E-Mobility Zukunft mit „E“

Die Elektrifizierung ist einer der Schlüssel zur individuellen Mobilität der Zukunft – und ZF spielt ganz vorne mit. Gut für die Kunden: Mit der neuen Division E-Mobility kann der Technologiekonzern diesen dynamischen Markt nun noch schneller bedienen.

E-Fahrzeuge unterscheiden sich äußerlich nicht sehr von ihren verbrennungsmotorischen Pendants. Nimmt man hinter dem Steuer Platz, fühlt sich vieles identisch an. Bis man aufs „Gaspedal“ tippt. Dann ist statt des Motorengeräuschs nur ein futuristisches Surren zu hören. Und spätestens mit dem „Gasgeben“ zaubern viele E-Fahrzeuge ihren Fahrern ein Lächeln ins Gesicht: Selbst mit wenigen Kilowatt Leistung entwickeln E-Motoren aus dem Stand ein enormes Drehmoment. Dieses Sportwagen-Feeling fasziniert auch viele Autofahrer aus der Turbolader-Fraktion.

„E“ vor dem Durchbruch?

Für dieses Fahrvergnügen braucht es heute noch nicht einmal ein rein elektrisches Fahrzeug. Moderne Plug-in-Hybridfahrzeuge von BMW, Mercedes, Volvo und vielen weiteren Autoherstellern bieten diesen dynamischen Antritt ebenfalls. Fahrdynamischer „Bumms“, genügend Reichweite, ressourcenschonende Mobilität: Plug-in-Hybride könnten der Elektromobilität neuen Schwung verleihen. Zusätzlicher Rückenwind kommt durch die politische und gesellschaftliche Forderung nach mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Genau der richtige Zeitpunkt für ZF, seine Leistungen und Kompetenzen für elektrisch angetriebene Fahrzeuge neu zu organisieren und zu konzentrieren. „ZF ist bei der Elektrifizierung des Antriebsstrangs ein wichtiger Schrittmacher“, sagt CEO Dr. Stefan Sommer. Bereits 2008 eröffnete ZF das erste herstellerunabhängige Werk für elektrische Pkw-Antriebe. „Seitdem haben wir unser Portfolio für elektrische Mobilität kontinuierlich erweitert und sind heute mit einem breiten Angebot auf dem Markt“, so Sommer. Neben elektrischen Maschinen und Hybridgetrieben kommen von ZF auch attraktive Lösungen für rein elektrische Antriebe. Die Leistungselektronik kann der Konzern heute ebenfalls selbst entwickeln und produzieren. Elektrische Antriebslösungen von ZF gibt es auch für Nutzfahrzeuge wie Busse und sogar für Schwerlast-Lkw.

ZF bündelt Stärken in eigener Division

Jörg Grotendorst, Divisionsleiter

Nun erfolgt der konsequente nächste Schritt, um der Vorreiterrolle weiter gerecht zu werden: „Die Impulse und Lösungen, die bislang die unterschiedlichen Divisionen des ZF-Konzerns vorangetrieben haben, fassen wir jetzt in einer eigenen Division zusammen“, so Sommer.

Jörg Grotendorst, der neue Divisionsleiter, sieht die Zuständigkeit der neuen Division mit Hauptsitz in Schweinfurt nicht auf reine Elektromobilität beschränkt: „Unser unmittelbares Ziel muss es sein, die Elektrifizierung weiter voranzutreiben. Das entlastet den Verbrennungsmotor und optimiert den Verbrauch“, sagt der 46-Jährige (hier geht es zum Interview).

Künftig wird die neue Division vornehmlich auf drei Feldern tätig sein: Niedervolt-Technologie, Plug-in-Hybridantriebe und elektrische Achsantriebe. Bei den Plug-in-Hybridgetrieben ist der Serienanlauf bereits gestartet. So sind im BMW X5 xDrive40e und Audi Q7 e-tron Hybridgetriebe von ZF eingebaut.

Fokus auf Achsantriebe und Plug-in-Hybride

Die Division E-Mobility arbeitet zudem an einem rein elektrischen Achsantrieb, den ZF als Vorentwicklungsprojekt unter dem Namen EVD (für „Electric Vehicle Drive“) präsentiert und der bei ZF-Kunden positive Resonanz gefunden hat. Er bietet für Automobilhersteller gleich mehrere Möglichkeiten: Er kann als einziger, rein elektrischer Antrieb eingesetzt werden. Oder als zusätzlicher elektrischer Antrieb auf der Hinterachse, um eine verbrennungsmotorisch angetriebene Vorderachse zu unterstützen. Ein solcher sogenannter „Achshybrid“ wäre quasi ganz nebenbei auch mit Allrad-Antrieb unterwegs.

Video: Wie ZF die Elektrifizierung von Fahrzeugen vorantreibt und was Kunden von der neuen Division E-Mobility erwarten können

ZF bietet hohe Systemkompetenz

Mit dem breiten ZF-Portfolio in der Elektrifizierung – das vom Motor bis zum Rad den gesamten Antriebsstrang umfasst – sieht Divisionsleiter Grotendorst für die Zukunft weiteres Potenzial: „Wir werden unser Angebot und unser Know-how nutzen, um höher integrierte Lösungen anzubieten.“ Der einzigartige Wettbewerbsvorteil von ZF bei der Elektromobilität liege darin, dass kein anderer Zulieferer seinen Kunden so viele Lösungen aus einer Hand anbieten könne: elektrische Maschinen, Plug-in-Hybridgetriebe, rein elektrische Antriebe sowie die Leistungselektronik für Pkw, Lkw und Busse, betont Grotendorst.

Leistungselektronik inklusive

Harald Deiss, Leiter Elektronische Systeme

Wesentliche Eigenschaften eines elektrischen Antriebs sind durch Elektronik und Software bedingt. Die stecken in der Leistungselektronik, die den Stromfluss in die Elektromotoren bedarfsgerecht regelt. „Die Leistungselektronik ist die Intelligenz eines elektrischen Antriebs. Sie ist auch für die Effizienz des Stromverbrauchs – und damit für die Reichweite – verantwortlich“, sagt Harald Deiss. Er verantwortet die Entwicklung und Produktion im Geschäftsfeld Elektronische Systeme unter dem Dach der neuen Division.

Der Fokus der Division E-Mobility richtet sich natürlich auf die automobilen Wachstumsmärkte der Welt. Nach China etwa blickt neben Divisionsleiter Jörg Grotendorst auch Hans-Jürgen Schneider, verantwortlich für Entwicklung und Produktion elektrischer Antriebssysteme in Schweinfurt. Bei entsprechender Nachfrage in China und möglichen hohen Stückzahlen lohnt es sich, elektrische Maschinen nicht nur an deutschen Standorten, sondern auch lokal in Asien zu produzieren. Das Marktpotenzial – insbesondere für Plug-in-Getriebe – ist spürbar. „Wir werden das Produktionsnetzwerk nutzen und uns an schon bestehende Fertigungsstandorte vor Ort andocken, wo wir unsere stabilen Prozesse quasi kopieren können“, sagt Schneider.

Maßgeschneiderte Lösungen

Die elektrischen Maschinen kaufen ZF-Kunden nicht von der Stange. Jeder Serienanlauf wird von Applikationsingenieuren nach kundenspezifischen Vorgaben genau vorbereitet. Das weltweite Entwicklungs- und Produktionsnetzwerk wird dabei ständig an neue Anforderungen angepasst. Derzeit befindet sich ein Kompetenzzentrum E-Mobility in Yokohama (Japan) im Aufbau. Im Systemhaus E-Mobility werden Know-how ausgetauscht und wichtige gemeinsame Grundsatzentscheidungen getroffen, etwa für eine gemeinsame Systemarchitektur für die Steuerung. Hier setzen die Ingenieure aus der Vorentwicklung in Friedrichshafen ebenso ihre Akzente wie alle Divisionen. Denn eines ist klar: Haupttreiber der Elektrifizierung sind heute noch hauptsächlich der Gesetzgeber und die Tatsache, dass CO₂-Grenzwerte wohl nicht ohne Elektrifizierung eines Teils der Fahrzeugflotte zu erreichen sind. Doch steigern die dadurch initiierten Serienanläufe in den kommenden Jahren die Faszination E-Mobility weiter, wird auch die Nachfrage deutlich steigen. „Auf diesen Käufermarkt für elektrische Antriebe stellen wir uns heute ein“, sagt Grotendorst. Und damit auf Wachstum.

Ohne sie läuft nichts in der E-Maschine: Kupferspulen warten in Schweinfurt auf ihre Montage.

Fotos: Dominik Gigler

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