ZF im Motorsport Höher, schneller, weiter

Von neuen Teams über serienreife Produktinnovationen bis hin zum Engagement abseits der Rennpisten: Norbert Odendahl, Geschäftsführer bei ZF Race Engineering (ZFRE), erklärt im Up²DATE Interview, welche Ziele sich die ZF-Motorsport-Experten für der laufende Saison und darüber hinaus gesetzt haben.

Up²DATE: Herr Odendahl, auf welche sportlichen Höhepunkte fiebern Sie mit ZF Race Engineering in diesem Jahr hin?

Emotionale Highlights werden die Weltmeisterschaftsrennen in den internationalen Wettbewerben sein. In der Formel 1 vertrauen neben den Rennställen Ferrari, Toro Rosso und Sauber auch die Neulinge des Team Haas aus den USA auf Antriebs- und Fahrwerkkomponenten von ZF. In der WRC wurden zu Saisonbeginn bereits erste Siege mit Volkswagen eingefahren, so dass wir auf den vierten Weltmeistertitel in Folge hoffen. Im 24 Stunden-Rennen von Le Mans setzen die drei erfolgreichsten Teams – Audi, Porsche und Toyota – auf unsere Kupplungen, da schlagen gleich drei Herzen in meiner Brust und wir können nur gewinnen. Aber auch in nationalen Spitzensportserien wie der DTM in Europa, der Super GT in Japan und der IMSA WeatherTech Sportscar Championship (IWSC) in den USA sind wir stark aufgestellt unterwegs.

Norbert Odendahl (rechts) mit Produktentwicklern bei ZF Race Engineering.

Up²DATE: Ende 2015 hat ZF Race Engineering ein noch leistungsstärkeres Rennsportgetriebe vorgestellt. Darf man weitere Innovationen in diesem Produktsegment erwarten?

Odendahl: Mit dem 8P45R für den BMW M235i Racing haben wir neue Akzente gesetzt: Neukonstruktionen bei den Übersetzungen, Schaltpunkten sowie -geschwindigkeiten erfüllen supersportlich und kompromisslos höchste Rennsport-Anforderungen. Unter anderem durch den Verzicht auf den Wandler konnten wir 15 Prozent an Gewicht einsparen. Dieses Know-how wollen wir nutzen, um weitere Einsatzmöglichkeiten für das 8P45R zu entwickeln, beispielsweise im Breiten- und Kundenrennsport. Auch der Einsatz in exklusiven Straßensportwagen ist denkbar.

Das neu entwickelte Rennsportgetriebe 8P45R ermöglicht Rennsport ohne Kompromisse.

Up²DATE: Gibt es auch aktuelle Beispiele für Entwicklungen aus dem Rennsport, die in Serienfahrzeuge einfließen?

Odendahl: Zuletzt haben wir ein speziell abgestimmtes Sportfahrwerk unter der Produktmarke „Sachs Perfomance“ entwickelt, das in 4.000 Sondermodellen des Toyota Vitz – in Europa als „Yaris“ bekannt – eingebaut wird. Mit solchen individuell konzipierten Komponenten wollen wir unsere Bekanntheit und unser Engagement für weitere OE-Kleinserien, Konzeptfahrzeuge oder limitierte Auflagen ausbauen.

Up²DATE: Das Sortiment an Racing-Dämpfern ist sehr umfangreich. Welche Neuerungen gibt es in diesem Bereich?

Odendahl: Bei den Rennsport-Stoßdämpfern haben wir Maßstäbe durch Leichtbauvarianten gesetzt, wie beispielsweise speziell in der Formula Student. Gerade einmal 421 Gramm* bringen diese Komponenten dort auf die Waage, erreicht durch Dämpfergehäuse aus Aluminium und Einzelteilen aus hochfestem Stahl. In der Formel 1 liegen wir bei Lineardämpfern sogar bei nur noch 160 Gramm. Reibungsoptimierte Beschichtungen und Dichtungen sowie spielfreie Gelenklager tragen zusätzlich zu einer noch besseren Performance bei.

Ob auf der Straße, auf dem Wasser oder in der Luft: Leistungsstarke Motorsport-Komponenten werden fortan in noch mehr Fahrzeugen eingesetzt

Up²DATE: Ist es denkbar, dass das Produkt-Know-how von ZFRE auch in anderen Fahrzeugkategorien zum Einsatz kommt?

Odendahl: Absolut, die ersten Schritte haben wir bereits unternommen. Von Kupplungen in Hubschraubern, über Kabinendämpfer in Skipistenraupen und Seilbahnen bis hin zu Komponenten in Raketenautos wie dem Bloodhound SSC: Unsere Erfahrungen und technische Expertise können wir auf Gefährte übertragen, die sich abseits des Asphalts bewegen und ebenso enormen Belastungen Stand halten müssen. Unserem 90-köpfigen Motorsport-Ingenieursteam sind kaum Grenzen gesetzt.

Vielen Dank für das Interview, Herr Odendahl!

* ohne Feder

Weitere Artikel zu dem Thema