West-östliche Partnerschaft mit Tradition

China ist und bleibt ein Wachstumsmotor der Automobilindustrie. Treiber sind vor allem Sicherheit und Elektromobilität. Seine starke Position im chinesischen Markt untermauert der ZF-Konzern mit hohen Investitionen in seine Entwicklungs- und Produktionsstandorte.

Es ist spät geworden im Büro, sogar die S-Bahn hat schon Feierabend. Kein Problem für Xiaopu Xing. Er steigt auf eines der zahlreichen Mietfahrräder und radelt in fünf Minuten vom ZF-Büro in Schanghai zu „EVCARD“, einer von 2.800 Mietstationen für Elektroautos in Schanghai. Im elektrischen Kleinwagen des chinesischen Autobauers Roewe fährt der 28-Jährige die 25 Kilometer nach Hause und stellt das Auto an einer Station in der Nähe seiner Wohnung ab. „Die Beschleunigung ist super, es macht richtig Spaß“, sagt der ZF-Vertriebsingenieur für elektrische Fahrantriebe.

Schlaue Lösung: ZF-Mitarbeiter Xiaopu Xing leiht sich regelmäßig ein E-Auto.

Mit Zuckerbrot und Peitsche

China ist und bleibt ein Wachstumsmotor der Automobilindustrie. Gerade hinsichtlich neuer Sicherheitstechnologien und E-Mobilität erwarten Experten enorme Steigerungsraten. Schon heute gilt China als weltgrößter Markt für Elektrofahrzeuge. 2016 stieg der Absatz um 53 Prozent auf über 500.000 Stück, so eine aktuelle Studie des Center of Automotive Management (CAM). Bis 2030, so aktuelle Pläne, soll der Anteil der New Energy Vehicles (NEV) an allen Neuzulassungen in China auf 40 Prozent steigen. Das entspräche jährlich rund 15 Millionen Fahrzeugen, die entweder ein Plug-in-Hybridsystem oder ausschließlich ein Elektromotor beschleunigt. „Es spricht vieles dafür, dass China mit Abstand der Leitmarkt für E-Mobilität bleiben wird“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des CAM. Das kommt nicht von ungefähr: Weil die westlichen Hersteller bei Verbrennungsmotoren und Getriebetechnologien einen uneinholbaren Vorsprung haben, ist der E-Antrieb für die chinesischen Hersteller auch die Chance, mit den Technologieführern gleichzuziehen. „Wir sind für die Kunden interessant, weil wir vor Ort sind und sowohl Lösungen für Pkw- und Nutzfahrzeug-Anwendungen abdecken als auch die gesamte Bandbreite an modularen Hybridsystemen und vollelektrischen Antrieben“, erklärt Xing.

Wichtige Sicherheitstechnik

Auch bei der Sicherheit setzt China künftig Maßstäbe. Die Einführung des C-NCAP 2018 ist ein klares Signal: China orientiert sich nicht mehr an europäischen oder amerikanischen Standards, sondern entwickelt eigene Kriterien, passend zur konkreten Situation und den Gegebenheiten des lokalen Marktes. Neufahrzeuge werden dabei in zusätzlichen Kriterien wie dem Fußgängerschutz und der aktiven Sicherheit untersucht. Insbesondere automatische Notbremsassistenten (Automatic Emergency Braking – AEB) – und deren Fähigkeit, auf andere Fahrzeuge sowie auf Passanten zu reagieren, stehen im Fokus. „Für Neuwagen, die dabei und bei den gestiegenen Anforderungen hinsichtlich Seitenaufprallschutz nicht punkten, werden fünf Sterne künftig kaum noch erreichbar sein“, sagt Chris Wu, Leiter Entwicklung Insassenschutzsysteme Asia-Pacific bei ZF. „Als Unternehmen mit dem umfassendsten Portfolio an Sicherheitstechnologien in der gesamten Zulieferbranche sind wir bestens vorbereitetet, chinesische Hersteller für das C-NCAP 2018 optimal zu unterstützen.“

Das luftgefederte Hinterachssystem AIRTRAC wurde speziell für schwere Lkw entwickelt. Erster chinesischer Kunde ist der Hersteller Foton.

Erfolgreiche Jahre der Zusammenarbeit

So stellt ZF intelligente Mechanik in Form reaktionsschneller, integrierter Bremssysteme wie Integriertes Bremssystem (IBC), umfassend schützender Airbags, aktiver Gurtsysteme und elektrischer Lenkungen bereit. Hinzu kommen Kamera- und Radarsysteme zur Umfelderkennung und Assistenzfunktionen wie die elektronische Stabilitätskontrolle ESC, das AEB-System, Notfall-Ausweichhelfer sowie von ZF entwickelte Vernetzungsansätze wie der Algorithmus X2Safe. „Alles zusammen lässt Fahrzeuge sehen, denken und handeln – als Basis für hochintegrierte Sicherheit und das autonome Fahren zugleich“, betont Wu. Für bestmöglichen Schutz ist es auch ausschlaggebend, wie gut die Systeme auf das jeweilige Fahrzeugmodell abgestimmt sind. Hierfür kann ZF in seiner hochmodernen Crashtest-Schlittenanlage im Technologiezentrum in Anting nahe Schanghai Versuche durchführen, die ganz speziell auf den chinesischen Markt zugeschnitten sind. „Wir blicken auf viele erfolgreiche Jahre der Zusammenarbeit mit chinesischen OEM zurück, was die Integration unserer Sicherheitssysteme in die neuesten Modellgenerationen betrifft“, sagt Wu.

ZF in China

ZF hat sein Entwicklungszentrum in Schanghai um zusätzliche Labore, Prüfstände und Büros erweitert.

Die wichtigsten Fakten in Kürze

  • 2 Entwicklungszentren
  • 6 Milliarden Euro Umsatz
  • 13.700 Mitarbeiter
  • 48 Produktionsstandorte
  • 238 Aftersales-Standorte

Meilensteine

  • 1980 Erster Vertrag zur Lieferung und Vermarktung von Getrieben
  • 1995 Gründung des ersten Produktionsstandorts in Liuzhou
  • 2005 ZF gründet in Schanghai die Zentrale für die Region Asien-Pazifik inklusive Entwicklungszentrum

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