Motorsport Testen auf der Piste

Im Frühjahr beginnen wieder die heißen Rennen auf den Motodromen der Welt. Mit im Rennfieber: ZF Race Engineering.

Nicht nur die Rennställe blicken mit großen Erwartungen der neuen Saison entgegen. Auch für ZF steht viel auf dem Spiel. Ob Formel 1, Le Mans, DTM, Rallye-Weltmeisterschaft, Porsche Cup oder Super GT in Japan: Für ZF Race Engineering beginnt jetzt ebenfalls wieder die Rennsaison. Denn in vielen Boliden steckt Technik aus dem Konzern! Gemeinsame Rennerfolge zusammen mit den Partnern feiern ist das eine – doch am Ende des Tages geht es für die Motorsporttochter von ZF um viel mehr. Einerseits profitiert ZF von den Partnerschaften mit Autoherstellern wie BMW, VW oder Porsche, andererseits gelten die Rennen als Testlabor für neue Produkte und Technologien von ZF. Was heute unter Extrembedingungen im Rennsport besteht, findet sich morgen in der Serie wieder – der Nürburgring als Testlabor für ZF-Produkte von morgen.

Dreimal in Folge gewann Sébastien Ogier im Polo R WRC mit Technik von ZF die Rallye-Weltmeisterschaft.

Stichwort Nürburgring. Auf ihm verzeichnete ZF im Herbst vergangenen Jahres einen großen Erfolg, zusammen mit dem Partner BMW Motorsport. Im Rahmen des 10. Laufs zur VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring bestand das Rennsportgetriebe 8P45R, eine für den Motorsport gezielt weiterentwickelte Abwandlung des bewährten Seriengetriebes 8HP von ZF, sein Debüt. Mit dem 8P45R hat ZF den Weg geebnet für Automatgetriebe im Rennsport, was bislang eher als ungewöhnliche Konstruktion galt. „Das 8P45R ist ein gutes Beispiel dafür, welche zusätzlichen Entwicklungspotenziale der Rennsport für unsere Serienprodukte heben kann“, freut sich Norbert Odendahl, Chef der ZF-Tochter Race Engineering. Nach dem erfolgreichen Test bei der VLN schätzt er den Einstieg in neue Rennklassen als sehr realistisch ein.

Kunden und Mitarbeiter gleichsam begeistern

Aber nicht nur wegen des 8P45R fiebert Odendahl der bevorstehenden neuen Rennsaison entgegen. Er will an die Erfolge des vergangenen Jahres anknüpfen. In dem gab es für die Race-Tochter einiges zu feiern. In der WRC-Serie legte ZF-Partner Volkswagen einen klassischen Hattrick hin und gewann zum dritten Mal in Folge mit den Piloten Sébastien Ogier und Julien Ingrassia im Polo R WRC die Rallye-Weltmeisterschaft. Mit an Bord des Erfolgs-Polos: die ZF-Zweischeibenkupplung aus der Familie der Racing Clutch Systems (RCS) sowie die bei Rallye-Rennwagen so eminent wichtigen Stoßdämpfer, made by ZF in Schweinfurt.

„Es ist uns gelungen, aus dem Stegreif gemeinsam mit Volkswagen Motorsport eine technische Referenz in Form des besten Fahrwerks im Feld zu entwickeln“, betont Norbert Odendahl. „Durch die guten Erfahrungen von Volkswagen mit uns in der Rallye Dakar konnten wir VW als Partner für den völlig neu entwickelten Polo R WRC gewinnen. In der Folge konnten wir neue Kundenprojekte anstoßen“, resümiert Odendahl.

So schön Siegerehrungen mit Piloten, die mit ZF-Technik ihre Boliden über die Ziellinie gesteuert haben, auch sind: Neben all den Erfolgen und dem Technik-Anspruch sieht sich ZF Race Engineering auch als Werbebotschafter von ZF nach innen und außen. „Wir begeistern mit unseren Entwicklungen und Erfolgen nicht nur unsere Kunden, sondern auch die Mitarbeiter von heute und morgen“, weist Odendahl auf einen wichtigen Aspekt hin.

Im Porsche Carrera Cup 2015 errang Christian Engelhart, Markenbotschafter von ZF, den 2. Platz in der Gesamtwertung.

Der Blick in die Zukunft

Für hohe Aufmerksamkeit sorgt derzeit die rein elektrisch angetriebene Formula E mit kurzen, attraktiven Stadtrennen in den Metropolen der Welt. „In der laufenden Saison sind wir in der Formula E erstmals als Stoßdämpfer-Lieferant vertreten, mittelfristig denken wir auch über die Entwicklung eines eigenen E-Motors nach“, so Race-Engineering-Chef Odendahl. Darüber hinaus strebt er eine noch stärkere internationale Vermarktung der Performance-Produkte an, beispielsweise im Wachstumsmarkt China.

Von der erfolgreichen Integration der im vergangenen Jahr übernommenen TRW Automotive profitiert auch ZF Race Engineering: „Mit der um Bremsen und Lenkungen von TRW vergrößerten Produktpalette können wir die gesamte Bandbreite des Motorsports abdecken: von der Einstiegsklassefür Amateure bis hin zum weltweiten Spitzensport, und das sowohl auf der Rennstreckeals auch offroad bei der Rallye Dakar und der WRC“, blickt Norbert Odendahl optimistisch und voller Vorfreude der anstehenden Race-Saison entgegen.

Sieben der ersten zehn Teams beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring vertrauten auf Komponenten von ZF, überwiegend Rennkupplungen und Dämpfersysteme.

Rennsport-Wettbewerbe mit ZF-Produkten an Bord

Formel 1

In der Königsklasse des Rennsports, der Formel 1, rüstet ZF gleich vier Teams mit Dämpfertechnologie aus: Ferrari, Sauber F1, Toro Rosso F1 und den neuen F1-Rennstall Haas. Sebastian Vettel belegte in seiner ersten Ferrari-Saison aus dem Stand heraus den dritten Platz im Endklassement.

FIA Langstrecken-WM WEC und 24 Stunden Le Mans

Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2015, dem bedeutendsten Rennen der FIA Langstrecken-WM WEC, feierte Porsche seinen ersten Sieg seit der Rückkehr in den Rennsport. Der Porsche 919 Hybrid der Sieger Earl Bamber / Nico Hülkenberg / Nick Tandy ist mit einer ZF-Kupplung ausgerüstet. Auch die beiden härtesten Gegner von Porsche – Toyota im TS040 Hybrid und Audi im R18 e-tron quattro – vertrauen auf ZF-Kupplungen. Porsche gewann 2015 auch die Konstrukteurs-WM der WEC.

24 Stunden Nürburgring

Sieben der ersten zehn Teams beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring vertrauten auf Komponenten von ZF, überwiegend Rennkupplungen und Dämpfersysteme. Darunter auch die ersten vier der Gesamtwertung der 24 Stunden. Audi gelang mit dem neuen R8 LMS bei dessen erstem 24-Stunden-Rennen auf Anhieb der Erfolg in der Eifel. Auf Platz 2 folgte BMW. Beide GT3-Sportwagen sind mit Rennkupplungen von ZF Race Engineering ausgestattet. Auf Platz 3 kam Porsche, dessen 911 mit Kupplungen und Dämpfern von ZF ausgerüstet ist.

Porsche Carrera Cup

Alle 460 PS starken Porsche 911 GT3 sind mit Gasdruckstoßdämpfern und Rennkupplungen von ZF ausgerüstet. Christian Engelhart, Markenbotschafter von ZF, errang 2015 in der Gesamtwertung den 2. Platz.

DTM

Bei der DTM 2015 konnte ZF-Partner BMW die Konstrukteurswertung für sich entscheiden. Mit an Bord im Mercedes von DTM-Gesamtsieger Pascal Wehrlein sowie in allen Fahrzeugen von Audi, BMW und Mercedes: die Rennsportkupplung Formula Carbon Clutch 4/140Y von ZF. Auch Markenbotschafter Maxime Martin mit seinem Samsung-ZF-M4 DTM trug sich in die Siegerliste der DTM Saison 2015 ein.

Porsche Mobil 1 Supercup

Alle Fahrer starten im aktuellen Porsche 911 GT3, der auf dem straßenzugelassenen Leichtbau-Sportwagen 911 GT3 RS basiert. ZF liefert die Gasdruckstoßdämpfer und die Rennkupplungen für den 460 PS starken Rennwagen.

Weitere Engagements

In Japan fahren Boliden der GT500-Klasse in der Super GT mit Kupplungen aus Schweinfurt. In der FIA-Tourenwagen-WM WTCC ist der Honda Civic mit Kupplungen und Dämpfern aus Schweinfurtunterwegs. In der Global Rallyecross Championship arbeiten im 560 PS starken Volkswagen Beetle RX Dämpfer von ZF. Weitere Rennen: ADAC Opel Rallye Cup, die IMSA Weathertech SportscarChampionship in den USA, Formel 3, Formel 4 und Super Formula. Auch die Förderung von Rennsporttalenten liegt ZF Race Engineering am Herzen: Mit der Partnerschaft des Porsche Junior Programms, der Deutschen Post Speed Academy und der ADAC Stiftung Sport vermittelt die Rennsportabteilung von ZF Technikwissen an den Nachwuchs.

Fotos: René Ehrhardt, Porsche AG/hoch zwei, www.kraelingbildagentur.de (2), Illustrations: ZF

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