CAR-Symposium 2017 Autonomes Fahren beginnt mit Sicherheit

Auf dem diesjährigen CAR-Symposium erläuterte ZF-Vorstandschef Dr. Stefan Sommer, warum autonomes Fahren ganz besondere Anforderungen an die Sicherheitstechnik stellt und wie Lösungen aussehen können.

Es ist bereits eine Institution in der automobilen Welt: das Internationale CAR-Symposium in Bochum. Am 1. Februar fand es bereits zum 17. Mal statt. Das Thema dieses Jahres lautete „Zeitenwende in der Automobilindustrie“. Mehr als 1200 Interessierte aus Industrie, Forschungswelt und Medien trafen hier zusammen, um sich auszutauschen und in Podiumsdiskussionen, Vorträgen sowie in zahlreichen Workshops mehr zu den drängenden Fragen zu erfahren, die derzeit die Mobilitätsbranche beschäftigen. Die Themen Elektromobilität, Vernetzung und autonomes Fahren zogen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung.

Für Symposium-Organisator Professor Ferdinand Dudenhöffer ist dies geradezu unausweichlich, denn: „Elektromobilität ist für die Hersteller eine riesige Herausforderung. Man muss wissen, dass 30 bis 35 Prozent des Werts eines Autos am Motor, dem Getriebe und der Abgasanlage hängen. Da geht es zum Beispiel um die Frage Beschäftigung. Und schließlich ist autonomes Fahren das große Thema bei den Auto-Leuten“, erklärt der Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen in einem Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Akzeptanz basiert auf sicherer Technik

Damit das hochautomatisierte und im nächsten Schritt das autonome Fahren von Zulassungsbehörden und Kunden akzeptiert wird, ist das Thema Sicherheit von entscheidender Bedeutung. So müssen die aktiven Sicherheitssysteme des Fahrzeugs bereits die Möglichkeit von Kollisionen auf ein vernachlässigbares Restrisiko reduzieren. Sollte sich ein Crash dennoch nicht vermeiden lassen – schließlich sind nicht alle Fahrzeuge auf den Straßen sofort mit der gleich hochentwickelten Sicherheitstechnik ausgestattet – müssen passive Sicherheitssysteme wie Airbags perfekt funktionieren.

Da sich die die Fahrzeuge sowohl beim Antriebskonzept als auch bei der Innenraumgestaltung massiv verändern werden, ist eine daraufhin abgestimmte Sicherheitsarchitektur unabdingbar. Schließlich bedeutet autonomes Fahren auch, dass Fahrer und Beifahrer die neu gewonnene Freiheit während der Fahrt dazu nutzen werden, andere Dinge zu tun als heute. Arbeiten, spielen, lesen, sich gegenübersitzend unterhalten oder einen Film ansehen sind nur einige Beispiele. Variable Innenraumkonzepte der Autos werden all dies ermöglichen. Weil die Insassen im Auto der Zukunft nicht mehr streng nach vorn ausgerichtet sitzen, schützen Gurt- und Airbagsysteme wie wir sie heute haben, nicht mehr ausreichend. „Deshalb arbeiten wir sehr intensiv an dafür geeigneten Lösungen, die tatsächlich auch disruptive Veränderungen bei der Sicherheit mit sich bringen“, sagte ZF-Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Sommer in seinem Vortrag „Innovationstreiber aktive und passive Sicherheit bei Pkw und Lkw“. Möglich sind etwa weiterentwickelte Airbag-Lösungen oder neue Orte der Unterbringung, beispielsweise im Dachhimmel. „Auch sind Außenairbags am Fahrzeug denkbar, die im Falle eines Seitenaufpralls bis zu 30 Prozent der Aufprallenergie außerhalb des Fahrzeugs absorbieren. Das wäre ein signifikanter Schritt bei der freien Gestaltung des Innenraumes“, ergänzt Sommer.

Die Sicherheit ist nur eine wichtige Facette beim großen Thema „autonomes Fahren“. Bei gesamthafter Betrachtung kommt CAR-Symposium-Organisator Dudenhöffer zum Schluss: „Die Autoindustrie steht vor Herausforderungen, wie es sie in den vergangenen 100 Jahren nicht gegeben hat.“

Bilder: Jan Schürmann/D+S Automotive; ZF

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