TraXon Grenzenlos im Einsatz

Ob in Märkten wie Brasilien und China oder in neuen Fahrzeugen sowie Kränen: Das modulare Nutzfahrzeuggetriebe TraXon findet weltweit zahlreiche zusätzliche Anwendungen.

"Wer einmal einen schweren Lkw mit TraXon gefahren ist, will sich von dem Getriebe offensichtlich nicht mehr trennen.“ So fasst Fredrik Staedtler, Leiter der Division Nutzfahrzeugtechnik von ZF, das Feedback erfahrener Test- und Speditionsfahrer aus verschiedenen Ländern zusammen. Die positiven Rückmeldungen liegen sicher am Komfort und den Geschwindigkeitsvorteilen beim Schalten. „Immer neue Kunden gewinnt TraXon aber auch durch seinen klassenbesten Wirkungsgrad von bis zu 99,7 Prozent, die hohe Spreizung – beides macht Lkw sparsamer – und mit seinen universellen Talenten. Über fünf Module lässt sich das Grundgetriebe sehr einfach auf nahezu jede Anforderung maßschneidern, die schwere Nutzfahrzeuge stellen können“, ergänzt Staedtler. Und so erlebt TraXon zurzeit einige Einsatzpremieren – auf neuen internationalen Märkten und in neuen Fahrzeugsegmenten.

Markteintritt in Brasilien, China und der Türkei

Zunächst wird das TraXon in Friedrichshafen produziert, dann auch an den weltweiten Standorten.

Noch in diesem Jahr wird das Getriebe in China eingesetzt – bei Foton, einem der größten Lkw-Bauer im Reich der Mitte. Für dessen neuen Lkw stellt ZF die TraXon-Variante mit der integrierten Getriebebremse Intarder bereit. Erfolgreichen Anteil am Markteintritt hat sicher auch die ZF-Elektronik, die das Getriebe mittels PreVision GPS vorausschauend schalten lässt und ihm gleichzeitig Funktionen wie Rollen und Freischaukeln ermöglicht.

Geografisch rund 7000 Kilometer weiter westlich im türkischen Gölcük setzt der Hersteller Ford Otosan ebenfalls auf TraXon: Alle Euro-6-Lkw der neuen Ford Cargo-Baureihe bewältigen damit serienmäßig ihre Transporteinsätze. Wiederum circa 11.000 Kilometer Luftlinie entfernt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, um das Getriebesystem in Brasilien fit für den Serienanlauf in Lateinamerika zu machen.

Die drei Aufträge markieren die ersten Starts des Getriebes bei Kunden außerhalb der EU. In Europa gilt TraXon vier Jahre nach seiner Erstvorstellung als etabliert. Bei MAN in der Baureihe TGX und bei Iveco hat es seine Serienstarts erfolgreich absolviert. „Unser langjähriger italienischer Kunde löst mit TraXon die bisher in verschiedenen Modellen verbaute, ebenfalls von uns stammende AS Tronic nahtlos ab“, erklärt Staedtler. „Außerdem haben wir in Deutschland gerade einen Hersteller gewonnen, der das neue Getriebe in ganz andere, buchstäblich großartige Fahrzeugkategorien bringt.“

Video: Das TraXon-Getriebe im weltweiten Einsatz

Der Leiter der Business Unit Lkw- und Van-Antriebstechnik in der ZF-Divison Nutzfahrzeugtechnik Winfried Gründler über die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten des TraXon

Höher, schwerer, stärker

Erstmals wird TraXon nun in Schwerlast-Anwendungen eingesetzt. Die um das Wandlerschaltkupplungsmodul erweiterte Variante namens TraXon Torque feiert ihre Einsatzpremiere im Mobilkran Liebherr LTM 1300-6.2. Der imposante 6-Achser mit 455 kW Leistung bringt es bei knapp 17,3 Metern Länge und drei Metern Breite auf insgesamt 72 Tonnen. Sein Teleskoparm ragt voll ausgefahren 78 Meter in die Höhe. Das Ende der Fahnenstange ist damit aber noch nicht erreicht: Auch der 9-achsige, fast 22 Meter lange und sogar 108 Tonnen schwere Liebherr LTM 1750-9.1 mit 505 kW profitiert künftig von TraXon Torque: Er lässt sich verschleißfrei anfahren, selbst bei geringsten Geschwindigkeiten sanft, komfortabel und präzise rangieren und erreicht mittels der zwölf automatisch wechselnden Gänge auf Wunsch ein Spitzentempo von 80 km/h.

Komfortables Anfahren und Schalten bei gleichzeitig hoher Wirtschaftlichkeit und Belastbarkeit? Das sind Vorteile, die sicher noch in weiteren Fahrzeugkategorien gefragt sind. Und tatsächlich sammelt das TraXon-Grundgetriebe derzeit in einem ZF-Versuchsbus eifrig Erprobungskilometer. Schließlich käme eine weitere Qualität speziell Reisebuspassagieren zugute: Es arbeitet außerordentlich leise. Das Geräuschniveau sinkt um beachtliche 35 Prozent oder sechs Dezibel gegenüber dem Vorgängersystem AS Tronic. „TraXon bietet viele Vorteile. Das gilt für die verschiedenen internationalen Märkte ebenso wie für die zahlreichen Nutzfahrzeugsegmente, in denen es derzeit für Furore sorgt – und dies in Zukunft noch tun wird“, resümiert Staedtler.

Einen 72-Tonnen-Mobilkran sacht und punktgenau auf Position manövrieren? Mit der Erstanwendung von TraXon Torque bei Liebherr klappt das.

„Early-Warning-Team“ für optimalen Serienstart

Die Ansprüche der Getriebekunden steigen nicht nur hinsichtlich der Eigenschaften, die ein fortschrittliches Getriebesystem aufweisen muss. Das Produkt sollte auch einen immer schnelleren und qualitativ höherwertigen Serienstart hinlegen, so der Wunsch. Und zwar ungeachtet der Tatsache, dass in Getrieben Mechanik und Elektronik und deren Zusammenspiel immer komplexer werden. Deshalb steht für TraXon eine 13-köpfige Kerntruppe rund um Kajo Aicher bereit, die bei den Fahrzeugherstellern große Wertschätzung genießt.

„Wir sorgen dafür, dass ein ausgereiftes Produkt beim Kunden ankommt“, sagt Aicher. Sein Team heißt „EarlyWarning“ und ist so international wie interdisziplinär besetzt: Die Mitglieder decken die Bereiche Entwicklung, Mechatronik, Versuch, Qualität und Zuverlässigkeit ebenso ab wie Kundenservice, Produktion und Montage. Um eine optimale TraXon-Serieneinführung zu gewährleisten, will das Early-Warning-Team vor allem schnell handeln. Dafür liefert die konzerneigeneTelematik-Plattform Openmatics, welche mit TraXon erstmalig in Feldversuchsfahrzeugen eingesetzt wurde, umfassende Getriebeinformationen in Echtzeit. „Erstens warten wir nicht, bis sich eine gewisse Anzahl an Auffälligkeiten angehäuft hat, sondern sehen uns jede sofort an“, erklärt Aicher. „Und zweitens beheben wir jedes Problem schnellstmöglich.“ Wie nachhaltig diese Strategie wirkt, belegen die rundum positiven Feedbacks. Der TraXon-Erstkunde etwa bescheinigte den „mit Abstand besten Getriebe-Serienanlauf aller Zeiten“.

Bilder: Dominik Gigler, Detlef Majer, ZF

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