Porsche Junioren Bremsentest von den Profis

Porsche Junioren testen Bremssysteme von ZF TRW auf der Teststrecke im Hunsrück.

Bremsen ist für Rennfahrer eher kontraproduktiv, schließlich lieben sie ja eigentlich das Gegenteil – die Beschleunigung und damit Tempo. Die Porsche Junioren, die eigentlich auch eher schnell unterwegs sein wollen, beschäftigten sich als Gäste von ZF jetzt intensiv mit dem Thema Bremsen. Der Workshop fand auf der von dem Koblenzer ZF TRW-Bremsenwerk genutzten Teststrecke in Wüschheim (Hunsrück) statt.

Dass effektives Bremsen, insbesondere im Rennsport, etwas mehr ist als nur das Treten eines Bremspedals, das vermittelten die ZF TRW-Ingenieure Frank Schmidt, René Brenner und Heiko Tönges. In ihren Präsentationen haben sie mit mathematischen Berechnungen belegt, dass insbesondere eine ideale Bremsbalance den Rennfahrer zum gewünschten Erfolg bringt: eben zu schnelleren Rundenzeiten. „Eine ideale Abstimmung zwischen Bremssystem und Brems-Performance ist entscheidend“, erläuterte Frank Schmidt vor den Porsche Junioren.

Video: Der Workshop im Hunsrück

In Wüschheim machten die Porsche Junioren das, was sie normalerweise ungern tun: bremsen.

Die Teststrecke Wüschheim

ZF TRW nutz das ehemalige US-Militärgelände in Wüschheim (Hunsrück) seit 1993. Auf dem 80.000 qm großen Gelände befindet sich ein Verwaltungsgebäude mit Tagungs- bzw. Schulungsraum, Werkstatt, Garagen (mit Versorgungsmöglichkeit für Elektro-Autos). Die Asphalt-Teststrecke umfasst eine Gesamtlänge von 1.700 m, zusätzlich gibt es ein Rondell (mit Bewässerung) mit einem Radius von 50 m sowie weitere spezielle Testbahnen: Zum Beispiel eine gekachelte (und bewässerte) Strecke für Bremsentests bei Glätte und mehrere Hügel mit unterschiedlichen Neigungswinkeln zwischen 15 und 50 %.

Zusammenarbeit ist Grundlage für den sportlichen Erfolg

ZF ist seit Jahren über die Schweinfurter Tochter Race Engineering Partner der Zuffenhausener Nachwuchs-Rennfahrer. Innerhalb dieses Sponsorships besuchen die Porsche-Junioren einmal pro Jahr ein ZF-Werk, um im Austausch mit ZF-Ingenieuren Grundlagenwissen über die ZF-Technik generell und über die im Rennwagen eingebauten ZF-Produkte im Speziellen anzueignen.

„Dieses Zusammenwirken von ZF-Ingenieuren und den Porsche-Nachwuchsfahrer ist Grundlage für den gemeinsamen sportlichen Erfolg“, beschreibt Thomas Jörns, verantwortlich für das Thema Antriebsstrang bei ZF Race Engineering, Sinn und Zweck des turnusmäßigen Austauschs. Jörns betont, dass sich die langjährige Zusammenarbeit auf eine ganze Reihe nationaler und internationaler Rennserien und Anwendungen erstreckt, wie zum Beispiel auf die WEC (Langstrecken-Weltmeisterschaft). Er erinnert an das spektakuläre Finale von Le Mans in diesem Jahr, das Porsche für sich entscheiden konnte. „Auch dank der Zuverlässigkeit der ZF-Produkte im siegreichen Porsche Fahrzeug“, fügt Jörns an. Mit dem Engagement bei den Porsche-Junioren, so Jörns, möchte ZF die Partnerschaft mit Porsche kontinuierlich und nachhaltig festigen, damit Anforderungen und Kompetenzen stets in einem ausgezeichneten Verhältnis zueinander stehen.

Beim Bremsen-Workshop der Porsche Junioren auf der Hunsrück-Teststrecke kam die Praxis nicht zu kurz. Ob auf der gewässerten Kachelfläche oder im Rondell: Die Porsche-Nachwuchsrennfahrer testeten die ZF-Bremssysteme auf Herz und Nieren. „Spannend war das Ausloten der Bremsbalance zwischen Vorder- und Hinterachse, um zu verhindern, dass die Räder blockieren“, fasst Porsche Junior Sven Müller zusammen. Sein Fazit: Bremsen ist alles andere als kontraproduktiv für den Motorsport.

Drei Fragen an Porsche Junior Mathieu Jaminet

Fährt seit elf Jahren Rennwagen: Mathieu Jaminet (21)

Seit wann fährst du Autorennen?
Ich begann mit zehn Jahren in der Cart-Klasse, mit 15 stieg ich in die Formula-Klasse auf. In diesem Jahr kam ich zu den Porsche Junioren, u.a. fuhr ich im Porsche Mobil 1 Supercup und im Porsche Carrera Cup France.

Was war dein größter Erfolg?
In der aktuellen Saison war mein Sieg im Porsche Supercup auf der belgische Rennstrecke in Spa. Erwähnen möchte ich den Gewinn des Rookie-Titels beim Porsche Supercup in Monza Anfang September dieses Jahr.

Was sind deine Eindrücke von diesem Event hier auf der Hunsrück-Teststrecke?
Da ich ja zum ersten Mal Gast bei ZF bin, war es für mich sehr interessant. Die Marke ZF war für mich neu, ebenso die Teststrecke hier im Hunsrück. Für mich als Rennfahrer sind die Informationen zu den einzelnen Bremssystemen von ZF TRW sehr wichtig, insbesondere zu verstehen, wie zum Beispiel das ABS-System im Detail funktioniert.

Drei Fragen an Organisator Frank Schmidt

Frank Schmidt (rechts) während des Bremsen-Workshops im Gespräch mit den Fahrern

Warum haben Sie Bremsen in den Mittelpunkt der Veranstaltung gestellt?
Wir haben zuvor die Erwartungshaltung der Gäste abgefragt. Die Antwort war, typisch für Rennfahrer: Wie werden wir schneller? Jetzt macht Bremsen Rennfahren nicht schneller – Bremsen macht langsamer. Und trotzdem ist eine ideale Abstimmung des Bremssystems und der Bremsperformance natürlich für schnelle Rundenzeiten wichtig. Die Fahrer wollen spät bremsen, die Fahrer wollen effizient bremsen. Wir vermitteln heute theoretische Hintergründe, wie sie genau das tun können.

Wie wichtig ist eine Bremse im ganzen Zusammenspiel der Technik im Rennauto für ein gutes Ergebnis?
Erst einmal hat die Bremse einen ganz wesentlichen Sicherheitsaspekt. Das gilt im Rennsport wie auf der Straße. Der Fahrer muss zu jeder Zeit das Auto kontrollieren können, muss das Auto verzögern können, um reagieren zu können auf den Verkehr und auf den Streckenverlauf. Natürlich ist die Bremse aber auch wichtig für schnelle Rundenzeiten: wenn man spät bremst, fährt man länger schnell. Insofern hat die Bremse einen großen Anteil an einer schnellen Rundenzeit.

Wie groß ist Interesse der Porsche Junioren am Thema Bremse?
Groß. Das war früher nicht so. Früher hat man nur an schnelles Fahren gedacht, früher war Bremsen was „Böses“, weil bremsen langsam macht – so die Denkweise damals. Aber inzwischen hat jeder Rennfahrer verstanden, dass nur richtiges und effektives Bremsen auch schnell macht.

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