Agritechnica E-Power macht vor dem Acker nicht Halt

Was die IAA für Pkw, ist die Agritechnica für Landmaschinen. ZF stellt auf der Weltmesse für Landtechnik in Hannover innovative Produkte vor.

Der elektrische Antrieb erfolgt über einen flüssigkeitsgekühlten 3-Phasen-Asynchronmotor.

Elektro-Antrieb ist nicht nur für die zukünftige urbane Mobilität ein großes Thema. Auch vor dem Acker macht E-Power nicht Halt. Das zeigt ZF mit einem neuen elektrischen Radantrieb für landwirtschaftliche Anwendungen, zu sehen erstmalig auf der Weltleitmesse Agritechnica 2015, die bis zum 14. November in Hannover Neuheiten rund um Landtechnik vorstellt.

„Für uns ist die Agritechnica eine hervorragende Plattform, um unsere innovativen Produkte den Kunden und Herstellern aus der ganzen Welt zu präsentieren. In diesem Jahr liegt unser Schwerpunkt, wie auch in anderen Bereichen des ZF Konzerns, auf dem Thema Elektromobilität. Wir zeigen Lösungen für elektrische Antriebe in landwirtschaftlichen Anwendungen“, sagt Dr. Karl Grad, Leiter der Produktlinie Landmaschinensysteme.

Das Einsatzgebiet des neuartigen Antriebskonzepts ist vielfältig. Elektrisch angetriebene Achssysteme für Anhänger und Güllefässer sowie elektrisch angetriebene Stützräder für Pflüge sind nur einige Beispiele dafür. Die ZF-Ingenieure in Passau entwickelten mit den elektrisch angetriebenen Radköpfen eine innovative Antriebslösung, die auf professionelle Einsätze im Ackerbau mit höchsten Anforderungen abgestimmt ist.

Und der Nutzen für den Landwirt? Durch die Aufteilung der Antriebsleistung zwischen Traktor und Anhänger bzw. Anbaugerät ergeben sich wesentliche Vorteile, zum Beispiel in schwierigen Fahrsituationen bei einer Schrägfahrt am Hang. Die hoch dynamisch geregelte Traktionsunterstützung des elektrischen Antriebs ermöglicht das Arbeiten unter erschwerten Bedingungen. So wird auch die Bewirtschaftung der Felder bei widrigen Witterungsverhältnissen und aufgeweichten Böden ermöglicht. Die Zeitfenster, die dem Landwirt für die Feldarbeit zur Verfügung stehen, werden dadurch deutlich vergrößert.

ZF Antriebssysteme für Landmaschinen

Der elektrische Antrieb erfolgt über einen flüssigkeitsgekühlten 3-Phasen-Asynchronmotor mit hoher Leistungsdichte und einer nachfolgenden Getriebestufe. Der Motor ist dabei platzsparend in das Radkopf-Design integriert. Das System kann zusätzlich optional mit einer Radbremse ausgestattet werden. Die Nennspannung beträgt 400 V. Motorleistung und Antriebsmoment decken die meisten Anforderungen in der Landtechnik ab.

Mit der Elektrifizierung im Antriebsstrang von Traktoren beschäftigt sich ZF schon seit Jahren und hat auch schon Produkte im Portfolio. Das System ZF-TERRA+ ist eine integrierte Generatorlösung im ZF-TERRAMATIC-Getriebe. Es kann als Stromquelle für elektrische Verbraucher wie z. B. Anbaugeräte am Traktor genutzt werden. Durch den bedarfsgerechten Betrieb von elektrifizierten Nebenaggregaten können beim Traktor Verbrauchsvorteile von rund fünf Prozent bei gleichzeitiger Verbesserung der CO₂-Emissionen und der Arbeits- und Zugleistung erzielt werden.

Mit insgesamt acht Modellen deckt die neue TPT-Baureihe (TERRAPOWER Transaxle) einen Leistungsbereich von 65 bis 320 PS ab.

ZF-TERRA+ gibt es in verschiedenen Varianten. Wird das System mit einem Energiespeicher, zum Beispiel einer Hybridbatterie, ergänzt, entsteht ein leistungsstarker, paralleler Mildhybrid. Dies ermöglicht zusätzliche Hybridfunktionen wie Start/Stopp mit Betrieb von elektrifizierten Nebenaggregaten, kurzzeitige Motorenentlastung (Kurzzeit-Boost) und Motorberuhigung. Die Erweiterung des Generators zu einem Hybridsystem ermöglicht in Kombination mit einem intelligenten Energiemanagement weitere Verbesserungen in puncto Verbrauch, Emissionen und Arbeitsleistung. Durch die Integration von TERRA+ in das Traktorgetriebe kann es für erweiterte Funktionalitäten (Vollhybridsystem) genutzt werden.

Für Landmaschinenhersteller kann ZF zukünftig komplette Elektrifizierungssysteme aus einer Hand liefern. Dazu zählt neben den einzelnen Komponenten auch das Energiemanagement, also eine perfekte Abstimmung des Zusammenspiels von Generator, Verbrennungsmotor und elektrischen Nebenantrieben. Die optimale Abstimmung von Getriebe und Energiemanagement, wie ZF sie bietet, stellt eine Schlüsselkompetenz im Markt für elektrifizierte Antriebsstränge. Dabei greift ZF auf langjährige Erfahrung im Fahrzeugmanagement bei Nkw- und Pkw-Hybrid-Projekten zurück.

Weitere Messe-Highlights von ZF

KINTRA-Achsen sind speziell an die Bedürfnisse des chinesischen Marktes angepasst.

Auf der Agritechnica präsentiert ZF erstmals KINTRA-Lenkachsen der chinesischen Tochter ZF YTO Axle Co., einem in 2014 geschlossenen Joint Venture mit YTO, einem führenden Hersteller für Bau- und Landmaschinen. Die gemeinsame Produktion von Lenkachsen für Traktoren von 25 bis 130 PS ist 2015 in Luoyang angelaufen.

In dem gemeinsamen Joint Venture werden aktuell KINTRA Lenkachsen im Leistungsbereich zwischen 25 und 130 PS hergestellt. Das Produktangebot wird zukünftig sukzessive mit ZF Lenkachsen höherer Leistungsklassen erweitert. Die große Bandbreite an Achsen der neu gegründeten ZF YTO Axle Co. ergänzt die Produktlinie von ZF optimal. Die bestehende Produktpalette von KINTRA-Lenkachsen für Landmaschinen beinhaltet sowohl Portalachsen mit sechs Modellen im Leistungsbereich von 25 bis 70 PS als auch Planetenachsen mit vier Modellen im Leistungsbereich von 70 bis 130 PS.

Weiterer Schwerpunkt auf dem ZF-Messestand: die neuen TERRAPOWER- und TERRAMATIC-Getriebe für Traktoren. Vorgestellt wird auch das ZF Efficiency Package. Mit diesem Maßnahmenpaket bündelt ZF die Kompetenz aus der Getriebe-, Achsen- und Software-Entwicklung und bietet somit mehr als die Summe der Einzelvorteile. Dadurch können die gegensätzlichen Anforderungen der Komponenten in Einklang gebracht werden, die lauten: mehr Komfort, höhere Produktivität, weniger Verbrauch und geringerer Verschleiß bei gleichen Kosten.

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