Silvretta Classic Oldtimer-Fieber in den Bergen

ZF war wieder am Start, als im Montafon 180 Traumautos durch die malerischen Alpentäler rollten.

Pure Entschleunigung: Nur mit dem Traktor konnte man die Passstraßen noch gemütlicher hochfahren, als es die meisten Rallyeteilnehmer taten.

In dem idyllischen Alpendorf riecht es nach Benzin und Gummi, Motoren röhren durch die engen Gassen. Vom Rentner bis zum Kleinkind kommt das ganze Dorf angelaufen – zum Jubeln.
Wer die oft vergessene Freude und Begeisterung am Automobil erleben möchte, sollte eine Oldtimerfahrt besuchen. Da stehen Schulklassen an der Startrampe, Hobbyfotografen säumen die Passstraßen und in den Cafés entlang der Strecke herrscht Hochbetrieb. Am zweiten Juli-Wochenende flutete die Oldtimerbegeisterung die Täler des Montafon im österreichischen Vorarlberg. 180 historische Fahrzeuge aus 14 Ländern fuhren an vier Tagen über die Silvretta-Hochalpenstraße, die Wiesen des Appenzeller Landes und den Bregenzerwald.
Seit 19 Jahren veranstaltet die Stuttgarter Motor Presse gemeinsam mit dem Montafon Tourismus die beliebte Oldtimerfahrt Silvretta Classic und Jahr für Jahr übersteigen die Anmeldungen die verfügbaren Plätze bei weitem.

2016 war auch die ZF Friedrichshafen AG wieder mit drei historischen Fahrzeugen am Start. „Oldtimer sind sympathische und emotionale Botschafter für uns. Viele Menschen verbinden damit positive Erinnerungen aus ihrer Jugend. Gleichzeitig zeigen wir damit unsere lange Historie als Zulieferer verschiedener Automobilhersteller und unsere hohe technische Kompetenz“, begründet Janine Vogler als Pressesprecherin für historische Themen bei ZF das Engagement. Neben der Silvretta Classic starten ZF Teams regelmäßig auch bei der Bodensee-Klassik und der Sachs Franken Classic.

Diese dynamische Kombination aus sportlichem Fahrverhalten und hoher Motorleistung verkörpert kaum ein anderes historisches BMW Fahrzeug so vollendet wie BMW 328 aus dem Jahr 1936. Der legendäre Roadster feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag und startete ebenfalls auf der Silvretta Classic. In der satt grünen Bergwelt des Montafon zählte der leuchtend blaue BMW 328 des BMW Classic Teams zu den am häufigsten fotografierten Oldtimern. Wie so viele vergangene und aktuelle BMW-Modelle steht auch der BMW 328 für die langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit von BMW und ZF. Denn schon damals setzte BMW bei der Produktion seines Sportwagens auf Vierganggetriebe von ZF und von Hurth. Teile dieses Getriebebauers wurde 1995 von ZF übernommen. Aufgrund der herausragenden Bedeutung des BMW 328 für die Historie von BMW erhielt ZF vor wenigen Jahren sogar den Auftrag zur Nachfertigung des nur teilweise synchronisierten Hurth-Getriebes der Vorkriegszeit. Eine anspruchsvolle Herausforderung, da für den historischen Rallye-Sport restriktive Auflagen im Hinblick auf die Originalität gelten. Gleichzeitig musste das Getriebe konstruktiv verstärkt werden, da es ursprünglich nur für Motorleistungen von maximal 80 PS ausgelegt war, während die von BMW im historischen Motorsport eingesetzten BMW 328 heute bis zu 130 PS leisten. Mit der kniffligen Aufgabe befasste sich ein kleines ZF Team von Getriebe- und Werkstoffspezialisten aus Friedrichshafen. Sie optimierten unter anderem alle kritischen Verbindungen, Lager, Dichtungen, Festigkeiten sowie viele Werkstoffe. Durch den Nachbau verfügt BMW im Bereich Getriebe damit über eine nachhaltige und langfristige Lösung für die Ersatzteilversorgung aller BMW 328 Modelle. Die besondere Qualität der ZF Getriebes erfuhr während der Silvretta Classic unter anderem Stefan Behr. Der Kommunikationsleiter der BMW Group Classic lobt die langjährigen und enge Beziehung: „Wir schätzen die außerordentliche Zusammenarbeit mit ZF. Erst durch eine breite und gut organisierte Ersatzteilversorgung können immer mehr Menschen die Freude an klassischen BMW Fahrzeugen erleben. Wir bieten derzeit 55.000 Ersatzteile für unsere Oldtimer und sehen anhand steigender Verkaufszahlen ein wachsendes Interesse an historischen Fahrzeugen.“

Rallye-Fahrerin Isolde Holderied ging mit Tom Fux in einem Toyota 2000 GT von 1967 an den Start.

Im Mittelpunkt der allgemeinen Sympathiewelle für Oldtimer stehen dabei nicht nur die besonderes seltenen Modelle wie der BMW 328 oder die besonders kostbaren wie der millionenteure Bentley 3/8 mit der Startnummer 1. Die begeisterten Menschen entlang der Strecke klatschen genauso laut für die Alltagsfahrzeuge ihrer Kindheit wie den VW Bulli des Teams Sonax, ein Mini Cabrio oder den Citroen CX 2200 Pallas, mit dem der Kabarettist Urban Priol gut gelaunt die 560 Kilometer unter die Räder nahm. Die Fahrer in ihren Oldtimern wurden dabei nicht müde immer wieder wildfremden Menschen am Straßenrand zurückzuwinken, um den Spaß an ihrem Hobby mit möglichst vielen zu teilen.

Dass auch der Spaß an Zukunftstechnik Platz auf einer derart nostalgischen Veranstaltung hat, beweisen die Veranstalter mit der parallel laufenden Rallye Silvretta E-Auto unter dem Motto „Classic meets future“. Hier zeigen Elektrofahrzeuge, dass sie auch auf kräftezehrenden Bergstrecken zuverlässig ans Ziel kommen.

Die größte Begeisterung schlägt aber den klassischen Benzin-Fahrzeugen entgegen, die bei den Zuschauern die Erinnerung an früher wecken.

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