Der Silicon-Valley-Faktor .

ZF zeigt, wie sich der kreative Spirit von Start-ups mit der langfristigen Ausrichtung eines Technologiekonzerns verbinden lässt.

Zunehmendes Tempo kennzeichnet die Automobilbranche. In immer kürzeren Zeitabständen rollen modellgepflegte und neu entwickelte Fahrzeuge in die Showrooms der Autohäuser und danach zu den Kunden. Kaum ein Hersteller wartet noch die früher üblichen acht Jahre, bis er ein neues Modell auf den Markt bringt. Doch selbst die verkürzten Zyklen von etwa fünf Jahren sind Ewigkeiten, verglichen mit den Produkten der Elektronikindustrie. Dort erwarten die Kunden nach einem Jahr eine Innovation; das zwei Jahre alte Modell eines Smartphones gilt als bereits veraltet.

Nun wachsen Automobil- und Elektronikbranche immer stärker zusammen. Das Auto agiert vernetzt, Software in Fahrzeugen wird immer mehr zum Innovationstreiber. Was das bedeuten kann, zeigte Tesla: Um die neuen Fahrerassistenzfunktionen von „Autopilot“ zu nutzen, mussten Tesla-Besitzer weder die Werkstatt ansteuern noch das Modell wechseln. Die neue Technik landete via Cloud über Nacht im geparkten Fahrzeug und stand dem Fahrer am nächsten Morgen zur Verfügung.

Autos über die Cloud updaten

Torsten Gollewski ist Geschäftsführer der Zukunft Ventures GmbH

Ein höherer Anteil an Software, kürzere Innovationszyklen, neue Geschäftsmodelle: All das betrifft auch Technologiezulieferer wie ZF. Dessen Anspruch ist es, intelligente mechanische Systeme bereitzustellen, die Fahrzeuge denken, sehen und handeln lassen. Dazu braucht das Unternehmen Innovationen und neue Ansätze – auch von außerhalb des Konzerns. Eine Möglichkeit hierzu bietet seit dem Jahr 2016 die Zukunft Ventures GmbH, eine ZF-Tochter, mit der sich der Konzern an anderen Unternehmen beteiligen kann. „Vor allem für Start-ups bieten wir die Möglichkeit, zusätzliches Investitionskapital zu erhalten. Im Gegenzug bekommen wir einen weiteren Zugang zu zukunftsfähigen und wettbewerbsrelevanten Technologien“, beschreibt Torsten Gollewski die Win-win-Situation. Dass Gollewski sowohl Leiter Vorentwicklung des ZF-Konzerns ist als auch Geschäftsführer der Zukunft Ventures GmbH, zeigt die enge Verzahnung. Erste Beteiligungen sind bereits vollzogen. An der Hamburger Technologieschmiede Ibeo hat ZF einen Anteil von 40 Prozent. Beide Unternehmen werden eine neue Generation von Lidar-Sensoren für die Automobilbranche entwickeln. Sie sind für das autonome Fahren unabdingbar. Ebenfalls mit 40 Prozent beteiligt ist ZF am Softwarespezialisten Doubleslash in Friedrichshafen. Mit dem Unternehmen in der Nachbarschaft arbeitet ZF bereits seit Jahren beim Thema Fahrzeugvernetzung zusammen.

Start-ups auf die Sprünge helfen

Ein weiterer strategischer Schritt in die Zukunft ist die Kooperation mit „Plug and Play“. Dies ist ein sogenannter Start-up-Accelerator mit Sitz in Sunnyvale, mitten im kalifornischen Silicon Valley. Die Zusammenarbeit mit Plug and Play beantwortet die Frage, wie ZF die vielen Start-up-Unternehmen finden und sichten will, die für seine Technologiebereiche relevant sein könnten. Die Kalifornier sind seit Jahren auf diesem Feld aktiv, und das weltweit. Der Accelerator, der im vergangenen Jahrzehnt mehr als 2.000 Start-ups auf die Sprünge geholfen hat, kennt die Automobilbranche. Die deutsche Niederlassung kooperiert über das Projekt „Startup Autobahn“ bereits intensiv mit dem Autohersteller Daimler sowie mit der Uni Stuttgart – und nun auch mit ZF.

Aus dem Sichten potenzieller Partner und einer ersten Kontaktaufnahme kann schnell ein konkretes Projekt werden. „Von der Zusammenarbeit mit Start-ups kann ZF in mehrfacher Hinsicht profitieren“, sagt Torsten Gollewski. Er verfügt aus früheren Tätigkeiten in der Automobilindustrie bereits über viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit jungen Technologieunternehmen. Unkonventionelle Ideenfindung, kreative neue Prozesse sowie ein insgesamt schnellerer Weg von der Idee zum Serienprodukt betrachtet Gollewski als große Vorteile. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass die Start-ups nicht nur mit der Vorentwicklung des Konzerns zusammenarbeiten, sondern auch mit den Divisionen. Schließlich liegt dort die Verantwortung für die Serienprodukte von ZF – und letzten Endes für die Zeit bis zum Marktstart.

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