Aftermarket Aus einer Hand

Gut ein Jahr nach der Übernahme von TRW führt ZF die beiden Aftermarket-Organisationen ZF Services und TRW Aftermarket zusammen. Damit entsteht die zweitgrößte Aftermarket-Organisation der Welt.

Weltweit sind immer mehr Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs. Lag die Zahl registrierter Kraftfahrzeuge vor zehn Jahren noch bei rund 900 Millionen, ist der weltweite Bestand mittlerweile auf mehr als 1,2 Milliarden angestiegen. Neue Personenwagen, Lastkraftwagen und Busse sind immer stärker digital vernetzt und erzeugen dadurch eine große Menge an Daten, auch wenn es um Verschleiß- und Ersatzteile geht. Altfahrzeuge haben nach ihrem Einsatz in Industrieländern häufig noch ein zweites Leben in anderen Weltregionen und müssen auf lange Zeit mit Ersatzteilen versorgt werden. „Der weltweite Aftermarket steht dank Innovationen wie etwa der Elektromobilität und der zunehmenden Digitalisierung vor einem gigantischen Umbruch“, sagt Marco Neubold, Leiter des Projekts ZF Aftermarket. Seit der Übernahme von TRW im Mai 2015 arbeitet er mit seinen Kollegen an einer Antwort darauf: Ab dem 1. Januar 2017 wird es nur noch einen Aftermarket-Bereich von ZF geben, um noch schlagkräftiger passende Konzepte für einen digital vernetzten Service der Zukunft entwickeln zu können.

Das Beste aus beiden Welten

Der Integrationsprozess wird zügig vorangetrieben, ist aber dennoch kein Schnellschuss. „Wir nehmen uns die Zeit, in beide Organisationen zu schauen, um unseren Kunden zukünftig das Beste aus beiden Welten anbieten zu können“, betont Neubold. Um die Erfordernisse des Marktes einzubringen, sind Interviews mit ausgewählten Kunden wichtiger Bestandteil des Projekts. Befragt wurden Großkunden mit Schwerpunkt aus den Märkten Nordamerika, Europa und Asien. Schnell war klar: Sie fordern den Zusammenschluss. „Da sich das Produktportfolio von ZF und TRW in vielen Bereichen ergänzt, können unsere Kunden so viel schneller von unserer globalen Präsenz profitieren“, berichtet Neubold. Die neue Organisation wird mit mehr als 8000 Mitarbeitern in 35 Ländern präsent sein und über mehr als 650 zertifizierte Servicepartner verfügen.

Erste Beispiele, wie sich Kundenzugang und Produktangebot miteinander verbinden können, gibt es bereits. So vertreibt ZF Aftermarket in Mexiko bereits Bremsbeläge von TRW und hat zudem in Nordamerika erfolgreich TRW-Lenkgetriebe mit ins Portfolio genommen. Die Kunden haben auch künftig lokale Ansprechpartner, profitieren aber von effizienteren Entscheidungswegen dank der neuen Aufstellung in globalen Geschäftsmodellen. „Das reduziert die Komplexität in einem globalen Markt, in dem die Strukturen immer stärker verschwimmen“, sagt Neubold.

Mit mehr as 8000 Mitarbeitern ist ZF Aftermarket künftig weltweit in 35 Ländern vertreten und hat 650 zertifizierte Servicepartner.

Immer mehr Komponenten ab Werk mit Intelligenz

Remanufacturing: Der After-Sales-Bereich bei ZF beinhaltet die Wiederaufbereitung von Fahrzeugkomponenten.

Vor diesem Hintergrund wird die neue Organisation auch ihr Angebot für freie Werkstätten weiter ausbauen. So wird ab 2017 die Produktmarke TRW in das Werkstattkonzept „ZF Services [pro]Tech“ integriert, das die Werkstätten unter anderem mit detaillierten technischen Informationen und mit Praxis-Trainings zum gesamten ZF-Produktportfolio unterstützt. Das ist wichtig, weil immer mehr Komponenten ab Werk mit Intelligenz ausgestattet werden. Hochvolt-Komponenten sind zunehmend vernetzter, die Werkstätten haben vermehrt mit den Herausforderungen elektrifizierter Fahrzeuge zu tun. ZF schult die Mechaniker darin, mit solchen Fahrzeugen umgehen zu können. In einzelnen Regionen wird ZF Aftermarket zudem die Aktivitäten im Direktvertrieb bündeln. So werden etwa die beiden existierenden Online-Flagship-Stores im chinesischen Markt zusammengeführt.

Kombinierte Technologien

Die Zusammenlegung der Aftermarket-Bereiche wird Auswirkungen auf das gesamte Geschäft von ZF haben. „In Zukunft werden wir immer häufiger kombinierte Technologien von ZF und TRW sehen – das Advanced Urban Vehicle als Stadtauto der Zukunft ist ein erstes Beispiel dafür“, berichtet Neubold. „Mit der gemeinsamen Organisation wollen wir diese Systemkompetenz auch in den Aftermarket einbringen.“ Er ist überzeugt davon, dass eine starke Position im Aftermarket auch das gesamte Erstausrüster-Geschäft beflügeln kann. Denn die Endkunden kaufen zunächst ein Gesamtprodukt – und erleben den Service für die ZF-Technik erst später im After-Sales-Bereich, wenn sie Ersatzteile benötigen.

„Wenn wir einen Mehrwert über den gesamten Lebenszyklus anbieten, werden wir am Ende auch als Erstausrüster noch stärker gefragt sein“, sagt Neubold. Der Ansatz schließt auch die Aufarbeitung gebrauchter Fahrzeugkomponenten mit ein. Das sogenannte „Remanufacturing“ beispielsweise von Getrieben, Achsen und Kupplungen nach industriellen Standards in Erstausrüsterqualität wird ZF Aftermarket auch in der neuen Organisationsform weiter ausbauen.

Systemkompetenz im Aftermarket

Helmut Ernst ist der zukünftige Leiter der ZF Aftermarket-Organisation

Interview mit Helmut Ernst, zukünftiger Leiter der ZF Aftermarket-Organisation.

Welche Ziele verfolgen Sie mit der neuen Organisation?
ZF ist ein globaler Zulieferer und Technologieführer, auch in Bereichen, in denen die digitale Vernetzung von Fahrzeugen weit vorangeschritten ist – etwa beim automatisierten Fahren und bei aktiven und passiven Systemen für mehr Sicherheit. Die neue, gemeinsame Organisation stellt sicher, dass diese Systemkompetenz auch in den Aftermarket getragen wird. Digital vernetzte Fahrzeuge teilen in Zukunft ihren Wartungsbedarf mit und unsere neue Organisation sorgt dafür, dass das auch im Aftermarket verstanden wird.

Wodurch unterscheiden Sie sich von Ihren direkten Wettbewerbern?
Aus meiner Sicht liegt der größte Unterschied darin, dass wir ein One-Stop-Shop-Konzept verfolgen. Darunter verstehe ich, dass wir ein breites Produktportfolio in Erstausrüsterqualität anbieten, das wir jederzeit um anwenderspezifische Services wie technische Informationen, Trainings und umfassenden Reparaturservice ergänzen. Darüber hinaus decken wir sowohl Automotive- als auch Non-Automotive-Kunden ab. Das ist einzigartig im Markt.

Welche Rolle spielen dabei die einzelnen Produktmarken?
Unsere etablierten Premiummarken wie Sachs, Lemförder, TRW, Boge und Openmatics sind Garanten für unsere hohen Qualitätsstandards und für unsere Systemkompetenz in einer zunehmend digital vernetzten Welt. Der Name TRW wird als Produktmarke erhalten bleiben. Denn die Marke TRW hat im Markt Gewicht und wird das bisherige Markenportfolio – neben Sachs, Lemförder, Boge und Openmatics – bereichern.

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