Bereits im ersten Halbjahr 2015 soll ein Komplettsystem vorgestellt werden.

CDC bietet den Motorradherstellern viele Möglichkeiten: Sie können beispielsweise verschiedene Fahrprogramme anbieten, zwischen denen der Fahrer während der Fahrt wählen kann. Diese Flexibilität und die spezifische Anpassung auf das jeweilige Motorradmodell sind Gründe dafür, dass sich das CDC-System von ZF nicht in jedem Motorrad gleich anfühlt.

Weitere Informationen zum CDC für Motorräder