AUTOS WERDEN MOBILE LEBENSRÄUME NEUE KONZEPTE FÜR DEN INSASSENSCHUTZ

Die enormen Veränderungen in der Automobilindustrie schaffen neue Möglichkeiten für den Insassenschutz in Pkws.

Die zeitnahe Einführung automatisierter Fahrfunktionen sowie elektrifizierter Antriebsstränge wird die Konstruktion von Automobilen sowie die Kundenwahrnehmung stärker verändern als jemals zuvor. Im Zusammenspiel haben diese Technologien starken Einfluss auf die Fahrzeugarchitektur und die Gestaltung des Innenraums.

Mit elektrischen Antrieben entfallen traditionelle Mitteltunnel, sodass mit flachen Bodenkonzepten flexible Sitzanordnungen möglich werden. Mit automatisierten Fahrfunktionen, die es dem Fahrer ermöglichen, sich zeitweise von seinen Aufgaben zu lösen, verwandeln sich Autos zunehmend in mobile Lebensräume.

Für Sicherheitsingenieure stellt sich die Frage, wie viel Flexibilität für Insassen möglich ist und welche Anwendungsfälle unterstützt werden können.

Spektrum der Crashszenarien erweitert

Personen, die sich nicht mehr in der gewöhnlichen Position befinden, sorgen für zusätzliche Lastfälle und erweitern das Spektrum der Crashszenarien. Dies setzt bedeutende Änderungen an den Insassenschutzsystemen voraus.

„Mit der Einführung automatisierter Autos verschwinden Insassenschutzsysteme nicht, sondern entwickeln sich weiter", sagt Frank Laakmann, Engineering Director Occupant Safety bei ZF TRW. „Das liegt zum einen daran, dass automatisierte und manuell gesteuerte Fahrzeuge für einige Zeit zeitgleich verkehren. Der wichtigste Treiber aber werden neue Innenraumkonzepte sein. Um Insassen mehr Freiheit zu verschaffen, brauchen wir neue Airbag-Konzepte und Sicherheitsgurte mit zusätzlichen Funktionen."

Vertrauen aufrechterhalten

Für bestimmte Szenarien und Lastfälle könnte ein wirksames Sicherheitskonzept entstehen, indem bestehende Sicherheitsgurt- und Airbag-Technologien modifiziert werden – beispielsweise bezogen auf Funktionsspektrum, Größen und Verbauorte von Airbags. Die meisten Autohersteller arbeiten bereits daran, noch über die NCAP-Anforderungen für den Insassenschutz hinauszugehen. „Sie wollen das Vertrauen in ihre Marken aufrechterhalten, wenn sie automatisierte Fahrzeuge einführen", sagt Laakmann. „Dafür müssen sie Systeme bieten, die dabei helfen, die Menschen in den neuen Szenarien und Lastfällen zu schützen."

Unternehmen werden auch neue Wege zur Verwendung von Umfeldsensoren suchen. Für automatisierte Fahrzeuge werden in Zukunft Kamera, Radar und Lidar eingesetzt werden. In Zukunft könnten die Informationen dieser Sensoren auch die Interaktion mit anderen Fahrzeugsystemen und damit letztlich den Insassenschutz weiter verbessern. Denn Autofahrer erwarten von neuen Modellen die Fähigkeit zu sehen, zu denken und zu handeln.

Dadurch wird sich auch die Denkweise über Fahrzeugsicherheit ändern. „Das wird auch unsere Forschung und Entwicklung beeinflussen", ergänzte Frank Laakmann. „Wir arbeiten an kognitiven Sicherheitssystemen, indem wir alle Sensor- und Verarbeitungsfunktionen miteinander kombinieren. Nur so kann sich die Autoindustrie auf den exponentiellen Wandel vorbereiten."

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