Stark im Wandel Auf der Suche nach neuen Ideen

Vor dem Hintergrund der digitalen Transformation ist Innovationskraft ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Auf der Suche nach neuen Ideen setzt ZF auf Impulse von innen und außen.

Am Anfang war ein Unfall. Dr. Malgorzata Wiklinska stieß, als sie Leiterin des Thinktanks ZF-Denkfabrik war, beim Fahrradfahren mit einem Auto zusammen. Da kam ihr die Idee zu X2Safe. Dieser intelligente Algorithmus kann schwächere Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer, Fußgänger und Motorradfahrer per Smartphone oder Smartwatch vor einer möglichen Kollision warnen. Wenige Monate später präsentierte die ZF Denkfabrik den Algorithmus auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas.

X2Safe ist ein Beispiel dafür, wie bei ZF aus einer Mitarbeiteridee in Start-up-Geschwindigkeit ein neues Produkt entsteht. Der Konzern überlässt dabei nichts dem Zufall, denn Digitalisierung schafft einen Wettbewerbsvorteil. „Die Transformation wird nicht nur unsere Produkte, Services und Technologien berühren, sondern auch unsere Kultur“, sagt Mamatha Chamarthi, Chief Digital Officer bei ZF.

Um diesen Kulturwandel einzuleiten, holt sich das Unternehmen auch Impulse von außen, etwa über die ZF Pitch Night. In ihr trugen mehr als 50 Start-ups aus 15 Nationen ihre Ideen in der Konzernzentrale in Friedrichshafen vor. „Bei der Pitch Night haben wir uns die jungen, kreativen Köpfe der internationalen digitalen Gründerszene direkt in den Konzern geholt, damit sie ihre Ideen mit uns teilen“, erklärt Wiklinska, inzwischen Leiterin des Bereichs Digitales Ecosystem & Strategische Partnerschaften bei ZF.

Externe Partner

Die Gewinner der Pitch Night arbeiten ihre Ideen mittlerweile gemeinsam mit ZF-Ingenieuren zu innovativen Lösungen aus. Das kanadische Start-up Acerta entwickelte einen Algorithmus, der mithilfe von vorausschauender Wartung (Predictive Analytics) mögliche Zahnradbrüche in Windkraftgetrieben voraussagen kann. Diese Lösung wird auch von anderen ZF-Geschäftsbereichen adaptiert. Ein weiteres Projekt, das aus der Pitch Night hervorging, wird zusammen mit Gefasoft ausgearbeitet. Das Unternehmen aus München digitalisiert das Shopfloor-Management im ZFWerk in Saarbrücken. Diese Lösung wird zukünftig auch an anderen ZF-Standorten zum Einsatz kommen.

Im Februar gab das Unternehmen als Teil seiner Global-Innovation- Hub-Strategie zudem seine Kooperation mit dem kalifornischen Unternehmen „Plug and Play“ bekannt, einem Start-up-Förderer aus dem Silicon Valley; dazu noch die Partnerschaft mit der wachsenden Innovationsplattform „Startup Autobahn“.

Interner Einfallsreichtum

Doch auch das Potenzial der ZF-Mitarbeiter wird genutzt. Für sie etablierte das Unternehmen unter dem Titel „Digital Innovation Challenge“ einen internen Ideenwettbewerb. Dabei haben alle Mitarbeiter die Chance, frei von Hierarchieebenen und Abteilungsgrenzen ihre Ideen zur Digitalisierung zu verwirklichen. Ziel des Wettbewerbs ist es, Produkte und Services, Geschäftsprozesse und Produktion, Shopfloor und den Arbeitsplatz weiter zu digitalisieren.

„Der Wettbewerb hat interessante Ansätze hervorgebracht, die wir nun agil implementieren möchten. Unsere Mitarbeiter sollen dafür eng mit internen und externen Partnern zusammenarbeiten, damit wir den geschäftlichen Nutzen der Ideen schnell prüfen können. Ist dieser gegeben, werden wir die Ideen rasch umsetzen“, sagt Chamarthi.

ZF hat zudem den „Digital Innovation Space“ geschaffen. In diesem kreativen Raum können Teams aus Entwicklung, IT, den ZF-Geschäftsbereichen und auch externe Partner gemeinsam an digitalen Geschäftsmodellen arbeiten. Ein Projekt, das hier seinen Ursprung hat, ist das gemeinsam mit UBS entwickelte Car eWallet. Diese Anwendung basiert auf der Blockchain-Technologie und vereinfacht unter anderem das Unterwegsladen von Elektroautos. Das Konzept wurde erstmalig im Januar 2017 auf der CES vorgestellt. Auf der IAA folgen nun konkrete Funktionen. Dies zeigt, dass ZF auf der Suche nach digitalen Innovationen erfolgreich verschiedene Ansätze verfolgt.

Raum für Kreativität: Im Digital Innovation Space arbeiten Entwickler und IT’ ler gemeinsam an neuen Business-Modellen.

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