ZF-Zukunftsstudie Lieferverkehr 4.0

Der digitale Wandel steigert die Erwartungen an die Logistik immens, lässt diese aber auch immer leistungsfähiger werden. Die neue ZF-Zukunftsstudie beleuchtet dieses Kräftespiel auf der letzten Meile.

Fast geräuschlos gleitet der Elektrotransporter über den Asphalt.Um fünf Uhr morgens möchte niemand das laute Nageln eines Dieselmotors hören. Sein Fahrer läuft mit einem Stapel kleinerer Pakete einige Meter voraus. Er muss sein Fahrzeug nicht ständig neu starten und Stück für Stück weiterbewegen, es folgt ihm automatisch. Die Armbanduhr des Boten zeigt dem intelligenten Transporter, wohin er seinem Fahrer folgen soll. Aber die smarte Uhr kann noch mehr. Sie öffnet nicht nur die Ladeluke des Autos, sondern leitet den Boten auch zu Paketfächern der Kunden, öffnet diese und quittiert die Abgabe mit Uhrzeit und GPS-Position.

Die letzte Meile

Logistik von morgen: Der Transporter folgt dem Paketboten automatisiert und dank Elektroantrieb lokal emissionsfrei durch die Straßen.

Das ist nur ein Szenario, das schon bald Realität sein könnte. Die mutmaßlich starken Veränderungen der nächsten zehn bis 15 Jahre sind Thema der neuen ZF-Zukunftsstudie, die der Konzern zusammen mit dem ETM Verlag in Stuttgart erarbeitet. Während der Fokus bei den Vorgängerstudien auf Fernverkehr und Fahrpersonal lag, geht es nun um den Warenverkehr auf der sogenannten letzten Meile.

Als wissenschaftlicher Leiter kümmert sich Professor Uwe Clausen vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund um die Studie. „Neben einer weiter zunehmenden dezentralen Flexibilität durch Autonomisierung werden wir auch eine weiter steigende Vernetzung im Sinne von Integration, globaler Kommunikation, vorausschauender Planung und unternehmensübergreifender Disposition von Ressourcen sehen“, prognostiziert der Experte, der vor seiner wissenschaftlichen Karriere unter anderem bei Amazon arbeitete.

Die Studie wird zeigen, wie sich das Spannungsfeld E-Commerce, Fahrzeugtechnik und Konnektivität verändern wird. Dabei spielen auch demografische Aspekte eine Rolle, etwa das Konsumverhalten einer zunehmend alternden Gesellschaft, die jedoch immer stärker bereit ist, Leistungen des stationären Handels durch Online-Lieferdienste zu ersetzen.

Gleichzeitig bringt dieser steigende Bedarf zwangsläufig ein hohes Verkehrsaufkommen mit sich. Die Transportfahrzeuge benötigen Platz, verbrauchen Energie und erzeugen Emissionen. Neue Fahrzeugtypen – vorwiegend mit elektrischem Antrieb – sind gefordert, um hier Lösungen zu entwickeln. Die sich bereits jetzt bezeichnenden Wege führen zu einer weiteren Diversifikation von Transportmitteln bis hin etwa zu Lastenfahrrädern. Auch Drohnen sind für manche Spezialanwendungen denkbar.

Internet der Dinge

Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen, Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik

Das Internet der Dinge (IoT) wird auch in der Transportbranche zunehmende Bedeutung erlangen und viele Bereiche der Lieferkette erfassen. Die anfallenden Informationen (Big Data) zu analysieren und damit die Prognose des Konsumverhaltens zu optimieren, wird eine der entscheidenden Herausforderungen bei der Entwicklung von Versorgungskonzepten für Handel und Wirtschaft sein.

Bis zum Jahresende wollen die Experten die Studie abschließen. Politiker und Entscheider in Wirtschaft und Fahrzeugtechnik werden damit ein wertvolles Instrument erhalten, das sie vielleicht die Weichen ganz neu stellen lässt.

Foto: Fraunhofer IML

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