Remanufacturing bei ZF So gut wie neu

ZF arbeitet alte Komponenten industriell auf und haucht ihnen so frisches Leben ein. Das spart Material, Energie und Kosten. Der Konzern erhielt dafür jetzt eine Nachhaltigkeits-Auszeichnung.

Jedes Jahr ein Eiffelturm – so könnte das Motto am ZF-Standort Bielefeld lauten. Hier spart man durch industrielle Aufarbeitung jährlich die Menge an Stahl ein, aus der man die französische Sehenswürdigkeit zusammenschweißen könnte. Rund 50 Tonnen Altteile werden hier pro Tag angeliefert, sortiert und aufgearbeitet. Überwiegend Kupplungen und Wandler, die ansonsten verschrottet werden müssten, erhalten in Bielefeld ein zweites Leben. Diese nachhaltige Produkt-Aufbereitung ehrte jetzt das kalifornische Cradle to Cradle Products Innovation Institute mit einem Gold-Zertifikat für ausgezeichnete Umweltstrategien.

Bielefeld ist nur einer von 15 Standorten, an denen ZF industrielle Wiederaufbereitung betreibt und damit wertvolle Rohstoffe und Energie spart. Rund um die Welt unterhält der Konzern Standorte, in denen unterschiedlichste Produktgruppen aufbereitet werden. Das Spektrum reicht von Pkw-Lenkungen bis hin zu Getrieben für Baumaschinen.

Die eintreffenden Bauteile werden fachmännisch demontiert.

Ersatzteile mit Vorleben

„Wir nennen diesen Prozess Remanufacturing, um zu verdeutlichen, dass es sich hier um einen industriellen Standard handelt und nicht um eine Werkstattreparatur“, erläutert Thorsten Krug, Technischer Leiter am Standort Bielefeld. Zumindest aber seinen Anfang nimmt das Remanufacturing in der Werkstatt, nämlich durch Ausbau des Altteils. Von dort geht es über eine Sammelstelle schließlich zu einem der Remanufacturing-Standorte. Dort angekommen, begutachten und bewerten kundige Facharbeiter den Neuankömmling. Danach wird das Altteil demontiert und gereinigt. Dabei sortieren die Mitarbeiter beschädigte Einzelkomponenten aus, entsorgen sie umweltgerecht oder führen sie dem Recycling zu. Beim Zusammenbau ersetzen die ZF-Experten defekte und fehlende Einzelteile durch Ersatzteile in Erstausrüster-Qualität und tauschen Verschleißteile aus und bringen gegebenenfalls die Software auf den neuesten Stand. Dabei gibt es nur dann Abweichungen vom ursprünglichen Serienprodukt, wenn die aktuelle Technik weiter ist als zum Zeitpunkt der Erstausrüstung – in diesem Fall ist ein technisches Upgrade inklusive. Zum Schluss geht das Bauteil mit neuer Gewährleistung zurück in den Markt, wo es als Ersatzteil auf den nächsten Einsatz wartet.

Rund neun von zehn Aggregaten können auf diese Weise wieder aufgearbeitet werden. Das verlängert auch die Lebensdauer vieler Fahrzeuge, deren Serienproduktion längst abgelaufen ist – schließlich stehen Bauteile, die das Remanufacturing erfolgreich durchlaufen, in ihrer Qualität der Serie in nichts nach. Damit schließt sich die Lücke zwischen den immer kürzer werdenden Produkt-Innovationszyklen und den immer längeren Produkt-Lebenszyklen.

Der Vorteil, sowohl für Fahrzeugbesitzer als auch Werkstätten und Großhandel: Remanufacturing-Produkte sind günstiger, die Wartezeit auf Ersatzteile ist verkürzt – und obendrein wird die persönliche CO2-Bilanz verbessert.

Wiederaufbereitung von Drehmomentwandlern.

Ein Plus für Umwelt, Kunden und Konzern

ZF betreibt dieses Premium-Recycling in Bielefeld bereits seit 1963, aber die Bedeutung des Prozesses ist im 21. Jahrhundert noch gewachsen.

„Rohstoffe werden immer knapper und teurer. Bei einigen ist schon absehbar, dass in wenigen Jahrzehnten die Preise wegen Ressourcenmangels sehr stark ansteigen werden. Darum spielt Remanufacturing eine immer wichtigere Rolle“, so Jörg Witthöft, der Standortleiter.

Die Zahlen sprechen für sich, von São Paulo bis Schanghai: Zwischen 50 und 90 Prozent an Material lassen sich pro Produkt im Vergleich zur Neuherstellung einsparen. Remanufacturing verbraucht außerdem nur ein Zehntel der Energie, die für eine normale Produktion benötigt wird. In Deutschland hat mittlerweile jedes zehnte Ersatzteil ein Vorleben. Nach Schätzungen des US-amerikanischen Forschungsinstituts Global Industry Analysts (GIA) wird der globale Remanufacturing-Markt in der Automobilbranche bis 2020 auf knapp 140 Milliarden US-Dollar wachsen. Remanufacturing ist also nicht nur ein Plus für die Umwelt und den Kunden, sondern auch für den Konzern.

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