Industrie 4.0: Willkommen in der neuen Arbeitswelt!

Ob in der Werkhalle oder im Büro, die Digitalisierung schreitet schnell voran. Mit dem Bürokonzept 3.0 in der neuen ZF-Hauptverwaltung werden Kommunikation und Vernetzung gefördert.

So viel Veränderung war nie. Digitalisierung und Globalisierung wälzen Business, Work und Life um. Neue Produkte und Geschäftsmodelle drängen auf den Markt – nicht zuletzt auch in der Automotive-Industrie. Vernetzung und Big-Data-Modelle verändern die industrielle Produktion nachhaltig. Und auch alle anderen Modelle der Zusammenarbeit befinden sich im Wandel. ZF als einer der größten Automobilzulieferer weltweit begleitet diesen Wandel und treibt ihn voran.

Arbeitsplätze teilen

Teamwork dank Technik: US-Kollege Robert Copelan konferiert mit seinen Kollegen in Deutschland

Ein Büro-Umzug im größten Planungsstress, das klingt nach einem Horrormonat. Aber Andrea Rudolf und ihre Kollegen im Konzern-Controlling stellen sich der Herausforderung. Erst vor Kurzem sind sie mit insgesamt 650 Kollegen ins ZF Forum in Friedrichshafen gezogen, die neue Hauptverwaltung des Konzerns – ausgerechnet in der heißen Phase der operativen Planung.

Doch im Forum finden Andrea Rudolf und ihre Kollegen alles vor, was ihre Arbeit erleichtert: Denn was sie jetzt brauchen – Konferenzräume zum Diskutieren und Rückzugsräume für vertrauliche Gespräche mit den Controllern der Divisionen –, soll im „Bürokonzept 3.0“ optimal umgesetzt werden. Es markiert für ZF den Beginn einer neuen Ära: Statt persönlich zugeordneter Arbeitsplätze setzt der Konzern in der Büroarbeit erstmals auf ein non-territoriales, flexibles Konzept, in dem man sich Arbeitsplätze teilt.

Wer dabei an ein Großraumbüro denkt, irrt gewaltig. Vielmehr zeigt sich beim Rundgang durch das sechsstöckige Gebäude eine ungewöhnliche Vielfalt: Die Lounge erinnert mit ihren Tischen und Sofas eher an ein Café, Projekträume mit großen Bildschirmen gibt es genauso wie die „Bibliothek“, einen beruhigten Bereich für Stillarbeit. An herkömmliche Büros erinnern am ehesten die großzügig verteilten Arbeitsplätze mit je zwei Bildschirmen. „In einer dieser Ecken arbeitet derzeit unser Team, in anderen Zeiten verteilen wir uns wieder frei auf der gesamten Fläche“, erklärt Andrea Rudolf.

Ein paar Meter weiter lächelt ein Smiley von einer Glastür: das Signal dafür, dass der Leiter von Rudolfs Abteilung heute nicht da ist – und jeder andere sein Büro nutzen darf. Erst jetzt fällt auf, dass hier etwas fehlt: Namensschilder. Desk Sharing gilt bei ZF für alle. Statt personalisierter Schreibtische hat der Konzern eine Wohlfühlatmosphäre mit vielen Freiheiten geschaffen. Dadurch „bekommt jeder Mitarbeiter genau den Arbeitsplatz, den er gerade benötigt, um effizient arbeiten zu können“, betont Dr. Robert Omagbemi, Projektleiter des Bürokonzepts 3.0.

Andrea Rudolf gehört zu den rund 650 Konzernmitarbeitern in der neuen Hauptverwaltung, dem ZF Forum, die von den Vorzügen des vielseitigen Bürokonzepts profitieren.

Virtuelle Konferenzen

Dass Andrea Rudolf zur großen Mehrheit der Pilotnutzer gehört, die das neue Bürokonzept Freunden „absolut empfehlen“ würden, hat auch mit der modernen IT-Ausstattung zu tun. So arbeiten bei ZF seit dem Rollout von „Skype for Business“ virtuelle Teams weltweit über Videokonferenzen zusammen. Das tut auch Robert Copelan, Projektleiter im IT-Innovationsmanagement, der so Kontakt zu seinen Kollegen aus aller Welt hält.

An diesem Morgen setzt er sich in Gainesville, Georgia, einen Kopfhörer auf und dankt seinen deutschen Kollegen dafür, „den schönen Sonnenaufgang genießen zu dürfen“. Bei ihm ist es erst sieben Uhr in der Früh, während Abteilungsleiter Jan Falke in Friedrichshafen schon die Nachmittagsrunde am Konferenztisch eröffnet.

Profitechnik im Büro – das Skype-Telefon mit 360-Grad-Kamera rückt immer automatisch den Mitarbeiter ins Bild, der gerade spricht.

Mit dabei im Abteilungs-Jour-fixe sind außerdem ein brasilianischer und ein chinesischer Kollege. Auf dem Konferenztisch steht eine Roundtable-Kamera, die automatisch den Teilnehmer groß ins Bild setzt, der gerade spricht. „Skype for Business macht uns rund um die Welt zu einem echten Team“, freut sich Copelan.

Dazu gehört genauso die Chat-Funktion, mit der Copelan mit Kollegen in aller Welt via Instant-Messaging kommunizieren kann, „als ob man sich gerade in der Teeküche treffen würde“. Abgerundet wird der Live-Effekt durch das digitale Notizbuch OneNote, mit dem Copelan in Echtzeit Ideen festhält und mit dem Team am gleichen Dokument arbeitet.

Dass virtuelle Teams quer über die Kontinente zusammenarbeiten, ist bei einem Global Player wie ZF inzwischen Alltag. Nur ein gravierendes Manko sieht Copelan in virtuellen Teams. „Ich kann den guten deutschen Kaffee nur noch sehr selten in Friedrichshafen genießen.“

Software steuert Montage

Dass im Zeitalter der digitalen Vernetzung nichts mehr unmöglich scheint, hat Birol Serdar erlebt. „Wie Science-Fiction“ kam dem Bandarbeiter aus der Getriebemontage in Friedrichshafen sein neuer Arbeitsplatz in der Getriebefertigung der Nutzfahrzeugdivision anfangs vor: Roboter drehen die 300 Kilogramm schweren Getriebe am Band wie von Zauberhand in die ideale Position zum Bearbeiten, auf Touchscreens findet er immer genau die Information, die er gerade für die Montage braucht. Serdar staunt immer noch: „Ich bin mit dem Computer eins geworden.“

Computer Aided Assembly (CAA) lautet der Fachbegriff für das System, das in Friedrichshafen, Sorocaba und Passau zum Einsatz kommt und zeigt, wie ZF die Chancen der Industrie 4.0 nutzt. Flexibilität ist ein wichtiges Stichwort: 190 Getriebe montiert Birol Serdar pro Schicht, keines gleicht dem anderen, 6000 Produktvarianten sind möglich. Da freut Serdar sich über „PickbyLight“, eine Lösung für papierloses Kommissionieren. Beim Arbeitsschritt „Kleinteile“ beispielsweise leuchtet im Regal genau die Schublade, in der sich das benötigte Bauteil befindet.

Das Werkerassistenzsystem informiert, gibt Betriebsmittel frei und hilft bei Qualitätsprüfungen. Nur eines kann und soll es nicht: den Menschen ersetzen. „Oft verbindet man mit Industrie 4.0 Vollautomatisierung, aber viele Handgriffe brauchen auch in Zukunft menschliches Geschick“, betont Dr. Nils Macke, Leiter Steuerkreis Industrie 4.0 bei ZF. Birol Serdar sorgt sich nicht, dass ihn Roboter verdrängen könnten. „Dazu sind unsere Produkte viel zu komplex und individuell.“

Eins mit dem Computer: Das computergestützte Werkerassistenzsystem unterstützt Birol Serdar bei der Getriebemontage.

„Wie ein Netzwerk“

ZF-Personalvorstand Jürgen Holeksa

Neue Technologien, eine neue Generation: ZF-Personalvorstand Jürgen Holeksa über den Wandel in der Arbeitswelt.

Wie verändert die Digitalisierung ZF?
Der Wandel ist fundamental und er spielt sich in der Produktion wie in den Büros ab. Unsere Werke sind heute schon durchaus effizient, aber mithilfe neuer Technologien und des automatisierten Austausches von Daten in Echtzeit kann die Effizienz noch weiter erhöht werden – allerdings nicht zu Lasten der Arbeitnehmer. Künftig werden die Mitarbeiter in den Werkhallen verstärkt für die Überwachung und Steuerung von Anlagen gebraucht. Dafür sind zum Teil neue Qualifikationen nötig. Aber wer bereit ist, lebenslang zu lernen, dem bietet die Digitalisierung große Chancen.

Welche Effekte sehen Sie für das Büro der Zukunft?
Auch hier stellt uns die Digitalisierung vor Herausforderungen, die wir nur mit mehr Flexibilität meistern können. Dabei hilft uns unser non-territoriales Bürokonzept 3.0 im ZF Forum ebenso wie die zunehmend digitalisierten Arbeitsabläufe. Diese schaffen zudem die Voraussetzungen, um mobiles Arbeiten im Büro oder im Homeoffice besser umzusetzen.

Welche Folgen sehen Sie für die Unternehmenskultur?
Weil gerade die Digital Natives – Mitarbeiter, die mit dem Computer aufgewachsen sind – ihre Erfahrungen und Gewohnheiten aus den sozialen Netzwerken mitbringen, funktioniert auch ein Unternehmen wie ZF immer stärker wie ein Netzwerk. Teamwork, Flexibilität und Eigenverantwortlichkeit gewinnen an Bedeutung. Ein Büroarbeitsplatz spielt nicht mehr die entscheidende Rolle. Und auch in der Produktion steigt die Verantwortung des Einzelnen. Das ist auch für die Führungskräfte eine Herausforderung. Letztlich ist es aber eine Frage des Vertrauens – und was zählt, ist im Endeffekt das Ergebnis.

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